Bereit für die Dreharbeiten: Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal in ihrem Büro. Gedreht hat die Filme, die heute auf der gemeindlichen Internetseite erscheinen sollen, Kulturreferentin Juliane Seeliger.  Foto: Seeliger
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Bereit für die Dreharbeiten: Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal in ihrem Büro. Gedreht hat die Filme, die heute auf der gemeindlichen Internetseite erscheinen sollen, Kulturreferentin Juliane Seeliger.

Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal äußert sich online zu Projekten, Verkehr und Touristen

So viele Beschwerden wie noch nie

Die Bürgerversammlungen sind abgeblasen, doch die Bürgermeister der Gemeinden melden sich über andere Wege zu Wort. So auch Christel Muggenthal in Wörthsee. Im Laufe des heutigen Tages ist auf der Internetseite ein etwa 40 Minuten langes Video mit ihren Ausführungen zu finden. In einem weiteren Clip beantwortet sie Fragen der Bürger zu Umweltschutz und Verkehr.

Wörthsee – Die Bürgermeisterin sitzt an ihrem Schreibtisch im Rathaus, im Hintergrund leuchtet der See, und um den geht es gleich auch indirekt: Der Andrang auf die Gemeinde Wörthsee, insbesondere die in Seenähe gelegenen Ortsteile wie Steinebach und Walchstadt, hat offensichtlich zu einer großen Anzahl von Klagen geführt. „Wir sind Kummer gewohnt, aber in diesem Jahr waren es besonders viele Beschwerden“, sagt Muggenthal. Die Corona-Pandemie trieb die Städter in den Landkreis. Dabei nutzte die Mehrheit offensichtlich nicht die öffentlichen Verkehrsmittel. Zugeparkte Einfahrten und Rettungswege sorgten für eine Menge Ärger und setzten auch die Verwaltung unter Druck. „Zwischen Einheimischen und Touristen war eine zunehmende Aggressivität spürbar“, sagt Muggenthal, die aber auch den Standpunkt vertritt, „dass wir keine Zugbrücken hochfahren können“. Erholungssuchende samt Remmidemmi seien für die wenigen schönen Sommerwochen zumutbar. „Den Rest des Jahres wohnt man dafür privilegiert.“

Trotzdem hat die Gemeinde einiges unternommen, um zumindest dem Parkplatzthema Herr zu werden. Den wilden Campern auf den Parkplätzen an der Rossschwemme und der Maistraße wurde mit Höhenbegrenzungen ein Riegel vorgeschoben. Die Seestraße wurde zur Fahrradstraße, in der Tempo 30 gilt und Radfahrer bevorrechtigt sind. Von dem Bau weiterer Parkplätze hält Muggenthal nichts: Dies sorge nur für mehr Verkehr, „das sieht man am Beispiel Stegen in Inning“.

Dass die Touristen den öffentlichen Nahverkehr nicht nutzten, wäre das größte Problem. Die Gemeinden sind daher mit dem Landratsamt und weiteren Behörden im Gespräch, so Muggenthal. Alternativen seien günstigere S-Bahn-Gruppenkarten oder auch ein so genannter Badebus. „Das sind jedoch Maßnahmen, deren Umsetzung einen langen Atem braucht.“ Dafür wäre der kommunale Ordnungsdienst verstärkt unterwegs, das gelte auch für die Wasserschutzpolizei, die mittlerweile auch am Wochenende im Einsatz sei. Und den Bauhof verstärkt ein Reinigungsteam, um dem Müll der Touristen Herr zu werden.

Beim Thema Verkehr appelliert die Bürgermeisterin auch an die Einheimischen. „Denn da ist vieles hausgemacht“, sagt sie und zeigt anhand des Verkehrsstroms im Ort, dass sehr wohl auch die Wörthseer gerne und zu viel Auto fahren. „Wir müssen auch selbst etwas tun. Weniger Auto fahren, den ÖPNV nutzen, radfahren, mehr zu Fuß gehen.“

Die großen Projekte der Gemeinde sind im Anschluss ein Thema. Die Sanierung des Kirchenwirts ist mittlerweile mit 3,4 Millionen Euro veranschlagt. „Er ist von den Pächtern schlecht behandelt worden“, sagt Muggenthal. Die Kosten kämen vor allem durch Mängel bei der Statik zustande. Wände seien einfach herausgerissen, Leitungen falsch verlegt worden. Die Gemeinde rechnet damit, dass sich die hohen Kosten – die Gemeinde hatte den Kirchenwirt für 2,3 Millionen Euro gekauft – erst in 30 Jahren amortisiert haben. Die hohen Kosten seien auch der Grund, weshalb die Gemeinde auf dem Areal Mietwohnungen baue. „Mal ganz abgesehen davon, dass wir auch Wohnungen brauchen.“

Die Gestaltung des Umgriffs, weitere Wohnbauprojekte wie das genossenschaftliche Wohnen am Teilsrain, die Pläne der Kirchenstiftung und des Verbands Wohnen erklärt die Bürgermeisterin auch anhand von Fotos. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass der Gemeinderat und sie die Nachverdichtung am Teilsrain samt Nahversorger für sinnvoll und richtig halten. Zu dem Protest gegen den Supermarkt am Wochenende (wir berichteten) äußert sie sich nicht.

Nur eins fehlt in dem Rechenschaftsbericht. Die Haushaltszahlen aus dem laufenden Jahr. Kämmerer Thomas Dischner erläutert die Zahlen aus dem Vorjahr, und mit diesen ist die Gemeinde zumindest stabil in das Corona-Jahr gestartet. Für 2020 rechnet Dischner allerdings mit ordentlichen Einbußen. Wie hoch diese sind, dazu sagt er nichts.  

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