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Auf künstlerischen Pfaden: Gwenivere Lyon, Mit-Initiator Johannes Englmeier, Ute Lechner und Marianne Schweigler (v.l.) waren bei der Vernissage des Skulpturenwegs in Steinebach vor Ort.

Skulpturenweg

Kunst, so weit der Seeweg reicht

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Eine 300 Kilogramm schwere Weltkugel, Bronzefiguren und Holzköpfe – entlang des Skulpturenwegs in Steinebach gibt es vieles zu entdecken. Vergangene Woche eröffnete der Skulpturenweg, weitere Exponate sind bereits geplant.

Steinebach – Die Gemeinde Wörthsee ist ja so schon sehr schön. Die Lage, der See, alles. Spaziergänger werden neben Ausblicken auf den See nun auch von Kunstwerken überrascht, die derzeit vor allem noch im Ortsteil Steinebach unvermutet hinter den Ecken auftauchen. Bürgermeisterin Christel Muggenthal eröffnete jetzt diesen ersten und bisher einzigen Skulpturenweg im Landkreis Starnberg. Er soll ein Anfang sein von mehr. Und hat auch schon für eine Vereinsgründung gesorgt.

Auf der Wiese hinter dem Rathaus in Steinebach geriet die bunte Gästeschar der Vernissage am Donnerstag ins Staunen. Fast 40 alte eiserne Karren, beladen mit Flaschen, mumifizierten Katzen und Ratten, Sensen, Brotlaiben und mehr aus Bronze stehen dort still und mahnend. Die Installation „Gabenkarren/Laudemium“ hat das Künstlerehepaar Ute Lechner und Hans Thurner geschaffen. Es erinnert an die Abgabenbelastung der bayerischen Bauern. „Jedes der Fuhrwerke repräsentiert ein Abgabejahr“, erklärte Ute Lechner. Sorgsam hätten sie die Historie recherchiert. Betroffen ist der Zeitraum von 1755 bis 1802. „Es ist eine Hommage an alle, die aus ärmlichen Verhältnissen und unter Entbehrungen am Wohlergehen des Kultur- und Wirtschaftszentrums Kloster Seeon ihren Anteil hatten.“

Das Künstlerpaar war und ist eng befreundet mit dem Wörthseer Johannes Englmeier, der mit Andreas Huber die Idee zu dem Skulpturenweg in Wörthsee hatte. Thurner verstarb vor zwei Jahren, doch Ute Lechner hatte den Weg zur Vernissage von Wasserburg am Inn auf sich genommen, um sich anzuschauen, wo ihre Arbeiten in Steinebach Platz finden.

Wenige Meter weiter, direkt am See, steht Marianne Schweiglers „Begegnung im Park“. Die Darstellung menschlicher Beziehungen und die menschliche Vielfalt bewegen die Breitbrunnerin. Hohe, steinerne Stehlen gehen in freundliche, offene Gesichter über. Auf dem Weg dorthin sind die Spaziergänger noch an Helga Bäumlers bunten Holzköpfen vorbeiflaniert, die unterschiedlich gut gelaunt auf den Weg blicken. Auch Bäumler beschäftigt sich mit dem „Mensch sein“: „Was liegt näher im derzeitigen Weltzustand, als sich vermehrt von Holzköpfen umgeben zu sehen?“

Schwere bronzene Skulpturen von Walter Kopp aus Wörthsee, „Fremdlinge“ aus recyceltem Material von Johannes Englmeier, aber auch „Leichtes“ von Grundschulkindern aus Wörthsee, die lange Stäbe bunt angemalt haben, säumen den Weg. Dazu kommt eine Comic-Produktion von Gwenivere Lyon, die bald im Rathaus-Foyer zu sehen sein wird. Sind die Fragen der Statik geklärt, soll zudem auf dem Gelände des Segelclubs ein sechs Meter hoher Schiffsturm errichtet werden – mit mehreren Schiffssilhouetten übereinander. Auch ein Werk von Lechner und Thurner.

Mühen scheuen die Initiatoren des Skulpturenwegs keine: Eine von insgesamt drei großen Weltkugeln hängt an einem kleinen Hang am Seeuferweg. 300 Kilo ist sie schwer. Die Schwesterkugeln liegen vor dem Gästehaus „Die Grundlers“.

Weitere Exponate sollen auch den Weg in Richtung Walchstadt an der Rossschwemme säumen. Dazu kommen Stücke, die bisher noch den Skulpturenweg Schondorf schmücken, der bis zum Jahresende aufgelöst wird. Die Kunstwerke stehen immer auf Gemeindegrund. „Erst steht die Lage fest, dann das Kunstwerk“, erklärt Englmeier. Eines Tages soll der ganze Wörthsee von Kunst umgeben sein.

Betreut wird das Projekt in Zukunft von einem Verein, der sich erst vergangene Woche gegründet hat und über jedes weitere Mitglied sehr freuen würde. Vorstand ist Englmeier, Kulturreferentin Juliane Seeliger-von Gemmingen hat das Amt des Schatzmeisters übernommen. Mit im Boot sitzen Sonya Schreyögg, die Künstlerin Gwenivere Lyon, Tanja Schmalz und Sabine Ströer. Die Versicherung der Kunstwerke zahlt die Gemeinde, „aber dafür muss die Statik stimmen“, betont Englmeier.

Muggenthal unterstützt das Projekt nach Kräften. Die Kunstwerke würden eine besondere Aura entwickeln, „die mit uns korrespondiert“, findet sie. Im Internet finden sich unter www.skulpturenweg-woerthsee.de Angaben zu den Arbeiten und Künstlern. Schon bald sollen vor jedem Werk kleine, steinerne Meilensteine von Andreas Huber stehen. Englmeier freute sich. „Das ist Kunst, zugänglich für alle.“

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