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Da qualmt‘s: Ein AWA-Mitarbeiter prüft die Daten nach einer Berauchung des Kanalsystems. 

Feuerwehreinsatz

Wenn es aus der Bootshütte qualmt

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Eigentlich wollte die AWA Ammersee nur die Kanalisation überprüfen. Der Signalnebel rief die Feuerwehr auf den Plan. 

Walchstadt– Da war was los am Dienstagmorgen im beschaulichen Walchstadt: Feuerwehrwagen aus Etterschlag, Steinebach, Walchstadt und Seefeld rasten zu einem Seegrundstück am Seeuferweg, dazu Mitglieder der Kreisbrandinspektion und auch Einsatzkräfte der Wasserwacht. Der Grund: möglicher Brand einer Bootshütte. Letztlich entpuppte sich das Ganze als Fehlalarm. Aus einem Rohr unter einer Bootshütte am Wörthsee war Qualm gedrungen. Dieser stammte jedoch von einer Untersuchung des Kanalsystems durch die AWA Ammersee.

Thomas Ruhdorfer ist bei der AWA Ammersee für den Kanalbetrieb zuständig. Zur Routine gehört unter anderem die Berauchung von Kanälen. Dafür wird Signalnebel in die Kanalisation geblasen. Dieser sucht sich seinen Weg durch die Rohrsysteme und tritt dann gut sichtbar an allen möglichen Stellen wieder aus, beispielsweise aus Gullydeckeln, aber auch an Dachrinnen und aus Rohren. Die AWA prüft so die Kapazitäten und Verbindungen innerhalb des Kanalsystems. Nach Berauchungen in Herrsching und Inning ist derzeit die Gemeinde Wörthsee an der Reihe, genauer der Bereich Walchstadt.

Warum gestern plötzlich die Feuerwehr auf der Matte stand, ist Ruhdorfer ein Rätsel. „Wir melden uns immer bei der Leitstelle an“, sagte er dem Starnberger Merkur. Das habe bisher auch meistens geklappt. Nur vor einigen Jahren, in Andechs, da habe ein Nachbar direkt den Kommandanten der Feuerwehr alarmiert und so die Leitstelle umgangen. „Da war auch ganz großer Aufmarsch“, erzählt Ruhdorfer. Sein Kollege Maximilian Bleimaier kann sich an die Geschichte gut erinnern. „Manchmal ist der Dorffunk eben einfach schneller.“

Gestern Vormittag also waren Ruhdorfer und drei Mitarbeiter samt ihrem auffälligen AWA-Fahrzeug schon seit etwa zwei Stunden in dem Bereich zwischen Maistraße und Walchstadt unterwegs. „Wir haben mit den Nachbarn geredet und sind da ziemlich umeinandergesaust“, sagt Ruhdorfer. Und plötzlich sei die Feuerwehr angerast. „Wir konnten dann nicht viel tun, außer, uns zu entschuldigen“, sagt Ruhdorfer. Er wisse noch nicht, wo der Fehler lag. Die Leitstelle habe bestätigt, informiert worden zu sein. „Aber irgendwo ist die Information steckengeblieben.“ Die Feuerwehr sei gleich wieder abgerückt. Grundsätzlich sehe der Qualm einer Berauchung eher nicht nach einem Feuer aus. „Er zieht nicht so schnell, sondern schleicht eher“, erklärt Ruhdorfer. Wenn er aus der Dachrinne aufsteige und sich dort fange, „dann kann es für den Laien aber schon wie ein Schwelbrand wirken“. Vermutlich habe dies auch irgendjemand bei der Bootshütte vermutet. „Der Rauch ist aus dem Rohr raus und hat sich unter der Hütte auf der Wasseroberfläche verteilt. Das kann schon so ausgesehen haben, als qualme da was.“

Kreisbrandmeister Josef Kraus kann dem Vorfall, auch Positives abgewinnen. „Gottseidank reagieren die Menschen“, sagt er. Denn lieber komme die Feuerwehr einmal zu oft, als einmal zu wenig. „Das nimmt keiner krumm.“ Wo der Informationsfluss gestern gehakt habe, weiß er auch noch nicht genau. „Möglicherweise kann die Leitstelle den Bereich nicht richtig zuordnen“, überlegt er. Er habe aber vorgeschlagen, bei Signalnebelberauchungen in Zukunft nicht nur die Leitstelle, sondern möglicherweise auch den Kommandanten der Feuerwehr vor Ort zu verständigen.

Laut Maximilian Bleimaier ist die AWA noch etwa einen Monat in der Gemeinde Wörthsee unterwegs. Die Gemeinde sei informiert, sagte Bleimaier. Die nächste Berauchung findet in der Gemeinde Pähl statt.

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