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Die ganze Familie in der Schreinerei: (v.l.) Manfred Jursch, Sohn Thomas, Tochter Claudia, Sohn Michael und Mama Martina Jursch. 

Tag des Handwerks

Eine Familie – eine Leidenschaft

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Kaum zu glauben, aber bei  den Jurschs in Etterschlag steht die ganze Familie in der Werkstatt. Alle vier Kinder haben sich der Schreinerei verschrieben. 

Etterschlag – Dass in einer Handwerkerfamilie der Nachwuchs auch ein Handwerk erlernt, ist wohl normal. Dass aber alle vier Kinder den selben Berufsweg wie ihr Vater einschlagen und auch noch im gleichen Betrieb arbeiten, dass ist dann doch eher ungewöhnlich. So geschehen bei der Familie Jursch in Etterschlag: Andreas (41), Claudia (40), Michael (38) und Thomas (31) probierten sich in ihrer Jugend in allen möglichen Berufen aus – am Ende sind sie alle vier Schreiner geworden. Und arbeiten heute gemeinsam im elterlichen Betrieb.

Martina Jursch (60) ist eigentlich Verwaltungsangestellte. Durch ihren Mann Manfred (63) rutschte sie hinein in den Schreiner-Betrieb. „Das Fachliche habe ich mir selbst draufgeschafft“, sagt sie, und man kann sich das gut vorstellen bei der resoluten Frau, die lange im Wörthseer Gemeinderat für die CSU am Tisch saß und sicher auch daheim als Mutter von drei Söhnen und einer Tochter nie hinterm Berg gehalten hat. Ehemann Manfred Jursch war lange Geselle und machte 1985 den Meister – was bei Schreinern eineinhalb Jahre in Anspruch nimmt. In dieser Zeit hatte das Paar bereits drei Kinder – und Martina Jursch hielt den ganzen Laden über Wasser. 2004 machte sich die Familie Jursch in Etterschlag selbstständig und baute dort ihre Schreinerei auf.

Das ist nun 13 Jahre her – alle vier Kinder waren damals schon mit ihm Boot. „Dabei haben wir immer gesagt: Es kommt wie es kommt, und keinen Druck gemacht“, sagt Martina Jursch. Nur Andreas (41), dem Ältesten, „war der Beruf in die Wiege gelegt“, erzählt die Mama.

Die ein Jahr jüngere Tochter Claudia versuchte sich zwischenzeitlich als Kindergärtnerin. „Ich habe dann gemerkt: Mit den Kindern komme ich klar, aber nicht mit den Eltern“, sagt sie. Da sie künstlerisch begabt ist, lag ihr auch das Handwerk, und so ging sie im elterlichen Betrieb in die Lehre. Das war damals hart: „Da waren wir nur zu dritt unter Männern“, sagt Claudia Hainzl. „Das war auch ein Kampf für mich.“

Auch Bruder Michael (38) orientierte sich erst in andere Richtungen. Elektriker, Sanitär-Anlagenmechaniker – „er hat vieles ausprobiert und ist dann doch auch Schreiner geworden“, erzählt Martina Jursch.

Und der Jüngste, Thomas (31)? Er konnte sich den Beruf des Schreiners lange überhaupt nicht vorstellen. Er wollte erst Kfz-Mechaniker werden, später Elektriker. Eines Tages dann verletzte sich Bruder Andreas an der Hand und die Familie hatte einen großen Auftrag zu stemmen. „Da musste er ran. Andreas hat sich neben ihn gestellt und gesagt, was er tun soll“, erinnert sich die Mutter. Nach zwei Wochen im Betrieb war auch für Michael klar: „Für mich gibt es nichts anderes.“

Heute sind alle Geschwister am Gewinn beteiligt, jedes Familienmitglied nimmt aber auch eigene Aufträge entgegen. Vertragen tun sie sich gut, die sechs. „Bei uns gilt das Gesetz: Wenn einem was nicht passt, wird sofort darüber gesprochen. Und das funktioniert“, sagt die Mama.

Für Martina Jursch und ihren Mann Manfred ist der Beruf des Schreiners „einer der Schönsten, die es gibt“. Früher habe man aus Holz die wunderbarsten Möbel gemacht, und das funktioniere auch mit den modernen Materialien, selbst mit Kunststoff. Nur der Preiskampf, der macht den Schreinern das Leben schwer. „Der Schreiner braucht eine große Halle, große und teure Maschinen, die Räumlichkeiten. Trotzdem darf es nicht teuer sein“, sagt Martina Jursch. Der Beruf des Schreiners sei so gesehen „definitiv unterbezahlt“.

Daher diskutiert auch die Familie Jursch in diesen Zeiten ständig, was an Neuerungen oder auch Spezialisierungen möglich wäre. „Wir müssen uns damit auseinandersetzen“, sagt Martina Jursch. Derzeit überlege die Familie, ob sie künftig einen Onlineverkauf anbietet. „Dabei sind wir ein klassischer Schreinerbetrieb.“ Doch die Erwartungshaltung bei den Kunden, auch im Hinblick auf zeitnahe Lieferung, steige ständig. Wobei: „Wir bauen eine Küche in vier Wochen, notfalls auch drei. Und die ist dann ein Unikat. Bei den großen Möbelhäusern müssen Sie da länger warten.“

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