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Das Käppi und die Weste waren seine Markenzeichen: Tiger Willi alias Wilhelm Raabe bei einem seiner letzten Auftritte beim Winterkult in Gauting.

Nachruf

Abschied vom Tiger Willi

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Wilhelm Raabe alias Tiger Willi ist tot. Der Liedermacher ist am Sonntag im Alter von 70 Jahren in seinem Haus in Steinebach gestorben.

Steinebach – Den Pechvögeln und Geschundenen der Welt gehörte sein Herz, am Sonntag hörte es auf zu schlagen: Wilhelm Raabe, bekannt als Tiger Willi, ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

Der letzte Auftritt liegt lange hinter ihm. Vor sechs Jahren war Raabe an Alzheimer erkrankt (wir berichteten). „Seine Wahrnehmung beschränkt sich nur noch auf das ihm bekannte Umfeld in unserem Haus und in Steinebach, wo er von Kindheit an lebt“, schreibt seine Frau Andrea auf der Internetseite des Künstlers. Sie soll nun zu einer virtuellen Erinnerungsseite werden.

Hinter Wilhelm Raabe liegt ein illustres Leben. Seine Eltern bewirtschafteten den Kirchenwirt in Steinebach, der 2017 an die Gemeinde verkauft wurde. Seine Eltern starben früh. Wilhelm Raabe verpachtete das Wirtshaus, absolvierte eine Metzgerlehre und führte in Steinebach viele Jahre ein Geschäft. Glücklich machte ihn das nicht. Also holte er sein Abitur nach, lernte Latein, studierte Kunstgeschichte, Geschichte und schließlich noch Sozialwesen. Er arbeitete auch als Sozialpädagoge, erst 1995 begann seine Karriere als Liedermacher Tiger Willi.

In der Szene zählte Tiger Willi wohl zu den schillerndsten und skurrilsten Figuren. Seine mit Anekdoten und Erzählungen geschmückten Auftritte waren legendär und so speziell, dass sich nach und nach eine sehr treue Fangemeinde bildete. Gemeinsam mit dem Gitarristen Bonzo Keil tingelte der Tiger Willi viele Jahre durch München und den Landkreis, stets ausgerüstet mit Tigerfellweste und -mütze. Seine Lieder waren an Blues- und Rockballaden angelehnt, die Melodien eingängig, die Texte dafür umso eindringlicher. Er erzählte bittersüße Geschichten über das Leben, die Liebe, Begierde aber auch Alltägliches: „Da Mond de geile Sau“ oder „Pfui Deifi is des Leben schee!“ – so lauteten die Titel. Fünf CDs produzierte Tiger Willi. Und er machte weiter mit seiner Musik, auch nachdem sein Partner Bonzo Keil 2006 überraschend starb.

In diesem Jahr lernte Wilhelm Raabe während eines Konzerts auch seine Frau Andrea kennen, 2011 heiratete das Paar. Wenig später erkrankte Wilhelm Raabe. „Er begann, sich zu verhaspeln, hatte Wortschwierigkeiten, vergaß seine Texte“, erinnert sich Andrea Raabe. Für die beiden begann eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Andrea Raabe, Lehrerin von Beruf, nahm Sonderurlaub und kümmerte sich um ihren Mann. Es dauerte, bis die Diagnose gefunden war, denn Wilhelm Raabe war eigentlich zu jung. Doch bald stand fest: Er hatte Alzheimer. Und sein Zustand verschlechterte sich schnell und schubweise. „Er hat schon erkannt, was mit ihm los wahr. Und darunter gelitten“, sagt Andrea Raabe. Trotzdem seien ihnen noch sehr schöne Zeiten vergönnt gewesen. „Weil wir so viel zusammen sein konnten“, sagt sie.

Kurz vor Weihnachten verschlechterte sich Wilhelm Raabes Zustand dramatisch. „Da haben wir uns bereits voneinander verabschiedet“, sagt Andrea Raabe. Nach einigen Klinikaufenthalten habe ihr Mann schließlich nicht mehr gewollt. Am Sonntag ist Wilhelm Raabe in seinem Haus in den Armen seiner Frau gestorben.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 16. März, in der Kirche Zum Heiligen Abendmahl in Steinebach statt. Die Beisetzung ist dem engsten Familienkreis vorbehalten.

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