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Test vorab: Um am Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ teilnehmen zu dürfen, musste sich Felicitas Ingerfurth auf einem Kutter bewähren.

Schülerin aus Wörthsee reist um die Welt

Pauken auf dem Segelschiff

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Ein halbes Jahr um die Welt segeln und trotzdem nichts in der Schule verpassen – dieser Traum wird für Felicitas Ingerfurth aus Steinebach bald Realität. Die 15-Jährige nimmt am Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ teil und geht dafür im Oktober an Bord der „Thor Heyerdahl“.

Steinebach – Die endlose Weite des atlantischen Ozeans im Blick, den Duft von salziger Meeresluft in der Nase und Fahrtwind in den Haaren – das erwartet Felicitas Ingerfurth aus Steinebach ab Oktober ein halbes Jahr lang. Gleichzeitig gehören aber auch büffeln, kochen, putzen und ein Segelschiff steuern zu ihren täglichen Aufgaben. Die 15-jährige Schülerin nimmt am Projekt „Klassenzimmer unter Segeln (KUS)“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg teil. Am 19. Oktober werden sie und 33 weitere Zehntklässler aus ganz Deutschland mit dem Segelschiff „Thor Heyerdahl“ von Kiel aus in See stechen.

„Ich freue mich wahnsinnig darauf“, sagt die Jugendliche, die derzeit das Gymnasium am Landheim Ammersee in Schondorf besucht. „Das wird das Abenteuer meines Lebens.“ Ihr sei jedoch bewusst, dass die Zeit auf dem Schiff nicht immer einfach, sondern auch eine große Herausforderung wird. „Das wird kein Ferienurlaub“, ist sich die Schülerin sicher. „Teilweise ist es eine starke körperliche Belastung wenn man drei, vier Stunden bei Wind, Regen und Kälte draußen steht und weitermachen muss.“ Da sie seit neun Jahren beim Segelclub Wörthsee segelt und die Sportart auch unterrichtet, hat sie auf diesem Gebiet allerdings schon viel Übung. Doch ihre Eltern und Freunde mehr als sechs Monate lang nicht zu sehen, wird der 15-Jährigen schwer fallen. „Ich werde sie sehr vermissen“, sagt Felicitas Ingerfurth.

Von Kiel geht es erst nach Marokko und nach Teneriffa

Für Ablenkung ist während der Reise jedoch gesorgt: Die jungen Teilnehmer segeln mit insgesamt 16 erwachsenen Betreuern, darunter etwa zehn Lehrkräfte, zuerst von Kiel aus nach Safi (Marokko) und anschließend nach Teneriffa. „Dort wandern wir auf den 3800 Meter hohen Pico del Teide, einen aktiven Vulkan“, erzählt Felicitas Ingerfurth. „Oben werden wir dann auch schlafen.“ Die Vorfreude auf das Abenteuer ist der 15-Jährigen anzumerken. Sehr gespannt ist sie aber auch auf die Atlantik-Querung. „Die wird 25 Tage dauern, und es ist schon etwas besonderes, so lange kein Land zu sehen“, sagt die leidenschaftliche Seglerin. Unmittelbar vor Weihnachten will die Gruppe in Grenadinen ankommen, dort kurz an Land gehen und danach in Panama anlegen. In dem mittelamerikanischen Staat verbringen die Schüler insgesamt drei Wochen.

Ein Klassenzimmer unter Segeln: Der Dreimast-Toppsegelschoner „Thor Heyerdahl“ wurde 1930 in Holland vom Stapel gelassen.

„Eine Woche werden wir im Dschungel wohnen, die übrige Zeit bei Gastfamilien“, sagt die Schülerin. Auch eine Woche Spanisch-Sprachkurs steht auf dem Programm. Danach geht die Reise weiter nach Kuba, wo die Projektbeteiligten zwei Wochen die Insel mit dem Fahrrad erkunden und danach noch eine Woche in Havanna bleiben werden. Die Fahrräder bringen die Schüler zuvor selbst aus Deutschland mit, um sie dann an eine kubanische Schule zu spenden. „Ein Fahrrad ist dort in etwa so viel Wert wie drei Pferde“, erklärt die 15-Jährige. „Man muss es nicht füttern, es fährt trotzdem.“

Am 25. April sollen die Jugendlichen planmäßig in Kiel anlegen

Der nächste Stop der Thor Heyerdahl ist Bermuda, bevor die Schüler zur Rückfahrt über den Atlantik aufbrechen. Nach einem Zwischenstopp auf den Azoren segeln die Jugendlichen Richtung Heimat. Wenn alles nach Plan läuft, kommen sie am 25. April nächsten Jahres wieder in Deutschland an. Um an der Segeltour, die als Forschungsprojekt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg angesiedelt ist, teilnehmen zu dürfen, hat sich Felicitas Ingerfurth mit einem Motivationsschreiben und einem Empfehlungsschreiben ihrer Schule beworben. Von mehreren hundert Bewerbern luden die Verantwortlichen rund 50 Schüler zu einem Probe-Törn nahe Kiel ein.

Bei dieser Expedition mussten Felicitas und ihre Mitstreiter in Kleingruppen auf einem Kutter zu einem bestimmten Zielort gelangen. Dabei wurden sie von einem Betreuer bewertet. Obwohl die Schüler sich in einem Wettstreit um die 34 Plätze auf der „Thor Heyerdahl“ befanden, habe Felicitas Ingerfurth nie ein Konkurrenzgefühl wahrgenommen. „Wir waren eher wie eine kleine Familie, in der sich jeder geholfen hat“, sagte die 15-Jährige. Auch während des großen Segeltörns werden gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit wichtig sein, weiß sie. Neben dem Segeln darf natürlich auch die Schule nicht zu kurz kommen. „Wir erhalten Unterricht nach dem bayerischen Lehrplan“, erzählt Felicitas Ingerfurth.

Die Schüler müssen sich für den Unterricht an Bord vorbereiten

Das Kultusministerium hat die Teilnahme am KUS-Projekt einem Schulbesuch im Ausland gleichgestellt. Das bedeutet für die junge Segelcrew aber auch, dass sie sich schon vorab für den Unterricht vorbereiten müssen. „Jeder wird auf der Reise zum Beispiel ein Referat halten und anschließend eine Seminararbeit darüber schreiben“, sagt die 15-Jährige. „Mein Thema ist kubanische Musik und warum sie für die Geschichte des Landes so wichtig ist.“ Neben den Referatsvorbereitungen und ihrem Job als Segellehrerin kellnert Felicitas Ingerfurth auch im Seehaus in Wörthsee, um sich ihren Traum vom großen Abenteuer zu finanzieren. Insgesamt etwa 23 000 Euro kostet die KUS-Teilnahme. Den Großteil bezahlen ihre Eltern, doch Felicitas Ingerfurth will eine von sechs Monatsraten selbst zusammenbekommen, durch ihre Nebenjobs und eine GoFundMe-Kampagne. Unter dem Benutzernamen „Fee’s World Travel“ sammelt die Steinebacherin Spenden, um einen Teil der Kosten selbst zu stemmen.

Außerdem sucht sie noch nach einem Fahrrad, das sie mit nach Kuba nehmen kann. „Ich habe bereits bei einigen Fahrradgeschäften angefragt, war aber bis jetzt noch nicht erfolgreich“, sagt Felicitas Ingerfurth. Wer ein funktionstüchtiges Fahrrad übrig habe, könne sich bei ihr melden, zum Beispiel über ihren Blog fees-world-travel.jimdofree.com oder auch ihren Instagram-Account fee.s_world_travel.

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