Die Tage in Herrsching sind gezählt: Betreiber Matthias Helwig (r.) und seine Mitarbeiterin Katharina Püchler im Foyer des Breitwand-Kinos. Foto: Andrea Jaksch

Schließung naht

Herrsching bald ohne Breitwand-Kino

Herrsching - Herrsching verliert ein wichtiges kulturelles Angebot: Das Breitwand-Kino wird in einem Jahr schließen. Das Rathaus stört das offenbar nicht, stellt Betreiber Matthias Helwig fest.

„Liebes Breitwand-Kino Herrsching – schade, dass es Dich bald nicht mehr geben wird. Wir haben die Gemütlichkeit & guten Filme geliebt.“ Solche doch recht persönlichen Worte des Abschieds hat ein Besucher dieser Tage ins Gästebuch des Kinos geschrieben. Die Tage des einzigen Herrschinger Lichtspieltheaters sind offenbar gezählt.

„Fakt ist, dass der Vertrag zwischen mir als Kino-Betreiber und Hauseigentümer Josef Spindler im Februar 2018 endet“, sagt Matthias Helwig. Die Gründe, warum in absehbarer Zeit Schluss sein soll, seien aber vielschichtiger Natur „und keineswegs die Schuld von Herrn Spindler“, stellt er klar. Ein nur einzügiges Kino wie das in Herrsching habe heutzutage trotz der aktiven Agenda-Filmreihe einfach kaum Überlebenschancen, weiß Helwig. Er betreibt auch die Breitwand-Kinos in Seefeld und Starnberg und errichtet derzeit am Gautinger Bahnhof ein weiteres Kino mit vier Sälen. „Das Gebäude in Herrsching hätte man nicht mal auf zwei Säle erweitern können, weil die Grundstücksfläche dies gar nicht hergegeben hätte.“ Für jedes Kino aber sei eine bestimmte „kritische Masse“ von Besuchern unabdingbar. Mit einem täglichen Parallel-Angebot von zwei Filmen verdopple sich also die Option auf ausreichenden Zuspruch – in Herrsching anscheinend nicht zu machen, zumal 2015 laut Helwig auch noch ein recht schwaches Kinojahr gewesen ist mit sinkenden Besucherzahlen.

Schaut jeder nur auf die Seepromenade?

Helwig deutet an, dass in Fällen wie diesem der klare Wille einer Gemeinde zum Ausdruck kommen müsse, „dass man so einen kulturellen Treffpunkt unbedingt am Ort erhalten will“. Gautings frühere Bürgermeisterin Brigitte Servatius habe zum Beispiel in ihrer Amtszeit viele Hürden aus dem Weg geräumt, damit es in ihrer filmbegeisterten Gemeinde wieder ein Kino geben würde. Am Ammersee sei dies leider nicht zu beobachten, merkt der 56-Jährige – Kulturreferent in seiner Heimatgemeinde Gilching – kritisch an. „Von Bürgermeister Christian Schiller kamen bislang leider keine konstruktiven Vorschläge. Die Leute schauen hier nur auf die Seepromenade und nicht auf den kulturell nun verödenden Ortskern.“

Während in Helwigs Worten ein gewisses Bedauern und etwas Frustration mitschwingt, steckt die Betreiberin des zum Kino gehörenden Cafés, Gülay Gündogdu, dem Vernehmen nach schon mitten im Umzug nach Wörthsee, wo sie eine neue Wohnung gefunden hat. Der Hauseigentümer hatte für ihre Wohnung im Obergeschoss Eigenbedarf angemeldet. Im Erdgeschoss mit dem jetzigen Café-Foyer, wo sich einst eine Druckerei befand, soll nach dem Ende des Kinos weiterer Wohnraum entstehen – wenn nicht bis Februar 2018 noch ein Wunder geschieht wie im Filmklassiker „Cinema Paradiso“. Jenes Kino in Sizilien wurde sogar abgerissen – und das ganze Dorf trauerte.

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