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Symbolfoto

Vorfall auf der A96

Geldbuße für Stinkefinger und Vogel

Wörthsee - Ein 75-jähriger Ingenieur hat sich als Verkehrsrowdy auf der Autobahn 96 bei Wörthsee gebärdet. Jetzt stand er in Starnberg vor Gericht.

Starnbergs Amtsrichterin Christine Conrad offenbarte erfrischenden Pragmatismus, als sie sich an den Angeklagten wandte: „Ich frage mich immer, welchen Grund sollten völlig fremde Menschen haben, Sie solcher Dinge zu bezichtigen?“ Mit „solcher Dinge“ war ein Zwischenfall auf der Autobahn A 96 bei Wörthsee umschrieben, der einem 75-jährigen Ingenieur aus Kottgeisering ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und Beleidigung eingebrockt hatte.

Der bislang nicht auffällig gewordene Toyota-Besitzer soll im April 2016 bei dichtem Verkehr auf der Autobahn in Richtung Westen einen notorisch links bleibenden österreichischen Opel-Fahrer erst durch dichtes Auffahren bedrängt, dann rechts überholt und schließlich geschnitten haben. Einem BMW-Lenker, den er durch das angeblich riskante Einschermanöver gleichfalls zu einer scharfen Bremsung gezwungen haben soll, hatte der Kottgeiseringer laut Anklage beim Abfahren von der A 96 in Wörthsee auch noch den Vogel und den gereckten Mittelfinger gezeigt.

Der sehr vornehm wirkende Beschuldigte bestritt nun vor Gericht die beleidigenden Gesten, ließ seinen Anwalt aber vortragen, dass „der Österreicher“ seinerzeit immerhin schon ab Germering die linke Autobahnspur für sich gepachtet hatte, mithin über eine Strecke von 17 Kilometern. „Der fuhr nur 80 statt der erlaubten 100 und später 120 – da haben alle rechts überholt!“, erläuterte der gebürtige Iraner seine Vorgehensweise, die Richterin Conrad prompt als verbotswidriges Gruppendelikt bezeichnete. Als der Ingenieur dann auch noch Berechnungen vortrug, wonach der vermeintlich beleidigte BMW-Fahrer Vogel und Stinkefinger des Abfahrenden nur bei hohem Tempo und viel zu wenig Abstand gesehen haben könne, bat die Vorsitzende den „Toyota“ noch vor Anhörung von „Opel“ und „BMW“ zum Rechtsgespräch, um ihre Einschätzung des Falles zu signalisieren.

Das Ergebnis mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte beschränkte seinen Einspruch gegen den ursprünglichen Strafbefehl auf die Höhe des Strafmaßes. Er wurde zu 50 Tagessätzen à 70 Euro nebst einmonatigem Fahrverbot verurteilt, also zu einer Geldstrafe von 3500 Euro.     Thomas Lochte

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