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Christel Muggenthal: „Wörthsee ist und bleibt ein Tourismusort“

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Von: Hanna von Prittwitz

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Dieses hat eine heitere Randgeschichte: Für das Jahresgespräch wollte der Starnberger Merkur auch Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal vor dem entsprechenden Ortsschild der Gemeinde abbilden. Bei der Suche danach stellte sich heraus: Es gibt kein Ortsschild Wörthsee. In der Gemeinde sind nur die Ortsteile groß auf den Schildern zu finden. „Das werde ich in einer der nächsten Sitzungen mal ansprechen“, kündigte Muggenthal an.
Dieses hat eine heitere Randgeschichte: Für das Jahresgespräch wollte der Starnberger Merkur auch Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal vor dem entsprechenden Ortsschild der Gemeinde abbilden. Bei der Suche danach stellte sich heraus: Es gibt kein Ortsschild Wörthsee. In der Gemeinde sind nur die Ortsteile groß auf den Schildern zu finden. „Das werde ich in einer der nächsten Sitzungen mal ansprechen“, kündigte Muggenthal an. © Andrea Jaksch

Was bringt das Jahr 2022? Der Starnberger Merkur spricht mit den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen aller Gemeinden über die Pläne für das neue Jahr. Heute: Christel Muggenthal, Bürgermeisterin der Gemeinde Wörthsee.

Wörthsee – Ende des Jahres 2020 herrschte große Aufregung in der Gemeinde Wörthsee. Wegen der Pläne, am Teilsrain einen Supermarkt zu bauen, kündigte sich ein Bürgerentscheid an. Ein Jahr später laufen die Dinge am Teilsrain zwar in ruhigeren Bahnen, dafür sorgt die Pandemie weiter für Ungemach. Bürgermeisterin Christel Muggenthal ist froh, dass zumindest alle Gemeinderäte geimpft sind und auch noch in Klausur gehen konnten, bevor dies zu riskant wurde. Die Themenliste war lang.

Frau Muggenthal, im Gegensatz zu manch anderen Gemeinden konnten Sie noch mit dem Gemeinderat in Klausur gehen. Was sind die drängendsten Themen im kommenden Jahr in der Gemeinde Wörthsee?

In der Klausur ging es unter anderem um die mögliche Gründung eines Kommunalunternehmens. Wir haben zusätzlich die Themen Tourismus, Baulandentwicklung und Umwelt diskutiert. Wichtig ist uns, dass wir ohne Zeitdruck an Zielen und Weichenstellungen arbeiten können, aber es werden keine Beschlüsse gefasst. Dafür sind die Sitzungen da. Deshalb ist der Gemeinderat sehr einverstanden damit, einmal im Jahr in Klausur zu gehen.

Stichworte Verkehr und Tourismus. Wie will die Gemeinde das angehen?

Wir sind und bleiben ein Tourismusort, wir haben den See vor der Haustür. Deshalb haben wir auch so viele erfolgreiche Gastronomiebetriebe am Ort. Von den Wörthseern allein könnten diese nicht überleben. Beim Thema Verkehr diskutieren wir ein Parkraummanagement. Digitale Systeme melden zum Beispiel an Tourismus-Apps, wenn ein Parkplatz belegt ist. Ob das was nützt? Ich weiß es nicht. Die Maßnahme würde gefördert, und die gwt würde uns bei der Planung unterstützen. Möglich wären auch saisonale Eingriffe wie die Einführung von Einbahnstraßen und auch Sperrungen. Wir werden prüfen, was sich schnell und unbürokratisch umsetzen lässt und zügig damit anfangen, denn im März wird der Ansturm der Tagestouristen wieder einsetzen.

An schönen Tagen ist vor allem Steinebach oft zugeparkt. Gerade bei der Parkraumüberwachung fordern viele Bürger ein strengeres Vorgehen.

Ja, es wird mehr Verkehrsüberwachung gefordert. Wir werden mit der kdz Oberland (Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland, Anm. d. Red.) eine neue Vereinbarung treffen, dass mehr und vor allem am Wochenende kontrolliert wird. Oftmals aber werden die Mitarbeiter auch von den Bürgern nicht wahrgenommen, denn sie tragen keine Uniformen und arbeiten eher unauffällig.

Müll ist auch ein großes Thema. Die Besucher hinterlassen leider jede Menge davon. Und die Anwohner ärgern sich über die vollen Mülltonnen. Wie sieht da die Strategie aus?

Wir haben mehr Tonnen aufgestellt. Das ist nicht schön, aber sie sind notwendig. Und der Bauhof ist auch am Wochenende für die Leerung unterwegs. Da, wo Kioske sind, ist der Müll weniger ein Problem, die Pächter passen gut auf ihre Flächen auf. Doch der Flachpark beispielsweise war oftmals mit Pizzakartons zugemüllt. Wir haben dann mit den Gastronomen gesprochen und überlegt, ein Pfandsystem einzuführen. Die Reaktion war verhalten, würde ich sagen. Aber unsere Umweltbeauftragte ist sehr hartnäckig. Sie lässt sich auch nicht einschüchtern.

Die Gemeinde ist also auf den großen Andrang an den See vorbereitet?

Wir werden sehr früh den Ordnungsdienst an den Badeplätzen wieder einsetzen, der abends kontrolliert. Damit wollen wir verhindern, dass sich wieder so eine Szene etabliert wie im vergangenen Jahr. Das richtet sich nicht gegen die Jugendlichen, sondern gegen die, die deutlich später am Abend mit der S-Bahn kommen, harte Getränke dabei haben und in der Folge randalieren.

Welche Fortschritte wird es bei den großen Projekten in Wörthsee geben?

Am Kirchenwirt wird wie geplant weiter gebaut. Wir haben Förderzusagen von der Regierung von Oberbayern. Jeder Bauherr klagt über steigende Baukosten und wenige, sehr hohe Angebote. Viele Kommunen lassen daher Projekte ruhen und warten, dass sich die Lage verbessert. Aber wann soll das sein? Auch am Teilsrain werden wir weiterkommen. Der Architektenwettbewerb ist abgeschlossen, auf dieser Basis wird nun der Bebauungsplan entwickelt. Der Spatenstich wird wohl 2023 sein. 2022 finden auf dem Areal die archäologischen Grabungen statt. Mit dem Bau des Supermarkts wird im April 2022 begonnen, die Grabungen sind dort ja abgeschlossen.

Wird die Gemeinde ihre Kapazitäten bei der Kinderbetreuung erhöhen?

Ja, das müssen wir in Angriff nehmen, auch weil 2025 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft trifft. Zwischen dem genossenschaftlichen Wohnprojekt und der Kinderkrippe ist eine Fläche, die die Gemeinde schon 2016 zu diesem Zweck gekauft hat. Dort wollen wir ein mehrgruppiges Kinderhaus bauen.

Und die Grundschule? Wird die auch erweitert?

Die Bevölkerungszahlen geben das derzeit nicht her. Vielleicht steigen sie durch die neuen Wohnungen etwas. Bisher sind wir durch Zuzug nicht stark belastet, im Gegenteil. Laut Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept, Anm. der Red.) sichern wir unsere sozialen Systeme auch durch Zuzug, denn in Wörthsee leben sehr viele ältere Menschen. Es gibt immer Unwägbarkeiten, zum Beispiel bei der Zahl der Kinder, die einen Kindergartenplatz brauchen. Das kann am Wegzug von Familien liegen oder dass Kinder in Einrichtungen außerhalb Wörthsees angemeldet werden. Das spiegelt sich bei Schulanmeldung nicht unbedingt wider.

Ein Sorgenkind ist die Entwässerung in Etterschlag. Kommt die Gemeinde dort im neuen Jahr weiter?

Wir sind in Grundstücksverhandlungen, die wir demnächst erfolgreich abschließen werden. Das jetzige Entwässerungsbecken an der Autobahn ist nur geduldet. Wir werden dort so schnell wie möglich eine größere Tiefbaumaßnahme angehen.

Trotzdem klingt es so, als würde das nächste Jahr etwas ruhiger, was die Baustellen angeht?

Tatsächlich ja. Bei den zeitgleich stattfindenden Baumaßnahmen der Glasfaser und der Erdgasversorgung heuer lagen im Ort irgendwann die Nerven blank. Wir sind froh, dass diese Phase vorbei ist.

Die Gemeinde will aktiver sein, was Klimaschutzmaßnahmen angeht. Wann wird die Nahwärme realisiert?

Für das geplante Nahwärmenetz wurden verschiedene Varianten untersucht. Die Fotovoltaik, Wärmepumpen, Solarthermie, verschiedene Speichersysteme, Power-to-Gas-Technologie und Biomasse zum Beispiel wurden unterschiedlich kombiniert und auf deren Machbarkeit, Leistungsfähigkeit, CO2-Reduktion und Wirtschaftlichkeit untersucht. Hackschnitzel sind in allen Modellen als Grundlastträger dabei. Aufgrund der örtlichen Holzliefer-Infrastruktur wurde für das Wärmenetz in Wörthsee der Fokus auf holzhackschnitzel-befeuerte Holzvergaser gelegt. Da die verschiedenen Bauvorhaben wie genossenschaftlicher Wohnungsbau, Nahversorger und Seniorenwohnen Versorgungssicherheit für ihre eigenen Planungen benötigen, plant die Gemeinde in einem ersten Schritt eine Hackschnitzel-Energiezentrale zu errichten, die zunächst als erste Stufe des Nahwärmenetzes der Versorgung des Gebiets Teilsrain dient. Mit zunehmender Erweiterung des Netzes werden weitere Energieträger hinzukommen wie Fotovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen. Die Prüfung geeigneter Standorte für eine Energiezentrale erfolgt auch unter frühzeitiger Beteiligung von naturschutzfachlicher Seite. Die Gemeinde befindet sich noch in der Vorplanung für das Projekt. Der erste Bauabschnitt ist für das Jahr 2023 geplant, unter optimalen Bedingungen soll das Wärmenetz für die Heizperiode 2023/24 Wärme liefern.

Sind die Gräben in Wörthsee eigentlich wieder geschlossen?

Wenn Sie vom Bürgerentscheid sprechen: Von meiner Seite aus auf jeden Fall. Ich nehme keine offensichtlichen Gräben mehr wahr, obwohl es Menschen lange schmerzen kann, bei einem wichtigen Anliegen zu scheitern.

Wie ist die Stimmung im Gemeinderat?

Ich finde, dass wir eine gute Arbeitsatmosphäre haben und dass wir sehr offen diskutieren können – und fraktionsübergreifend entscheiden. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, aber wir geraten uns auch nicht in die Haare.

Auf welchen Bereich hat sich die Pandemie in der Gemeinde besonders negativ ausgewirkt?

Dass wir keine Bürgerbeteiligungen durchführen konnten bei unseren großen Projekten, das war wirklich problematisch. Wir mussten uns mit Umfragen behelfen, haben die Menschen auf der Straße befragt. Aber das hat die persönliche Beteiligung nicht ersetzen können. Ich bin mir sicher: Wenn die Pandemie nicht gewesen wäre und wir beispielsweise beim Supermarkt-Projekt am Teilsrain eine umfassende, öffentliche Diskussion hätten führen können, hätte es keinen Bürgerentscheid gegeben. Abgesehen davon bin ich nun aber sehr froh, dass es keine weiteren Schulschließungen gegeben hat und dass in Altenheimen wieder Besuche stattfinden können. Für die Kultur, den Einzelhandel und die Gastronomie bleibt es hart, das finde ich bedrückend. Am meisten bedrücken mich Berichte über völlig überarbeitete und erschöpfte Ärzte und Pfleger auf Intensivstationen.

Was ist eigentlich aus dem Fahrradstreifen an der Etterschlager Straße geworden?

Ach, das ist eine endlose Geschichte. Die Pläne dafür haben wir schon mit dem Landratsamt ausgearbeitet. In allen Behörden gibt es derzeit personelle Engpässe, nicht nur bei uns. Tatsächlich liegt es aber nicht an uns, dass der Schutzstreifen immer noch nicht da ist.

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