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Zwei Bierbrauer im Keller: Bernhard Schambeck (l.) und Raymond Seeliger verkaufen auf dem Wörthseer Weihnachtsmarkt ihr selbst gebrautes Bier. Auch die Bierkisten machen was her.

Steinebach

"Es hat gleich ziemlich gut geschmeckt"

Steinebach - Zwei Steinebacher wollten eigentlich nur mal selbst Bier brauen. Nun verkaufen sie ihr Wörthseer Bräu auf dem Christkindlmarkt. 

Es duftet zart nach Hopfen, und frisch geputzt: Am Tag zuvor haben Bernhard Schambeck und Raimond Seeliger aus Steinebach noch Bier gebraut in ihrem kleinen Kellerraum an der Kuckuckstraße. Zum Pressetermin ist der Raum picobello aufgeräumt. An der Decke hängt ein Surfbrett – und in den Regalen steht in Flaschen aufgereiht Wörthseer Helles, Wörthseer Weißbier und auch Wörthseer Pale Ale. Das gibt es bald zu kaufen – auf dem Wörthseer Weihnachtsmarkt. 

Am Anfang stand eine fixe Idee. „Wir sind leidenschaftliche Biertrinker, das ist ja fast so eine Art soziales Getränk“, erklärt Seeliger (49), der in der Medienbranche tätig ist. Also wollten sie es einfach mal ausprobieren. Ganz so locker gingen die beiden es dann aber doch nicht an: Seeliger und Schambeck wälzten Fachliteratur und absolvierten einen Braukurs. Dann organisierten sie sich alle Zutaten und setzten ihren ersten Sud an – das war vor etwa einem Jahr. „Ich habe als erstes ein Weißbier gemacht – und Du ein Pale Ale“ erinnert sich Seeliger. Das Bier habe auf Anhieb „ziemlich gut geschmeckt, und wir haben es auch gut vertragen“. 

Schon bald entwickelte sich eine gewisse Dynamik. Regelmäßig trafen sich Seeliger und Schambeck zum Brauen, erst in der Küche dann in diesem Keller. Schambeck, 48 Jahre alt und Entwicklungsingenieur bei BMW, installierte Wasserleitungen und baute den Raum aus, die beiden kauften größere Sudkessel. „Man muss sich schon beschäftigen damit. Es hat viel mit Chemie, Technik, Biologie und Physik zu tun“, erklärt Schambeck. Aber es mache auch Spaß – vor allem, wenn man in seinem Beruf doch eher sitzen und denken müsse. In dem Keller aber, da legen die beiden selbst Hand an, schroten das Malz, füllen jede Flasche einzeln ab und drücken dann auch noch Stück für Stück die Kronkorken drauf. „Daher steht auf den Flaschen auch handwerklich gebrautes Bier“, erklärt Seeliger stolz.

 Wie viele Liter Bier sie schon gebraut haben, können sie gar nicht genau sagen. „Wir haben sicher bis zu 40 Sude hergestellt, à 50 Liter Bier.“ Anfangs nur für den Hausgebrauch. „Auf der ersten Sommerparty bei uns daheim haben wir dann schon gemerkt, dass das den Leuten gut gefällt – so ein eigenes Bier aus Wörthsee“, sagt Seeliger. Die Leute hätten nachgefragt. Tja, und nun produzieren die beiden schon seit einigen Wochen für den Wörthseer Christkindlmark am 3. und 4. Dezember, bei dem es das Bier erstmals zu kaufen gibt. Unter einem Regal stehen schon zwei 30-Liter-Fässer mit Fest- und Bockbier für den Ausschank bereit, und die Brucker-Behindertenwerkstatt hat auch schon die ersten hübschen Holzkisten fertig, auf denen nur noch das eingebrannte Logo fehlt. 15 Euro soll eine Kiste mit zwölf Flaschen kosten, dazu kommt noch Pfand. 

Verdienen tun die beiden Brauer damit nichts – noch jedenfalls. Bei diesen Produktionsmengen zahlen sie für jede Flasche mehr als einen Euro Herstellungskosten – Arbeitszeit nicht eingerechnet. „Aber dafür machen wir das ja auch nicht“, sagt Schambeck. Irgendwie denken die beiden aber schon noch weiter: Sie suchen dringend einen Raum, mindestens 65 Quadratmeter groß, besser 100. Dann wird vielleicht in größere Kessel investiert, und in die Anstellung eines Braumeisters. „Es soll aber handwerklich gebrautes Bier bleiben“, betont Seeliger. Zum Abschied wird dann noch probiert, in bauchigen Gläsern. Die beiden Brauer schauen fachmännisch auf die Farbe, begutachten ernst den Schaum. „Dann einen großen Schluck nehmen“, sagt Seeliger. Und nach dem Schlucken die Sekunden zählen – wie lange wirkt der Geschmack nach? „Eins, zwei, drei...da ist immer noch was“, sagt Seeliger, und dann strahlen die beiden Brauer von einem Ohr zum anderen.

Hanna von Prittwitz

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