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Der Traum vom Job wird für viele Flüchtlinge durch die Regierung von Oberbayern erschwert. 

Arbeitsmarkt

Wenige Jobangebote für Flüchtlinge

Deutlich weniger Flüchtlinge als im vorigen Jahr kommen im Landkreis Starnberg zurzeit in Lohn und Brot. Die Zahl der monatlichen Vermittlungen ist stark gesunken.

Landkreis – Die Zahl der monatlichen Arbeitsvermittlungen für Asylbewerber ist auf nur noch zehn bis 15 gesunken. Das bestätigen Dirk Dieber, der Leiter der Starnberger Agentur für Arbeit, und Dr. Georg Strasser, Leiter des Sprecherrats der Helferkreise im Landkreis Starnberg. Zuvor waren es nach ihren Angaben monatlich 50 bis 60 Vermittlungen gewesen.

Über Monate hatte die positive Beschäftigungsentwicklung bei Asylbewerbern den Landkreis Starnberg in ganz Oberbayern zu einem Vorzeigebeispiel gemacht. Dieber führt dies zu einem wesentlichen Teil auf den Starnberger Landrat Karl Roth zurück: „Ich bin sehr froh, dass wir ihn haben und dass er es mitträgt.“ Auch die Helferkreise hätten dazu mit „enorm viel Arbeit“ beigetragen.

Der mittlerweile festgestellte Rückgang der Arbeitsvermittlungen wird umso mehr bedauert. Ein Grund dafür wird in der restriktiven Haltung der bayerischen Staatsregierung gesehen, die Arbeitserlaubnisse nur noch Flüchtlingen mit guter Bleibewahrscheinlichkeit gewähren will.

Landrat Roth will seinen Ermessensspielraum bei der Beschäftigung von Flüchtlingen trotzdem auch weiterhin großzügig auslegen, wie Stefan Diebl, der Sprecher des Landratsamts, bekräftigt. Sogar wenn sich für Flüchtlinge die Abschiebung abzeichnet, sich diese aber – nicht selten um Monate oder Jahre – hinauszögert, stellt sich Roth auf den Standpunkt, die Leute sollten arbeiten und selbst ihren Teil zum Lebensunterhalt beitragen. Ob und inwieweit die restriktive Haltung der Regierung tatsächlich zum Rückgang der Arbeitsvermittlungen bei Flüchtlingen geführt hat, will Agenturchef Dieber aber noch nicht abschließend beurteilen.

Er schließt auch eine gewisse Sättigung oder saisonale Einflüsse nicht aus. Eigentlich, sagt er, gebe es aber nach wie vor in allen Bereichen Einstellungsbedarf. „Wenn die Unsicherheiten wieder ausgeräumt sind“, meint er, „werden die Unternehmen vielleicht auch wieder mehr Flüchtlinge einstellen.“ Wenn einer ein Asylverfahren abgeschlossen habe und zum „Kunden“ des Jobcenters werde, brauche er ohnehin keine Arbeitserlaubnis mehr. Das Starnberger Jobcenter hatte im vorigen Jahr bei der Vermittlung bereits anerkannter Flüchtlinge, für das es zuständig ist, den dritten Platz in ganz Bayern erreicht.

Nach Angaben von Gerhart Schindler, dem Leiter des Jobcenters, konnten 88 von insgesamt 300 Personen in Arbeit gebracht werden. Schindler rechnet für dieses Jahr mit einem deutlichen Zuwachs an Asylbewerbern, um die sich das Jobcenter zu kümmern hat, auf 600 bis 700 Personen. Mit seiner selbstbewussten Vorgehensweise trotz aller Regierungsvorgaben hat Landrat Roth weit über die Landkreis-Grenzen hinaus Respekt erworben. Dennoch gibt es auch im Landkreis Starnberg Diskussionen darüber, ob man mit den Arbeitserlaubnissen für Flüchtlinge noch weiter gehen könnte.

Georg Strasser vom Sprecherrat der Helferkreise weist darauf hin, dass Arbeit rechtlich nicht die Abschiebung erschwere. Dazu sagt Landratsamts-Sprecher Diebl, trotz der generell positiven Grundhaltung sei es immer eine Einzelfallprüfung, und es gebe immer Grenzen. Bei einem Treffen des Sprecherrats mit Landrat Roth im März soll dieses Thema zur Sprache gebracht werden.

Lorenz Goslich

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