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„Wir machen auf jeden Fall weiter“

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Von: Hanna von Prittwitz

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Lassen sich nicht beirren: Juliane Seeliger-von Gemmingen (l.) und Tanja Schmalzl vom Skulpturenverein in Wörthsee mit dem beschmierten Kunstwerk.
Lassen sich nicht beirren: Juliane Seeliger-von Gemmingen (l.) und Tanja Schmalzl vom Skulpturenverein in Wörthsee mit dem beschmierten Kunstwerk. © Photographer: Andrea Jaksch

Erneut haben Unbekannte Werke am Skulpturenweg in Wörthsee mutwillig beschädigt. Die Sprecher des Skulpturenwegvereins geben trotzdem nicht klein bei. „Wir machen weiter“, sagt Juliane Seeliger-von Gemmingen – und wirbt um Mitglieder.

Wörthsee – Es dauerte nur eine gute Woche, dann war die „Spindel“ des Raistinger Künstlers Max Mirlach am Birkenweg demoliert. Zuvor schon hatten Unbekannte die Verkehrszeichen von Axel Wagner gestohlen und die Beton-Figuren von Marianne Schweigler am Seglerweg umgeworfen (wir berichteten). Zur Abwechslung war am Skulpturenweg am Wörthsee nun ein Schmierfink am Werk. „Cracks“ ziert in knallgrünen Buchstaben das Fundament des Kunstwerks „Saat“ von Peter Heesch beim Badegrundstück an der Wörthseestraße. Auf der Rückseite ist wildes Gekritzel zu sehen. Und das Fundament des Anglerherzes an der Rossschwemme in Walchstadt trägt den Spruch: „Ich bin die Moral, das Leben, das Glück der Welt.“ Der Verein Skulpturenweg Wörthsee hält umso mehr an seinem Projekt fest und dem Wunsch, Kunst öffentlich erlebbar zu machen. In einem Pressegespräch am See berichteten die stellvertretenden Vorsitzende Juliane Seeliger-von Gemmingen und Grafikerin Tanja Schmalzl von den Geschehnissen. Und dem, was noch kommt.

Seit 2019 gibt es den Skulpturenweg in Wörthsee. „Kunst im öffentlichen Raum, soweit der Seeweg reicht“, lautet das Motto. 17 Kunstwerke reihen sich mittlerweile aneinander. Die Reaktionen auf die Arbeiten sind gemischt. „Die wenigen Kritiker sind die lautesten“, sagt Tanja Schmalzl. „Ich glaube aber, es gibt die genießende, schweigende und tolerierende Mehrheit.“ Bürgermeisterin Christel Muggenthal unterstütze das Projekt. „Das gilt auch für die Mehrheit im Gemeinderat“, weiß Juliane Seeliger-von Gemmingen. Die im Übrigen kein Problem mit Diskussionen über Kunst hat: „Das gehört dazu.“

Die regelmäßige Zerstörung jedoch nervt. „Der Schlüssel ist für mich, dass der Verein größer wird und wir dadurch mit unseren Ideen einen stärkeren Stand haben im Ort“, sagt Seeliger-von Gemmingen. „Jetzt sind wir für einige nur die paar Hansel, die irgendwo Kunstwerke aufstellen.“ Seeliger-von Gemmingen findet es mutig, dass die Künstler ihre Arbeiten für den Skulpturenweg hergeben. „Sie wissen natürlich schon, worauf sie sich einlassen.“ Wobei sich Schmalzl wundert, dass die Sprüher, die sich auch als Künstler betrachten, auf die Werke anderer losgehen: „Ich würde meinen, dass sie Respekt haben.“

Gerne würde der Verein mit den Tätern ins Gespräch kommen. „Aber das interessiert die natürlich nicht“, sagt Seeliger-von-Gemmingen. Sie geht von Jugendlichen aus, die den See entlang zur S-Bahn ziehen, oftmals alkoholisiert, und sich in der Gruppe stark fühlen. Dann würde auch mal im Bücherschrank am Seglerweg gezündelt und an der S-Bahn Luft aus allen Fahrrädern gelassen.

Die ehemalige Gemeinderätin Elli Unverdross, die ganz in der Nähe des Badeplatzes an der Maistraße wohnt, will am vergangenen Mittwoch eine Gruppe Jugendliche beobachtet haben, die auch ganz frech über sämtliche Gartentüren geschaut und sichtlich Blödsinn im Sinn gehabt hätten. „Ich war kurz davor, die Polizei zu rufen“, sagte sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Max Mirlach hatte bei der umgerissenen Spindel einen kommunikativen Anlauf gewagt und auf einem Schild die Entwicklung der Spindel festgehalten mit dem Nachsatz: Danke für die Umgestaltung. Mit Hohn hätten Unbekannte darauf reagiert und sein Schild beschmiert. „Das hat ihn schon getroffen“, berichtet Schmalzl. Andererseits sei der Skulpturenweg auch eine Art Dauerausstellung und Werbung für die Künstler. So habe Axel Wagner schon seine Verkehrszeichen verkauft, und auch die Beton-Figuren von Marianne Schwegler sollten an ein Ehepaar aus Frankfurt verkauft werden. „Dann wurden sie umgerissen“, sagt Seeliger-von Gemmingen.

In diesem Jahr sollen noch zwei weitere Kunstwerke installiert werden. Marianne Schwegler hat für den Seglerweg eine robustere Betonfigur geschaffen. Und an der Rossschwemme in Walchstadt ist ein Fotoprojekt geplant. Auf der Internetseite sollen Interviews mit den Künstler erscheinen. „Vielleicht entwickeln die Menschen mehr Verständnis, wenn sie wissen, wie ein Kunstwerk entstanden ist, und unter welchen Entbehrungen“, hofft Schmalzl.

Rund 1000 Euro Sachschaden sind dem Verein bisher entstanden. Sehr viel höher ist der Einsatz von Ehrenamtlichen, die bei der Reparatur und Aufstellung der Kunstwerke helfen. Für die Spindel sei zum Glück ein Sponsor gefunden worden, berichtet Seeliger-von Gemmingen, der Schaden habe um die 500 Euro betragen. Sie ist unerschrocken. „Wir machen auf jeden Fall weiter.“ Wer sich im Skulpturenweg-Verein engagieren möchte: Zahlreiche Infos des Vereins und Kontaktdaten finden sich auf der Internetseite skulpturenweg-woerthsee.de.

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