Bekannter Aktionskünstler gestorben - Er machte mit einer besonderen Aktion am Reichstag auf sich aufmerksam 

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„Viele Gäste genießen es, dass sie mehr Platz haben“, berichtet Till Weiß, Wirt im Augustiner am Wörthsee. Er hat sich für Durchsagen extra mit einem Megafon ausgerüstet. Einige wenige Besucher machen dem Personal allerdings das Leben schwer. 

Abstands-, aber auch Anstandsregeln

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„97 Prozent unserer Gäste sind wunderbar“, sagt Till Weiß, der gemeinsam mit seiner Frau Pamela den „Augustiner am Wörthsee“ betreibt. Die restlichen drei Prozent allerdings haben sich in den vergangenen Tagen so danebenbenommen, dass Weiß am Freitag mit den Vorfällen an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Steinebach – Seit einer Woche sind die Biergärten wieder geöffnet – unter erschwerten Corona-Bedingungen. „Wir haben uns viel überlegt, um es den Gästen trotzdem so schön wie möglich zu machen“, sagt Till Weiß. Dennoch müssen sich der Wirt und sein Personal jede Menge blöde Sprüche anhören. Auf seiner Facebook-Seite hat sich Weiß nun Luft gemacht.

Frei von der Leber weg zählt er die Unverschämtheiten seiner Gäste auf: „Ich bin maskenbefreit, meinen Vorfahren hat das hier alles mal gehört“, lautet ein Beispiel. Oder: „Wie, nur zwei Haushalte an einem Tisch? (...) Dafür fährt man doch nicht extra raus. Sie können mich mal ...“ Andere haben wenig Verständnis für die Berechnung von einem Euro für ein Hygienegedeck. „Das verstehe ich jetzt nicht.“ Oder dafür, dass sie ihre Kontaktdaten angeben müssen: „Sind wir jetzt bei der Stasi oder was?“ Dazu kommen Diskussionen über Abstandsregeln am Tisch. Und Gäste „die man fünf Mal auffordern darf, dass sie um 20 Uhr gehen“.

„Wir haben viele tolle Gäste, die uns motivieren, die uns unterstützen und die uns einfach nur als Freunde zur Seite stehen“, schreibt Weiß. „Aber manchmal ist es bei den restlichen drei Prozent echt kriminell. Wir werden das auf Dauer so nicht mehr akzeptieren, da es unser Ziel ist, positive Menschen zu erreichen, die für ein Miteinander stehen.“

Till Weiß ist froh, dass er den Biergarten des Augustiner wieder bewirtschaften darf. Doch der Aufwand ist hoch, bei sinkenden Einnahmen. Die Zahl der Außensitzplätze musste er von 300 auf 140 reduzieren. Das Team hat sich ein Hygienekonzept überlegt und den Eingang umgestaltet. Und Till Weiß kaufte sich noch ein Megafon: Halbstündlich erinnert er per Tonaufnahme an die Abstandsregeln.

„Alle wissen, dass nur zwei Haushalte am Tisch erlaubt sind. Trotzdem stehen die Leute vor dir und lügen uns an“, ärgert sich Weiß im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Damit spielen sie mit unserer Existenz.“ Die Kosten für ein Hygienegedeck beruhten auf einer Absprache. „Wir Wirte am Wörthsee haben uns auf diese Gebühr geeinigt“, erklärt Weiß. Denn die Gäste erhalten bei ihm Desinfektionsmittel und bei Bedarf auch Masken, die Tische werden nach jedem Wechsel desinfiziert, die Toilette stündlich.

Weiß möchte nicht, dass die Arbeit für sein Personal belastend ist, „das hat keiner verdient“, sagt er. Seine Mitarbeiter seien für ihn das Wichtigste. „Es gibt Abstands-, aber auch Anstandsregeln.“ Weiß nimmt die Auflagen für die Gastronomie sehr ernst. „Wenn ich höre, dass auf irgendwelchen Berghütten die Menschen zu zehnt zusammensitzen, kriege ich die Krise“, schimpft er. Und betont, dass er die Arbeitsumstände durchaus akzeptabel findet, „wenn sie dazu beitragen, dass sich das Virus langsamer ausbreitet“. Hart bleibt es trotzdem: Allein 68 im Augustiner geplante Hochzeiten wurden heuer abgesagt, „das sind eine Million Euro Umsatzeinbußen“.

Auf der Facebook-Seite des Augustiner läuft die Debatte heiß. Es herrscht großes Unverständnis für die Ignoranten, egal woher sie kommen. Der Tenor ist: „Haltet durch, ihr macht das super.“ Till und Pamela Weiß freuen sich über das Lob. „Wir haben hier im Augustiner geheiratet, und wir wollen hier auch sterben, also im übertragenen Sinn“, sagt Till Weiß und lacht dann doch auch mal.

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