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Streit eskaliert auf Facebook: Bürgermeisterin blockt ehemalige CSU-Gemeinderätin

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Von: Hanna von Prittwitz

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Auf der Facebook-Gemeindeseite ist ein Streit eskaliert. © Fabian Sommer / dpa

Ein Streit über Veranstaltungen und dem damit verbundenen Besucherandrang im Ort eskalierte auf Facebook. Die Gemeinde Wörthsee reagierte sofort.

Wörthsee – Wie viele Veranstaltungen verträgt ein Ort wie Wörthsee (Landkreis Starnberg)? An dieser Frage hat sich in den sozialen Medien ein Streit entzündet, in dessen Verlauf die Gemeinde auf ihrer Facebook-Seite Meinungsbeiträge gelöscht und die ehemalige CSU-Gemeinderätin Elli Unverdross als Kommentatorin gesperrt hat. Diese wirft der Gemeinde nun einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit vor. Und ist überhaupt stinksauer.

Wörthsee: Streit um Veranstaltungen eskaliert auf Facebook: „Willkommen in der Diktatur“

Unverdross findet, dass die Gemeinde zu viele Veranstaltungen anbietet und damit zu viele Besucher und noch mehr Verkehr in den ohnehin durch Tagesausflügler strapazierten Ort lockt. „Die parken uns zu“, sagt Unverdross. Dennoch biete die Gemeinde Veranstaltungen wie beispielsweise den Umwelttag am 19. September an.

„Dabei gibt es kein Verkehrskonzept, nichts. Die Leute irren durch den Ort und wissen nicht, wohin.“ Dazu kämen die zahlreichen Baustellen im Ort. Sie habe die Situation auch schon mit der Bürgermeisterin diskutiert. „Ich frage mich ernsthaft, ob es zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehört, solche Veranstaltungen auszurichten.“ Sie stünde mit ihrer Kritik nicht alleine da, „wie ich denken viele“. Verstärkt habe sich die Situation noch durch die Anstellung einer Kulturreferentin.

Auf der gemeindlichen Facebook-Seite nahm Unverdross dann kein Blatt vor den Mund. Ihre Posts waren derart harsch und auch persönlich, dass Bürgermeisterin Christel Muggenthal die Kommentare löschte und Unverdross blockierte. „Ohne mir das mitzuteilen“, schimpft Unverdross. Auf ihrer eigenen Seite warf sie der Gemeinde daraufhin einen Verstoß gegen das Recht auf Meinungsfreiheit vor. „Willkommen in der Diktatur ... und das in Wörthsee“, so Unverdross.

Bürgermeisterin entfernt Kommentare und blockiert Gemeinderätin

Anbieter von Facebook-Seiten sind jedoch nicht verpflichtet, alle Kommentare stehen zu lassen. Schon gar nicht, wenn Mitarbeiter angegriffen werden. Darauf wird Unverdross auch auf ihrer eigenen Seite in der Diskussion hingewiesen – vom ehemaligen evangelischen Pfarrer in Wörthsee, Christoph Breit, der von Berufs wegen Administrator von Facebook-Seiten ist.

Elli Unverdross ärgert sich über zu viele Veranstaltungen im Ort.
Elli Unverdross ärgert sich über zu viele Veranstaltungen im Ort. © privat

„Ja, ich war schon sehr aufgebracht“, räumte Unverdross gestern ein. Und sie habe mittlerweile gelernt, dass sie mit dem Vorwurf in Sachen Meinungsfreiheit nicht richtig liege. Trotzdem: „Für einen Ort mit 5000 Leuten ist das alles zu viel, die Zusatzveranstaltungen machen alle verrückt, ich finde das den Wörthseern gegenüber rücksichtslos.“ Auf ihrer eigenen Seite werde sie auch weiterhin gegen den Aktionismus der Gemeinde wettern.

Muggenthal bestätigte gestern, die Kommentare von Unverdross entfernt zu haben. Weitere Kommentare würden geblockt. „Unsere Facebook-Seite ist ein zusätzliches Informationsangebot an die Bürgerinnen und Bürger“, erklärt Muggenthal. Dass auf dieser Plattform Mitarbeiterinnen „herabgewürdigt und angegriffen“ würden, könne sie nicht akzeptieren.

Bürgermeisterin Muggenthal: „Ich kann mit Kritik umgehen, solange sie sachlich ist“

Sie werde intern auch vorschlagen, die Facebook-Seite nicht weiterzubetreiben. „Ich kann mit Kritik umgehen, solange sie sachlich und höflich ist. Und ich bin ein großer Freund des persönlichen Kontakts.“ Sie bedauere das Zerwürfnis mit Unverdross. Bei einem Ort mit 5000 Menschen gebe es immer unterschiedliche Meinungen. „Man kann nicht darauf beharren, dass nur die eigene richtig ist.“

Christel Muggenthal, Bürgermeisterin, schützt ihre Mitarbeiter.
Christel Muggenthal, Bürgermeisterin, schützt ihre Mitarbeiter. © privat

Am Sonntag findet, wie berichtet „Wörthsee zeigt sich“ statt, am Samstag öffnen Künstler ihre Ateliers und Werkstätten. „Ich finde, die Gemeinde solle mehr Rücksicht auf die Bürger nehmen, nicht auf die Touristen“, schimpft Unverdross. Sie werde die Veranstaltungen jedenfalls nicht besuchen.

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