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„Wir setzen auf Transparenz und Vertrauen“: Michael Stannecker, einer der drei Wirte des Seehauses. 

Gastronomie und Corona

Corona-Fall: Seehaus geschlossen

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Das Seehaus Raabe in Steinebach ist wieder geschlossen. Ein Mitarbeiter war am Mittwoch positiv auf Corona getestet worden. Die Schließung erfolgt freiwillig. Auf der Facebook-Seite gibt es viel Lob für die Ehrlichkeit und Transparenz der Wirte.

Steinebach – Anstrengende Stunden liegen hinter den drei Seehaus-Pächtern Sonja Witiska, Franz Sinnreich und Michael Stannecker. „Wir haben lange überlegt, was wir tun“, sagte Stannecker am Freitag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Nachdem ein Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden war, habe auch Unsicherheit unter den Mitarbeitern geherrscht. „Daher haben wir uns entschieden, zu schließen.“ Laut Gesundheitsamt Starnberg hätte das Seehaus geöffnet bleiben dürfen. Außerdem bestünde seitens der Behörde kein Grund für groß angelegte Tests. „Wir wollten unseren Mitarbeitern aber die Chance geben, sich testen zu lassen“, erklärt Stannecker. Der Erkrankte habe Symptome gezeigt und sei daher auch schon vergangene Woche zuhause geblieben. Der Mann habe keinen Gastkontakt gehabt.

An die 50 Mitarbeiter arbeiten im Seehaus. Seit Beginn der Pandemie sind sie in Kurzarbeit. Das direkt am Wörthsee gelegene Restaurant war komplett geschlossen. Alle Mitarbeiter würden nun ihre Hausärzte aufsuchen, „das wird Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Stannecker. Einige Hausärzte hätten gar nicht die Kapazitäten. „Die Betroffenen habe ich jetzt zu meinem Hausarzt geschickt, er hat sich zum Glück bereit erklärt, das zu übernehmen“, sagt Stannecker, der wie Witiska und Sinnreich im Landkreis Fürstenfeldbruck zuhause ist.

Am Donnerstagabend informierten die Seehaus-Wirte auf ihrer Facebook-Seite über die sofortige Schließung. „Es ist nicht gut, wenn in so einem Fall alle stillhalten und so weitermachen, als wäre nichts. Wir setzen auf Transparenz und Vertrauen, das finden wir sehr wichtig“, sagt Stannecker. Und ist erleichtert über die Reaktionen. Denn sie sind durchweg positiv. „Großer Respekt für die Entscheidung und den offenen Umgang damit“, heißt es in den Kommentaren, oder „Wow! Danke für den offenen Umgang und die entschlossene Sofortmaßnahme.“ „Ihr seid’s echt super“, findet ein Gast, und „das macht euch noch sympathischer“. Eine Kundin, die für den gleichen Abend reserviert hatte, lobt die schnelle Information.

Dennoch habe die ganze Nacht sein Telefon geklingelt, erzählt Stannecker. Denn nicht alle, die reservierten, habe man erreicht, auch wegen falscher Telefonnummern. Und viele hätten einfach Fragen gehabt.

Eine Hochzeit und zwei Tagungen mussten ebenfalls abgesagt werden. Doch zum Glück herrscht zwischen den Wirten am Wörthsee ein gutes Miteinander: „Wir haben Till Weiß vom Augustiner am Wörthsee verständigt, er hilft uns aus.“ Leid tue ihm das trotzdem, nicht nur wegen der finanziellen Einbußen, für die nun niemand aufkommt. Sondern auch, weil gerade Hochzeiten oftmals auch von Bekannten und Stammgästen gebucht würden. „Das fällt schwer, wenn man den Leuten dann sagen muss, das es anders wird, als sie sich das vorstellen.“ Andererseits: „Wir haben Corona. Es ist noch nicht vorbei.“

Stannecker hofft nun, dass das Seehaus Raabe Anfang nächster Woche wieder öffnen kann, auch wenn er befürchtet, dass es möglicherweise noch Quarantäne-Maßnahmen gibt, die einen zweiten Test nötig machen. Inwieweit Gäste kontaktiert werden, weiß Stannecker nicht. „Ich gehe davon aus, dass das Gesundheitsamt dafür zuständig ist, weil wir die Daten der Gäste dahin weitergeben. Die Behörde entscheidet, ob und wer kontaktiert wird.“

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