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Legehennen in einer Legebatterie: die Vögel enden als Suppenhühner. Auch das erzählt der Film „Bauer unser“.

Landwirtschaft

Landwirt verliert, Verbraucher zahlt

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„Bauer unser“: In Steinebach fand ein spannendes Filmgespräch zwischen Landwirten und Verbrauchern statt.

Steinebach – Überdimensionierte Legebatterien, lasergesteuerte Melkautomaten und erschöpfte, verschuldete Bauern, die im Wettlauf um Wachstum und Subventionen vor dem Ruin stehen: Der Dokumentarfilm „Bauer unser“ (2017) des Österreichers Robert Schabus zeigt, wie es um die Landwirtschaft in Europa bestellt ist. Klimaschutzmanagerin Josefine Anderer-Hirt zeigte den Film am Dienstagabend im Rathaus in Steinebach – sozusagen als Generalprobe, denn am heutigen Donnerstag ist sie beim Pöckinger Sozialdienst zu Gast (Ahornweg 7, 19.30 Uhr). Nach dem Film entwickelte sich eine rege Diskussion über ein komplexes Themenfeld. Fazit: Alle sind gefordert.

Die Landwirtschaft ist auf Wachstum ausgerichtet: mehr Milch, mehr Eier, mehr Fleisch. Dafür müssen die Bauern investieren. Je größer, desto höher die Subventionen. Die Bauern treibt die Gier, das mag wohl sein, aber das gilt auch für den Verbraucher, der am liebsten zur billigsten Milch im Kühlregal greift, oder den billigsten Eiern, dem billigsten Fleisch. Dazu kommen horrende Sojaexporte und Milch, die getrocknet, um den Globus transportiert und in Asien mit Öl wieder angerührt wird. Ein Dilemma mit einer irrationalen EU-Politik, in die Irre führenden Subventionen und aggressiven Lobbyisten obendrein. Auf der anderen Seite, auch das zeigt der Film, gibt es noch den Kleinbauern und Allrounder, der seine Ware direkt vermarktet. Er macht einen zufriedeneren Eindruck – wird aber immer seltener.

Der Imker Jörg Heinzler, der als Leiter des Pfründenstiftungsverbandes der Bayerischen Landeskirche auch mit den Thema Landwirtschaft und Nachhaltigkeit vertraut ist, brach die Zahlen aus der Dokumentation auf die Realität in Bayern herunter. „Betriebsgrößen dieser Art mit 1500 Hektar haben wir hier nicht.“ Im Osten sei dies durchaus ein Thema, „aber wir sind gefühlt auf der Insel der Glückseligkeit“. Und der Verbraucher habe es in der Hand, er könne zu regionalen Produkten greifen. Eine „Insel der Glückseligkeit“ vermochte eine Zuhörerin indessen nicht zu erkennen: „Überall fehlen Hecken und Feldraine. Das ist armselig.“

Ein Landwirt beklagte, dass die Verbraucher im Zusammenhang mit dem Volksbegehren Artenschutz gar nicht gelesen hätten, was sie unterschreiben. Anderer-Hirt nahm die Bürger in Schutz: „Vieles kann der Verbraucher nicht wissen, da sind auch die Landwirte in der Pflicht.“ Sie bestätigte aber, dass der Verbraucher es sich oft zu einfach mache. „Die Leute kennen gar kein Lagergemüse mehr und haben oft schräge Gewohnheiten.“ Dazu gehöre auch die Erwartung, im Winter Tomaten und Paprika kaufen zu können. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“

Jakob Zwingel aus Mittelfranken, der gerade in Herrsching den Grundkurs für Landwirte besucht, brach eine Lanze für die höheren Standards bei der Tierhaltung. „Früher, als der Bauer noch 50, 60 Tiere hatte, da waren die Ställe dunkle Löcher ohne Frischluft.“ Da habe sich viel bewegt, auch für das Tierwohl. „Der Strukturwandel ist nicht automatisch schlecht.“

Kreisobmann Georg Zankl äußerte schließlich Kritik an der Krefelder Studie. Diese hatte 2017 auf ein eklatantes Insektensterben hingewiesen – was die Diskussion über den Artenschutz ins Rollen brachte. „Wir verlangen, dass man das genauer erforscht“, sagte er und beklagte, dass viele Experten in diesem Zusammenhang populistisch agierten. Paul Grundler, Landwirt aus Steinebach, bedauerte, dass es bei diesem komplexen Themenfeld immer sofort Fronten gebe. „Die Bauern blocken, und die Verbraucher könnten besser informiert sein.“ Verbraucher und Erzeuger müssten wieder zusammengebracht werden. Denn letztlich sei es im Moment doch so: „Der Landwirt verliert, der Verbraucher zahlt.“  

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