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Das Volksbegehren hat bei den Bauern Wunden geschlagen.

Landwirtschaft

Frust und Sorge bei den Bauern

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Das Volksbegehren hat Wunden geschlagen, in der Bauernschaft brodelt es. Das zeigte eine Veranstaltung im „Augustiner am Wörthsee“, zu der mehrere CSU-Ortsvereine eingeladen hatten. 

Steinebach – Die Landwirte sind wütend. Auf die CSU. Den Verbraucher. Die Medien. Bei einer Diskussionsveranstaltung der CSU-Ortsverbände Inning, Weßling, Seefeld und Wörthsee im „Augustiner am Wörthsee“ zeigten sich Frust und Sorge. Dabei sollte es um Superfood und den Spagat zwischen Moderne und Tradition in der Landwirtschaft gehen. 

Referenten waren Anton Kreitmair, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands, der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Sabine Groß vom Lehrstuhl für Konsumforschung der TU München sowie Erich Lerf, Öko-Landwirt und Betreiber des Milchhofs Lerf im Allgäu. An die 80 Zuhörer besuchten die Veranstaltung, Augustiner-Wirt Till Weiß öffnete schließlich den großen Saal. Und um „Superfood“ ging es am Ende gar nicht mehr.

Das Volksbegehren „Artensterben – Rettet die Bienen“ und die Zugeständnisse der CSU-Regierung: Die Landwirte und der Bauernverband sind damit längst nicht im Reinen. Georg Zerhoch, CSU-Gemeinderat aus Andechs, hielt es nach den Kurzvorträgen der Referenten (siehe Kasten) nicht auf seinem Stuhl. „Ich bin stocknarrisch – Ihr werdet einstellig“, drohte er an Schöffel gewandt. Auch Kreisbäuerin Anita Painhofer konnte Schöffels Vortrag, der so kurz vor der Europawahl viel mit einer Wahlkampfrede gemein hatte, wenig abgewinnen. „Das hört sich alles toll an. Aber wir müssen das vor Ort im Dorf austragen. Das ist nicht so einfach.“ Martin Fink, CSU-Gemeinderat in Gilching, haderte im Ganzen mit den Entscheidungen der Politik. Steuergesetze und Einfuhrbestimmungen hätten beispielsweise bei Bio-Diesel und Soja „alles kaputtgemacht, immer zu Lasten der Landwirte“. Er wisse, wie verbittert die jungen Bauern seien. „Wir werden nur gefesselt.“ Mit Glyphosat behandelte Ware dürfe nicht importiert werden. Es mangele an der Kennzeichnungspflicht.

Ein Biobauer aus Machtlfing war aus anderen Gründen genervt. „Wir leben sehr gut von unserer Landwirtschaft“, sagte er und kritisierte „diese Jammerei hier“. Der Verbraucher wolle nicht, dass der Bauer Gift spritze. „Und dazu haben wir auch nicht das Recht.“ Da ging ein Raunen durch die Bänke, und Kreisobmann Georg Zankl beschwichtigte. „Die Diskussion Bio oder nicht brauchen wir nicht“, mahnte er. Und kritisierte einen Zeitungsartikel über die Biomilch der Molkerei Scheitz. „Das geht so nicht. Jeder will doch, dass seine Kuh glücklich ist.“ Wenn sich die Bauernschaft nun auch noch intern streite, werde sie nicht mehr ernstgenommen.

Der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Stefan Frey – die Kreistags-CSU hatte ihre Fraktionssitzung im Augustiner und war gut vertreten – machte schlicht ein Kommunikationsproblem verantwortlich für die Lage. „Ihr müsst auch andere Kommunikationsmittel nutzen. Die Leute sind nicht gegen die Landwirte.“ Das war ein Stichwort für Kreitmair. Der Bauernverband habe sich nicht gewehrt, „weil wir Frieden haben wollten in den Dörfern“. Letztlich aber seien die Bauern hinters Licht geführt worden.

Nur in einem herrschte Konsens durch alle Stuhlreihen hindurch. „Wir müssen im Gespräch bleiben“, sagte Schöffel. Also miteinander und nicht übereinander reden. Um Superfood und so geht’s dann vielleicht ein andermal.

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