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Hannelore Jüterbock in ihrem Atelier in Allmannshausen: Am liebsten war die Künstlerin dort allein. 

Nachruf

Zum Tod von Künstlerin Hannelore Jüterbock

Sie war eine streitbare Künstlerin: Hannelore Jüterbock ist auf einer Reise nach Korsika im Alter von 80 Jahren gestorben.

Allmannshausen Die Allmannshauser Malerin Hannelore Jüterbock ist am Freitag überraschend verstorben. Die 80-Jährige war mit ihrem Sohn Christian Sciubba auf dem Weg nach Korsika. Auf der Überfahrt mit dem Schiff brach sie zusammen und starb später in einem Krankenhaus auf Korsika. Sie hinterlässt zwei Kinder, die Sängerin Sabina Sciubba (43) und den Flamenco-Gitarristen Christian, sowie fünf Enkelkinder. Und viele Bilder, die in ihrem Wohnhaus in Allmannshausen lagern.

Das denkmalgeschützte Haus am Ebrachweg in Allmannshausen stand in den vergangenen Jahren in den Wintern leer. Es kann nur mit Holz geheizt werden, das wurde der Künstlerin mit zunehmendem Alter zu anstrengend. So verbrachte sie seit 15 Jahren die Winter in Südfrankreich und kam in den Sommermonaten zurück nach Allmannshausen.

Hannelore Jüterbock war kreativ, aber auch streitbar. Sie war von 1990 bis 1996 für die Grünen im Gemeinderat und gab wichtige Impulse für die Ostufergemeinde. Ohne sie gäbe es nicht das Denkmal für Oskar Maria Graf in Aufkirchen, nicht die Ateliertage, und auch die kulturelle Nutzung des Marstallgebäudes war ihre Idee. Immer wieder kämpfte sie für Naturschutz, etwa für die Renaturierung des Lüßbachs. Den Bach malte sie 1986 – das Bild ist 30 Meter lang und wurde im Münchner Gasteig ausgestellt. Dort konnten die Besucher den Bach auch hören, denn Jüterbock hatte sein Plätschern aufgenommen und ließ bei der Ausstellung das Tonband laufen. Das Bild lagert in Allmannshausen auf dem Speicher und wartet darauf, vielleicht doch noch einmal ausgestellt zu werden.

Das Leben von Hannelore Jüterbock war so ereignisreich und spannend, dass es locker für drei Leben gereicht hätte. „Sie hätte bestimmt zehn, 15 Jahre länger gelebt, wenn sie in ihr Leben nicht so viel hineingepackt hätte“, sagt Tochter Sabina Sciubba. „Es war ein sehr intensives Leben.“

Hannelore Jüterbock wurde 1938 in Berlin geboren, studierte in München, Florenz und Rom, promovierte in Philosophie, versuchte sich als Fernsehautorin und Kulturkritikerin im Radio, fand schließlich zur Malerei. In dieser erarbeitete sie ihren ganz eigenen Stil und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Silbernen Bären der Biennale in Venedig. Sie reiste viel, nach Spanien, Portugal und Südfrankreich, sog die Eindrücke der Landschaften auf und hielt sie auf ihre unverwechselbare Art auf Leinwand fest.

Auch wenn sie immer mal wieder Malkurse gab, war sie in ihrem Atelier am liebsten allein. Vor acht Jahren knackte dann ein psychisch krankes Mädchen aus der Rottmannshöhe die harte Schale der eigenwilligen Malerin. Am Anfang waren die Bilder des Mädchens „schrecklich, ein wildes Geschmier in düsteren Farben, aber mit der Zeit wurden die Bilder immer geordneter und schöner“, beobachtete Jüterbock. Seitdem gab sie regelmäßig Kurse für Jugendliche aus der benachbarten Jugendpsychiatrie. „Wenn sie aufhören mit den Grautönen und sich Farben zutrauen, dann jubelt es in mir.“

Farben, das war ihre Berufung – und farbenfroh und vielfältig ist auch ihr Nachlass. Darunter die Reste der Stele Phoenix, die zehn Jahre in der Starnberger Bucht stand. „Es war ihre größte Angst, dass all ihre Bilder, die in Allmannshausen lagern, in Hände geraten, sie sie nicht wertschätzen“, erzählt Tochter Sabina. Sie schrieb nun Freunde, Gönner und Galeristen ihrer Mutter an und teilte deren Tod mit. Eine kleine Trauerfeier soll es im August in Frankreich geben, dort soll die Asche der Mutter über dem Meer verstreut werden – wie es sich die Verstorbene gewünscht hat.

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