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Um ihr Trinkwasser sorgen sich die Wörthseer.

Verhandlung am Dienstag in München

Zu tief gebohrt? Wörthseer sorgen sich ums Trinkwasser - Gericht hat entschieden

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Ist das Wörthseer Trinkwasser gefährdet, weil für Telefonleitungen zu tief gebohrt wurde? Diese Frage ist an diesem Dienstag vor dem Verwaltungsgericht München zu klären. Auf der Anklagebank: der Landkreis.

+++ Update vom 24. September +++

Verwaltungsrecht ist eine diffizile Angelegenheit. Diese Erfahrung musste am Dienstag die Gemeinde Wörthsee machen. Statt einer Antwort auf die Frage nach der Trinkwasser-Gefährdung wurden die Klagen der Gemeinde vom Verwaltungsgericht beendet. Sie seien unzulässig, so die Begründung. 

Bürgermeisterin Christel Muggenthal wirkte bedrückt. Vor knapp vier Jahren hatte die Gemeinde Wörthsee gegen den Landkreis Starnberg Klage erhoben. Es ging um die Wasserqualität, die eventuell durch die Verlegung von Kommunikationsleitungen unterhalb der Weßlinger Ortsumfahrung beeinträchtigt worden war. Mit den beiden Klagen wollte die Gemeinde zum einen beweisen, dass die Bohrung etwas zu tief geraten und damit möglicherweise einen hochsensiblen Gesteinsbereich eröffnet hatte. Zum anderen sollten nachträgliche Schutzauflagen festgelegt werden. Doch nichts davon klappte. Die Münchner Richter beendeten beide Verfahren. Die Gemeinde sei nicht klagebefugt. Grund dafür ist die Übertragung der Wasserversorgung auf die Ammersee-Wasser-Abwasserbetriebe (AWA). 

Die Richter waren erst am Ende der Vorbereitung auf die Frage der Klagebefugnis gestoßen und hatten sie für entscheidend gehalten. Sie informierten umgehend den Rechtsanwalt der Gemeinde, Martin Neugebauer, und luden den Sachverständigen aus. Dessen Gutachten sei durch die unzulässige Klage entscheidungsunerheblich, erklärten die Richter – ein Schock für die Gemeinde. Die Erstellung hatte drei Jahre gedauert, von den Kosten ganz zu schweigen. „So ist das im Leben, zumal vor Gericht“, bemerkte ein beisitzender Richter. „Ich bin überrascht“, sagte Bürgermeisterin Muggenthal. Sie habe nur wissen wollen, ob das Wasser gefährdet sei, „ja oder nein“. „Das wissen wir nun nicht, weil wir nicht klagebefugt sind“, brachte sie die Absurdität der Situation auf den Punkt. Es wundere sie, dass das Landratsamt bislang nicht eingeschritten sei. Das Landratsamt sei für eine Staatsstraße nicht zuständig, klärte sie der Vorsitzende Richter freundlich auf. 

Wie es nun weitergeht, konnte Muggenthal am Dienstag, direkt nach der Verhandlung, nicht sagen. Sie werde die Angelegenheit heute Abend erst einmal im Gemeinderat vortragen. Und man müsse auf die schriftliche Urteilsbegründung warten. Die AWA könnte klagen, spekulierte sie. Weiter aber wollte sie nicht in die Zukunft blicken. Die Enttäuschung war ihr später am Tag anzumerken: „Wir sind seit fast vier Jahren in dem Verfahren. Es ist ein bisschen bedauerlich, dass das erst jetzt auffällt.“

Ursprungsartikel vom 23. September:

Wörthsee – „Wir warten schon lange auf diesen Termin“, sagt die Wörthseer Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Vier Jahre ist es bald her, dass die Gemeinde Klage beim Verwaltungsgericht München gegen den Landkreis eingereicht hat. Muggenthal hat auch am Tag der Verhandlung am Verwaltungsgericht die selbe Befürchtung wie damals: dass das Trinkwasser verunreinigt wird.

Um Telekommunikationsleitungen zu verlegen, hatte die beauftragte Firma im Zuge der Bauarbeiten für die Weßlinger Ortsumfahrung eine Spülbohrung gemacht – mit einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamts. Die Sorge der Wörthseer: Es könne zu tief und damit zu nah an die Trinkwasserschicht rund zehn Meter unter der Erde gebohrt worden sein. Die Bohrung hatte im Wasserschutzgebiet „Schluifeld“ stattgefunden – dort, wo die im November 2016 fertiggestellte Umfahrung unter der S-Bahn-Trasse hindurchführt. Dafür war auch die genannte Ausnahmegenehmigung erforderlich. Ein Brunnen in der Nähe versorgt etwa 80 Prozent der Wörthseer Haushalte mit Trinkwasser.

Laut Bürgermeisterin Muggenthal ist klar, dass der Bohrer auf einer gewissen Strecke tiefer als erlaubt geraten ist. Das Wasserwirtschaftsamt habe darin aber keine Gefahr für den Trinkwasserspeicher gesehen. „Da frage ich mich: Warum gibt es solche Grenzen, wenn hinterher doch alles nicht so schlimm ist?“, sagt Muggenthal. Und sie ergänzt: „Wenn es blöd läuft, muss ein neuer Brunnen gebohrt werden. Und wer zahlt den dann?“

Bereits 2015 geklagt, aber Gerichte waren beschäftigt

Die Gemeinde hatte bereits Ende 2015 geklagt. Zunächst mussten Gutachten erstellt und eingereicht werden. „Und die Gerichte waren zu dieser Zeit stark mit den Asylverfahren beschäftigt“, sagt Muggenthal. Am heutigen Dienstag fordert die Gemeinde „nachträgliche Schutzauflagen“. Wie diese aussehen könnten, ob Leitungen verlegt oder anderweitige Schutzmaßnahmen getroffen werden können, müssten Techniker erst klären – falls das Urteil pro Wörthsee ausfällt.

Die Weßlinger Umfahrung schafft es immer wieder in die lokalen Schlagzeilen: Der Gemeinderat debattiert darüber, wie er mehr Autos auf die Umgehungsstraße locken könnte. Naturschützer befürchten, dass dort tausende Amphibien sterben. Zum aktuellen Anlass sagt Weßlings Bürgermeister Michael Muther, der auch Vorsitzender des Verbands „Wassergewinnung Vierseenland“ ist: „Durch die Bohrung sind keine Schadstoffe ins Trinkwasser gelangt. Es ist nicht gefährdet. Das ist mein Stand.“ Und: Die Experten beim Wasserwirtschaftsamt würden ihre Aussagen nicht „aus der hohlen Hand“ treffen.

Muggenthal, seine Kollegin aus Wörthsee, ist überzeugt, dass das sogenannte Beweissicherungsverfahren am Gericht der richtige Weg ist: „Es gibt sicher Leute, die uns für Querulanten halten. Aber wir wollen das abschließend geklärt haben.“

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