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Jäger erschießt wildernden Hund neben Spielplatz - Mutter und Kinder geschockt: „Wir sind erstmal gerannt“

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Von: Tobias Gmach

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Gassirunde
In Wörthsee hat ein Jäger einen Hund nahe eines Spielplatzes erschossen (Symbolbild). © Robert Günther/dpa-tmn

Ein Jäger erschießt einen wildernden Hund in einem Wald, der direkt an einen Spielplatz grenzt. Die Mutter dreier geschockter Töchter ist entsetzt. Und die Polizei ermittelt.

Wörthsee – Es war ein entspannter Samstagnachmittag auf dem öffentlichen Spielplatz der Wörthseer Grundschule – bis zu dem unheimlich lauten Knall. Andrea Müller (Name geändert) sagt: „Er war sehr nah an meinem linken Ohr, kam aus nur zehn bis 15 Metern Entfernung.“ Ihre drei Töchter – fünf, sieben und acht Jahre alt –, die gerade noch mit dem Rad oder den Rollschuhen herumfuhren und spielten, ergriffen panisch die Flucht. „Wir sind erst mal gerannt“, sagt Müller, deren Mutter auch dabei war.

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Was in dem Waldstück, das direkt an den Sport- und Spielplatz angrenzt, geschehen war, teilte die Polizei Herrsching am Montag offiziell mit. Ein Jäger habe beobachtet, wie ein Hund einem Reh hinterher hetzte, und ihn daraufhin erschossen. Nach dem zweiten Schuss war er tot. Der Jagdpächter des Reviers (nicht der Schütze) habe bereits seit Mitte Juli Probleme mit zwei wildernden Hunden, was er den Beamten Ende Juli mitgeteilt habe. Er zeigte ihnen auch Fotos seiner Wildkameras von den Hunden. Am Samstag meldete er der Polizei dann den Abschuss. Der ist laut dem Bayerischen Jagdgesetz erlaubt – wenn deutlich erkennbar ist, dass Hunde wildern.

Jäger erschießt Hund nahe Spielplatz: Polizei hat eine ganze Reihe an Fragen zu klären

Die Polizei hat im Rahmen ihrer Ermittlungen nun eine ganze Reihe an Fragen zu klären: War der Abschuss notwendig? Wo stand der Jäger beim Schuss? In welche Richtung schoss er? Gefährdete er Menschen in der Umgebung – sprich die spielenden Kinder mit Mama und Oma?

Andrea Müller ist wegen des Vorfalls entsetzt, sie findet es nicht nur „bizarr“, dass ein Jagdrevier direkt an den Zaun eines Schulgeländes grenzt – sondern auch, dass der Jäger ein zweites Mal schoss. „Wir haben uns bemerkbar gemacht, um Hilfe gerufen. Er muss uns gesehen haben, hat aber nicht reagiert und später behauptet, er habe sein Hörgerät nicht drin gehabt.“ Müller stört auch, dass es keinerlei Hinweise darauf gab, dass wildernde Hunde in der Gegend gesucht werden – weder von der Schulleitung noch von Jägerschaft und Polizei. Von den Beamten fühlte sich die Mutter am Telefon „unwirsch“ abgefertigt, und die gerufene Streife habe die Familie vor Ort nicht beachtet. „Wir sind uns total blöd vorgekommen“, sagt Müller. Ihre Töchter seien geschockt – „die wollen nicht mehr zu unserem Spielplatz gehen“.

Hund nahe Spielplatz erschossen: Er war schon lange bekannt, weil er Rehe auf dem Gewissen hatte

Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, ist der Fall bekannt. Er kann den Schock nachvollziehen, verteidigt aber seine Zunft. Über die beiden aus Walchstadt stammenden Hunde sagt er: „Die haben mehrere Rehe auf dem Gewissen.“ Laut Polizei hatte sie ihr Halter bereits am 8. Juli als vermisst gemeldet. Es gelte nun auch zu ermitteln, inwiefern er „ordnungsrechtlich belangt werden kann“. Der zweite Hund sei mittlerweile wieder daheim. „Wir haben in allen Revieren Probleme mit wildernden Hunden“, so Görtler. Im aktuellen Fall habe der Jäger in eine Senke und damit Richtung Boden geschossen, Menschen seien nicht in Gefahr gewesen. So habe es ihm der Revierpächter geschildert. Die Polizei sucht weitere Zeugen: (0 81 52) 930 20.

Ähnliche Vorfälle mit wildernden Hunden gibt es rund um München viele: So hat ein Hund in Weilheim ein trächtiges Reh erlegt. In Peiting hat ein freilaufender Hund ein Reh gerissen, ein Jäger filmte alles. Und in Olching führte ein Schuss auf einen wildernden Hund zu Schadensersatzforderungen.

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