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Das war ganz am Anfang, im März 2018: Hanna Weber und Johannes Englmeier nach dem Auszug der Kreissparkasse und vor dem Umbau. 

Mediation geplant

Verhärtete Fronten und viele Fragen: Dorfladen Wörthsee im Krisenmodus

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Für den Dorfladen Wörthsee läuft es nicht: Strukturelle Schwierigkeiten und eine Kündigung sorgen für schlechte Stimmung.

Steinebach – Bestürzung, Unverständnis, verhärtete Fronten und viele Fragen: Eine Personalie hat den Dorfladen Wörthsee in eine tiefe Krise gestürzt. Am Montagabend fand eine emotionale Infoveranstaltung zum Thema statt, am Freitag ist eine Mediation geplant. Die Lage ist unübersichtlich.

Johannes Englmeier, Geschäftsführer der Unternehmergesellschaft, die den Dorfladen an der Etterschlager Straße seit Sommer 2018 betreibt, hatte der neuen Marktleiterin kurz vor Ende der Probezeit gekündigt. Gründe dafür gibt er nicht an. „Aber ich habe mich abgestimmt.“ Auf seine Entscheidung hin sei die Situation eskaliert. „Hierarchie spielt keine Rolle, niemand hält sich an irgendetwas“, sagte er gestern. Dabei laufe der Laden „über Plan“. Ein Ersatz für die Marktleitung sei auch bereits gefunden, „sie fängt im Februar an“.

Im Rahmen einer Infoveranstaltung trafen sich nach Bekanntwerden der Personalie am Montag im Augustiner am Wörthsee 65 Anteilszeichner. Insgesamt gibt es etwa 220, die in Summe 94 000 Euro eingebracht haben. Eingeladen hatten die Beiräte Marco Walz, Inge Kronthaler und Bobbi Gahn. Englmeier und die Marktleiterin waren nicht anwesend.

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Laut Pressemitteilung des Dorfladens habe gleich zu Anfang eine Rechtsanwältin versucht, die Zusammenkunft als nicht rechtmäßig zu deklarieren. „Ziel dieser Störfeuer war es, die Informationsveranstaltung zu verhindern und so dem Beirat seine Informationspflicht gegenüber den stillen Gesellschaftern zu verwehren“, so die Verantwortlichen. Eine Beirätin, Inge Kronthaler, sei im Vorfeld der Sitzung so unter Druck gesetzt worden, dass sie ihr Amt noch am Abend niedergelegt habe. „Sie könne in einem solchen Klima nicht weiterarbeiten“, schreiben Bobbi Gahn und Hanna Weber in der Pressemitteilung. Neben der Personalie geht es um die Frage, wer das Sagen hat und Entscheidungen trifft.

Bei dem Dorfladen handelt es sich um eine demokratische Unternehmensform. Der Beginn wurde einst mit drei Gründungsgesellschaftern gemacht, die dann, wenn das Projekt steht, die Macht an das von den Anteilszeichnern gewählte Gremium, den Beirat, übergeben sollten. „Das geschieht aber nicht“, sagte Hanna Weber, die gemeinsam mit Johannes Englmeier und Birgit Dietrich Gesellschafterin ist. Im Raum steht der Vorwurf, dass Dietrich und Englmeier eigenmächtig entscheiden würden. „So bestimmen plötzlich zwei Gesellschafter über die Köpfe der circa 220 anderen“, heißt es in der Pressemitteilung des Dorfladens.

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„Die Marktleiterin hat einen richtig guten Job gemacht“, findet Hanna Weber. Das Weihnachtsgeschäft sei super gewesen, der Dorfladen habe sich zu einem Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt. Die jüngste Personalie war dennoch nicht das einzige Problem. Schon im November hatte es eine Gesellschafterversammlung gegeben, bei der auch eine Mediation im Raum stand. Unstimmigkeiten in der Geschäftsführung waren der Grund dafür gewesen. Die Kündigung war also nur das Tüpfelchen auf dem i am Ende einer langen Auseinandersetzung.

Zu einer Lösung kamen die Versammlungsteilnehmer am Montagabend nicht. „Aber es ist Bewegung in den Dorfladen gekommen. Und es ist klar, dass wir unsere Strukturen ändern müssen“, sagt Hanna Weber. „Viele sind erbost, dass sie als Geldgeber keine Handhabe haben, etwas zu unternehmen.“ Bei dem Entwurf der Geschäftsordnung habe man sich vom Dorfladennetzwerk beraten lassen: „Damit der Dorfladen so aufgesetzt ist, wie er gedacht wurde: als gemeinsamer Laden des ganzen Dorfes und nicht als Veranstaltung einiger weniger.“ An dem Abend hätten sich auch zwei mögliche Anwärter für den Geschäftsführerposten gemeldet.

Englmeier bedauert, dass der Dorfladen in die Schlagzeilen geraten ist. „Das schadet uns mehr als die Personalie.“ Diese habe er öffentlich nur schwerlich diskutieren können – es handele sich um die Tochter einer der Beiräte. Er werde im Februar eine Gesellschafterversammlung einberufen. „Ich habe auch schon mehrmals angeboten, dass ich aufhöre“, sagt er. Er müsse den Job nicht machen. „Aber es hat keiner ,hier’ geschrien.“ Er sei erst sehr spät zu der Dorfladen-Gruppe hinzugekommen. „Damals war das Klima schon zerstritten.“

Weber kann dies nicht bestätigen: „Wir mussten viele Hürden überwinden für unseren Dorfladen. Aber das wir das geschafft haben, sagt doch viel aus über die Gruppe.“ Die Schwierigkeiten hätten erst später begonnen.

Bei der Mediation am Freitag treffen nun alle Beiräte und Gesellschafter aufeinander, auch Hanna Weber ist dabei. „Ich hoffe sehr, dass wir da ins Gespräch kommen“, sagt Englmeier.

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