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Schwimmen im Wörthsee

Vier Grad Wassertemperatur, na und?

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Dieter Maus aus Weßling schwimmt jeden Tag im Wörthsee. Das ganze Jahr durch. Auch im Winter. Der Starnberger Merkur hat den 83-Jährigen am Steg in Oberndorf getroffen. 

Oberndorf– In der Nacht war es kalt, minus fünf Grad zeigte das Thermometer. Auch der Steg der Wasserwacht in Oberndorf ist an diesem Mittwochmorgen weiß überzuckert. Der See strahlt in herrlichstem Blau. Dieter Maus kommt mit seinem Pedelec angestrampelt. Munter läuft er bis an das Ende des Stegs. An einer Seite hängt ein kleiner Besen. Den Versuch, damit das Eis vom Steg zu fegen, lässt Dieter Maus aber schnell bleiben. „Zu hart.“ Dann beginnt er in Seelenruhe seine Prozedur.

Maus radelt immer von Weßling zum Wörthsee

Maus stammt ursprünglich aus Köln. Ende der 1960er-Jahre kam er wegen der Olympischen Spiele nach München, arbeitete als Klimaingenieur. Heute lebt er mit seiner Frau Sabine in Weßling. Drei erwachsene Kinder haben die beiden, der jüngste Sohn ist 45 Jahre alt.

Dieter Maus trotz dem kalten Wasser im Wörthsee.

Das mit dem Baden im Wörthsee, das macht Maus schon seit einer Ewigkeit. Oft ist er mit zwei Freunden in Oberndorf. „Aber gerade schwächeln die beiden ein bisschen.“ Könnte am Wetter liegen. „Ja“, räumt Maus ein. „Wenn es windig ist und kälter, ist das schon ein bisschen biestig.“ Warum jemand, der in Weßling wohnt, an den Wörthsee zum Baden radelt, kann Maus auch erklären. „Am Weßlinger See liegt die Badestelle ungünstig“, sagt er. Bei den häufigen Westwetterlagen sei es am Wörthsee einfach angenehmer. „Bei Ostwind kann es allerdings passieren, dass man hier auch nicht reinkommt.“

Während des Erzählens hat Maus seine Tasche positioniert, ein Handtuch sauber auseinander gefaltet und neben die Tasche auf den Steg gelegt. Ins Wasser geht er dann, wie Gott ihn schuf – abgesehen von einer Badekappe. Ohne zu zögern und ohne einen Schnaufer spaziert er einfach die Treppe hinunter und lässt sich ins Wasser gleiten. „Ich schwimme immer auf dem Rücken“, sagt er noch, und zieht ein paar Meter raus. Eine gefühlte Ewigkeit – in Wahrheit ein paar Minuten – paddelt Dieter Maus im eiskalten See herum, dann kommt er zurück. Und, wie kalt war’s? „Ich spüre die Kälte nicht.“ Auf dem Steg glitzert das Eis.

„Meine Hände und Füße sind schon immer kalt“

Im Landkreis Starnberg gibt es viele Menschen, die bis spät ins Jahr in den Seen schwimmen gehen. Ärzte sind sich einig, dass diese Rosskur gesund ist, weil sie das Immunsystem stimuliert. Auch Dieter Maus hat mit Erkältungen oder Infekten wenig am Hals. „Daher mache ich das ja auch“, sagt er in seinem weichen Kölner Singsang, den er in den vielen Jahren hier nicht verloren hat. „Wenn ich schon in die Kiste muss, möchte ich bis zu meinen Eintritt wenigstens fit sein.“ Vor wenigen Jahren erwischte es ihn dann doch, und er musste an der Herzklappe operiert werden. „Am 23. Dezember haben mich die Ärzte aus der Reha geschmissen. Am nächsten Tag bin ich in den Wörthsee gegangen – der Weihnachtsurlaub war gerettet.“

Üblicherweise geht auch seine Frau Sabine mit schwimmen. Seit ein, zwei Wochen aber ist sie nicht so fit. Maus will seine tägliche Unternehmung so lange machen, wie es irgendwie geht. Wenn das Wetter passt, so wie gestern, fährt er mit dem Pedelec von Weßling nach Oberndorf, das dauert etwa eine halbe Stunde. „Meine Hände und Füße sind dann schon immer kalt, aber das macht nichts“, sagt der 83-Jährige und präsentiert stolz seine beheizten Handschuhe.

Mittlerweile hat er sich sorgfältig angezogen, mehrere Lagen, auf dem Handtuch balancierend. Man müsse wohl süchtig sein, um das immer so durchzuziehen, überlegt er dann. „Wenn ich einen Tag nicht hierher fahre, fehlt mir was. Und wenn ich dann geschwommen bin, kann mir keiner mehr etwas nehmen.“

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