Lassen sich von allen Sorgen in der Krise nicht unterkriegen: Alina, Sven und Stephanie Hölscher sowie Paula (v.l.) vom Zirkus „Galliano“.
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Lassen sich von allen Sorgen in der Krise nicht unterkriegen: Alina, Sven und Stephanie Hölscher sowie Paula (v.l.) vom Zirkus „Galliano“.

Keine Vorstellungen mehr

Zirkus „Galliano“ erneut gestrandet: Artistenfamilie lebt seit vier Wochen in Stockdorf – Wagen schon verkauft

Aufführungen sind dem Zirkus „Galliano“ derzeit nicht gestattet. Die Familie ist in Stockdorf gestrandet, gibt die Hoffnung auf baldige Wiedereröffnung aber nicht auf.

Stockdorf – „Nostalgisch und romantisch“ nannten manche die Mitmach-Aufführungen des Zirkus „Galliano“ in und um München. Das gibt es derzeit nicht: Im Lockdown darf nicht einmal ein trauriger Clown auftreten. Seit vier Wochen ist der Zirkus der Artistenfamilie von Steffi und Sven Hölscher deshalb bereits zum zweiten Mal in Stockdorf regelrecht „gestrandet“. Aufführungen sind wegen Corona nicht erlaubt.

„Wir sind dankbar, dass uns die Gemeinde Gauting die Wiese an der Fleckhamerstraße zur Verfügung stellt“, sagt Steffi Hölscher. Schon von Weitem sieht man das weiß-blaue Zirkuszelt. Trotz Aufführungsverbot bleibt die Artistenfamilie zuversichtlich.

Aus der Not eine Tugend: Hase Herbert wird kurzerhand zum Osterhasen

Alina (11) und Paula (8) holen bereitwillig Hündchen Amy und das weiße Kaninchen. Der Hase Herbert, der sich in einem weitläufigen Gehege tummelt, wurde vor Ostern von Spaziergängern und Kindern als Osterhase bestaunt, erzählt Steffi Hölscher lachend. Glücklicherweise wohne die Großmutter, „die nichts mit Zirkus zu tun hat“, in München. Da gehe die jüngere Tochter Paula nach Schulschluss hin. Die Ältere besucht bereits die Realschule – „obwohl ich die Eignung zum Gymnasium hatte“, betont Alina (11).

„Im Winter sind wir immer in unserem Quartier in Forstenried“, erzählt Artistin Steffi Hölscher. Doch wegen Corona ist die Familie zum zweiten Mal mit ihrem Zirkus auf der gemeindlichen Wiese in Stockdorf gestrandet. Sie hofft sehr darauf, „das wir bald wieder eine Vorstellung geben dürfen“.

Zirkusfamilie trainiert weiter - in der Hoffnung auf baldige Öffnung

2020 fehlten die Eintrittsgelder, es gab nur einmal Soforthilfe für Soloselbstständige. Drei Ponys und zwei Ziegen seien auf einem Bauernhof untergestellt, fünf Anhänger hatte die Zirkus-Familie verkauft. „Wir leben sehr sparsam“, erklärt der Familienvater.

In der Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung des 2009 gegründeten Zirkus werde weiter trainiert, berichten die Töchter. Paula schaffe bereits den Kopfstand auf vier Stühlen – an der Sicherheitslonge für Akrobaten. Alina trainiert Boden- und Ständer-Akrobatik. Mit dem Vater haben die beiden Töchter, die auch als Clowns in der Manege auftreten, eine Feuerschlucker-/Piraten-Nummer einstudiert.

Zirkus „Galliano“: Ein Jahr lang fast umsonst gearbeitet

Doch ein Jahr „haben wir fast umsonst gearbeitet“, sagt Steffi Hölscher. Bei Auftritten mit Hygieneabstand und daher nur wenigen Zuschauern in der verkürzten Saison 2020 gab es immer wieder Ärger. Corona-Leugner seien zu dicht an ihren Nachbarn gerückt.

Nicht jede Gemeinde sei so großzügig wie Gauting, sagen die Hölschers. Am Eingang zum Zirkusgelände hat die Familie deshalb einen Clowns-Kasten für Spenden aufgestellt. „Der Lockdown und das damit verbundene Veranstaltungsverbot machen uns große Sorgen“, sagt Steffi Hölscher. „Ohne Veranstaltungen fällt unsere Einnahmequelle weg, und trotzdem gilt es, die Tiere zu versorgen und unsere Familie zu ernähren.“ Spenden sind daher willkommen. Weitere Infos: www.circus-galliano.de.

Christine Cless-Wesle

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