Fleur de sal aus Ghana

Zartbitter in eine süße Zukunft: So verbessert ein Breitbrunner die Welt

Hendrik Reimers’ Vision von fairer und gerechter Schokoladenherstellung in Afrika wächst weiter. Der 36-jährige Herrschinger baut derzeit in Ghana für sein Unternehmen „Fairafric“ eine solarbetriebene Fabrik, ab September laufen dort die ersten Schokoladensorten vom Band.

Die Ungerechtigkeiten in der Schokoladenherstellung will Hendrik Reimers beseitigen. Dafür baut er eine neue Fabrik und beschäftigt hauptsächlich Einheimische zu fairen Bedingungen. Derzeit gibt es unter seiner Marke „Fairafric“ acht Sorten, bald sollen es elf sein. 

Herrsching – Seine eigenen Schokoladentafeln in Ghana produzieren und die Wertschöpfung nach Afrika verlagern: Diesen Traum hat der Breitbrunner Hendrik Reimers (36) mit seinem Unternehmen „Fairafric“ realisiert (wir berichteten). 2016 hielt er seine erste in Ghana produzierte Schokoladentafel in der Hand. Mittlerweile sind es über 1000 am Tag. Für 2020 hat Reimers allerdings noch ein ganz besonderes Ziel: den Bau einer hochmodernen, solarbetriebenen Bio-Schokoladenfabrik in einer ländlichen Region des westafrikanischen Staates. Reimers sagt: „Unsere größte Herausforderung war immer schon die Produktion, nicht der Vertrieb.“

Als er 2013 nur mit einem Rucksack durch Ostafrika zog, hätte er nicht damit gerechnet, jetzt ein eigenes, bio-zertifitiertes und vor allem faires Unternehmen zu leiten. Die Idee, Arbeitsplätze mit nachhaltigem Einkommen zu schaffen, ließ ihn nicht mehr los. Vor allem das geringe Einkommen der Kakaobauern brachte ihn zum Nachdenken, sodass er schließlich seinen Job aufgab und „Fairafric“ gründete. Selbst brachte Reimers sich die Grundlagen der Schokoladenproduktion bei, und siehe da: Eine halbe Million Tafeln produziert „Fairafric“ jährlich, acht verschiedene Sorten gibt es bisher. „Mit unserer neuen Fabrik können wir 50 Millionen Tafeln im Jahr produzieren, unser Sortiment auf elf Sorten erhöhen und in ganz Europa verkaufen.“ Und nicht nur das: Schon im ersten Jahr der neuen Schokoladenfabrik sollen dort mehr als 85 gut bezahlte und sozialen Standards in Ghana entsprechende Jobs geschaffen werden.

Einblick in die tägliche Arbeit

Das Fundament ist gelegt, die Errichtung der Bodenplatten kann beginnen, und ab September sollen die ersten Schokoladentafeln über die Fließbänder laufen. Die Energieversorgung der Fabrik soll vollständig über Solarzellen gedeckt werden, eine Mensa für die Mitarbeiter ziert das Gebäude, und interessierte Ghanaer werden die Möglichkeit haben, in vier Wochen die Grundlagen des Berufs eines Chocolatiers zu erlernen. Dafür reist im Herbst ein Breitbrunner Chocolatier mit Reimers als Ausbilder nach Afrika. „Das ist mir ein riesiges Herzensanliegen“, sagt Reimers. „Nach der Ausbildung können die Absolventen bei uns weiterarbeiten, selbst hier in Ghana Chocolaterien aufmachen oder nach Europa gehen. Es ist schön zu sehen, wie durch uns Unternehmen entstehen.“ Durch den Verkauf der Schokolade sollen die Ausbildungskosten gedeckt werden. „Wir wollen die Ungerechtigkeit in der Schokoladenherstellung beseitigen“, sagt Reimers.

Die Schokolade
Hendrik Reimers

Für ihn geht es jetzt auch bald nach Ghana – sobald der Flugverkehr wieder läuft. Den Zeitplan hat Corona allerdings nicht durcheinandergebracht. „Wir haben gute Leute, die den Bau vorantreiben. Schon jetzt können die neuen Schokoladensorten – Zartbitter Fleur de sal, Zartbitter mit Mandeln und Milchschokolade mit Haselnuss – vorbestellt werden. Die alte Fabrik produziert auch nach Fertigstellung der neuen Fabrik weiterhin für den lokalen Markt in Ghana.

Vanessa Lange

Rubriklistenbild: © privat

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