Höher als die Bäume muss die neue Sirene in Leutstetten sein, damit der Warnton den ganzen Ort erreicht.
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Höher als die Bäume muss die neue Sirene in Leutstetten sein, damit der Warnton den ganzen Ort erreicht.

Neue Sirene für Feuerwehr und Zivilschutz

Zehn Jahre nach Fukushima heult es wieder

Vor zehn Jahren, unmittelbar nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, hatte Leutstettens Feuerwehrkommandant Michael Rattelmüller eine Sirene für seinen Ortsteil beantragt, damit die Bevölkerung bei einer wie immer gearteten Katastrophe gewarnt werden kann. Gestern heulte die Sirene zum ersten Mal für einen Test, ist aber noch nicht offiziell in Betrieb.

Leutstetten - Nach Ende des Kalten Krieges waren viele Sirenen in Deutschland abgebaut worden – sie schienen nicht mehr erforderlich. Die Sirene in Leutstetten war vor mehr als 30 Jahren abgebaut worden, seither gab es keine. Rattelmüller fand das zu wenig angesichts Fukushima, als das Thema Bevölkerungsschutz wieder aktuell wurde. Im Katastrophenfall sollten die Menschen per Sirene gewarnt werden, was unmöglich ist, wenn man keine hat. So einfach ist das aber nicht: Erst musste ein Standort gefunden werden, von dem aus der Sirenenton auch alle Häuser in Leutstetten erreicht. Dafür musste ein Gutachten erstellt werden. Der einzige Standort: im Süden der Wangener Straße am Pumpenhaus des Abwasserzweckverbandes. „Nur von dort ist der ganze Ort erreichbar“, erklärt Rattelmüller.

Die Stadt hatte für die neue, elektronische Sirene einen Mast aufstellen lassen, was sich vorige Woche als kompliziert erwies als gedacht. Die Feuerwehr Starnberg unterstützte den Aufbau schließlich mit ihrer Drehleiter. Die Sirene selbst sieht so gar nicht aus, wie man Sirenen kennt: Sie ist keine halbkugelartige Vorrichtung, sondern eine Ansammlung von Hörnern in verschiedene Richtungen. Und sie ist laut, wie sie sein soll – das zeigte der Test gestern Vormittag, der bis Wangen und Starnberg zu hören war.

Entscheidend für Rattelmüller ist, dass nun alle Leutstettener gewarnt werden können. Die Sirene wird bei großen Alarmierungen auch verwendet, um die Leutstettener Feuerwehrleute zum Einsatz zu rufen. Das sind dann drei Töne nacheinander. Ein einminütiger, auf- und abschwellender Ton ist die Warnung an die Bevölkerung, Radio und dergleichen einzuschalten und sich zu informieren – so ist die Regel in Bayern. Entwarnt wird durch einen einminütigen Dauerton.

Und warum dauerte das nun so lange? Das erste Angebote, erklärte Rathaussprecherin Lena Choi auf Anfrage, sei aus dem Jahr 2011. Wegen der Nähe zum FFH-Gebiet habe es Bedenken gegeben: „Die Prüfung durch die Untere Naturschutzbehörde dauerte schließlich bis Mitte 2019. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass eine Verschlechterung einer lokalen Vogelpopulation durch unregelmäßigen Sirenenalarme eher unwahrscheinlich ist.“ Kauf und Betrieb kosteten die Stadt rund 16 800 Euro.

Beim Test stellte sich heraus, dass nicht alle Alarmschleifen für die Auslösung korrekt waren. Das wird nun korrigiert. Wann die Sirene in den Regelbetrieb geht, war gestern noch offen.  ike

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