Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

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Ganz normal am Wörthsee: Rangierende Fahrzeuge, belegte Parkplätze. 

Verkehr

Der ganz normale Verkehrs-Wahnsinn am Wörthsee

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Strapazierte Anwohner, bitterböse E-Mails an die Bürgermeisterin und verstopfte Rettungswege: An schönen Tagen regiert rund um den Wörthsee das Chaos. Die Freizeitmöglichkeiten und das gastronomische Angebot locken die Massen. Besserung ist erst mal nicht in Sicht.

Steinebach – Alle Parkplätze sind längst belegt an diesem Samstagnachmittag, doch der Strom an Menschen, die mit der Familie im Auto durch das kleine Steinebach kurven, reißt nicht ab. Den Kennzeichen nach sind vor allem Münchner, Fürstenfeldbrucker und Dachauer stark vertreten. Auf der Straße und den Parkflächen wird gereizt rangiert, die ersten parken vogelwild. „Die nehmen lieber einen Strafzettel in Kauf, als ein paar Meter mehr zu laufen“, sagt Laura Gerbecks. Die 30-Jährige lebt seit 20 Jahren in Steinebach am Wörthsee. Und hat auch als Mitglied der Wasserwacht einiges erlebt. „Oft kriegen die Freiwilligen hier keine Parkplätze, weil sich die Autofahrer einfach auf unser Grundstück stellen. Wenn einer damit anfängt, machen das alle.“

Richtig aufregen kann sie sich aber darüber, dass die Rettungswege oft verstopft sind. „Die Leute parken am Rand. Dadurch wird die Seestraße noch enger. Der Gegenverkehr kommt nicht mehr durch. Dann steht alles.“ Dabei ist es nicht nur in Steinebach sehr oft sehr eng. Vor drei Wochen erst stockte der Verkehr gegenüber am Seeufer in Oberndorf. Dann verunglückte dort ein Radfahrer. „Weil der Rettungsdienst nicht durchkam, sind wir mit dem Boot rüber und haben geholfen“, berichtet Laura Gerbecks.

Ihre Nachbarin Monika S. (45) wohnt seit 25 Jahren am Wörthsee. Sie findet, dass sich die Situation verschärft hat. „Ich brauche morgens nicht aus dem Fenster zu schauen. Ich höre an der Geräuschkulisse, wie das Wetter ist.“ Die Leute würden zunehmend hupen und sich anschreien. „Sie werden immer frecher.“

Die Verkehrssituation am Seeufer in Steinebach beschäftigt den Gemeinderat seit Jahren. Zuletzt beklagten sich Anwohner bei der Bürgerfragestunde über die Parkplatzsituation. Thema ist auch eine Einbahnstraßenregelung für die Seestraße. „Aber das generiert zusätzlichen Verkehr, weil die Anwohner dann auch mehr fahren müssen“, befürchtet Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Wenn überhaupt, mache diese Regelung nur von Ende Mai bis Ende September Sinn. Die Verkehrsplaner beschäftigen sich im Rahmen des städtebaulichen Konzepts (ISEK) mit dieser Maßnahme.

Mehr Parkplätze schaffen kann die Gemeinde nicht. Insgesamt gibt es nur 15 Stellplätze für den Augustiner, 85 am Rathaus. Beim Seehaus Raabe gibt es 35, an der Maistraße 50 und an der Rossschwemme um die 80 Plätze – alle sind kostenpflichtig. „Wenn die Leute besser einparken würden, wäre das allerdings auch schon was“, bemerkt die Bürgermeisterin trocken.

Vor allem für die Gebühren haben die Besucher wenig Verständnis. Viele zahlen nicht, stehen im Parkverbot. „Die gehen essen und kassieren danach einen Strafzettel. Von denen bekomme ich sehr böse E-Mails“, sagt Muggenthal. Allein vergangene Woche seien es drei gewesen. „Aber mich beeindruckt das nicht.“ Die Park-Kontrollstunden hat die Gemeinde gerade auf 32 Stunden pro Monat erhöht.

Christel Muggenthal fragt sich grundsätzlich schon, wie das alles weitergehen soll. „Denn auch das Neubaugebiet Freiham wirbt mit dem Fünfseenland als Erholungsgebiet.“ Auf der anderen Seite gönnt sie den Städtern die Erholung. „Ein bisschen müssen wir vielleicht auch aushalten.“

Inmitten des Chaos sitzt an diesem schönen Samstag Peter Gastl. „Sie glauben nicht, was ich hier erlebe, wie die sich alle aufführen hier, jeden Tag.“ Der 80-Jährige verkauft gegenüber vom Rathaus seine geräucherten Fische. Und er hat einen kleinen Parkplatz. Der ist aber nur für seine Kunden. Gastl ist da unbestechlich: „Neulich hat mir einer Geld angeboten. Das habe ich aber nicht genommen“, sagt er und lacht.

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