1. Startseite
  2. Lokales
  3. Regionen

Ben Sattinger: vom Wörther Lausbub zum Weltreisenden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Youtube-Star mit Muskeln und Unternehmergeist: Ben Sattinger ist nicht mehr so oft wie früher im Fitnessstudio. Als Chef mehrerer Online-Unternehmen bereist er als „digitaler Nomade“ die Welt.
Youtube-Star mit Muskeln und Unternehmergeist: Ben Sattinger ist nicht mehr so oft wie früher im Fitnessstudio. Als Chef mehrerer Online-Unternehmen bereist er als „digitaler Nomade“ die Welt. © Privat

Wie aus dem mittelmäßigen Schüler Ben Sattinger ein Offizier, Youtuber und Großunternehmer wurde.

Wörth – „Zwei bis drei Monate im Jahr segle ich auf meinem Katamaran durch das Mittelmeer, sechs Monate lebe ich in meiner Villa in Thailand, zwei Monate auf Zypern, und die restliche Zeit besuche ich entweder meine Familie in Deutschland – oder ich reise. Das ist das Leben von Ben Sattinger, aufgewachsen in St. Koloman (Gemeinde Wörth), Fitness-Youtuber, Weltmeister und inzwischen Online-Unternehmer mit über 50 Mitarbeitern.

„Digitaler Nomade“ nennt er sich, seine Wurzeln hat der heute 32-Jährige aber nicht vergessen. Am 3. Juli 1989 in Wien geboren, verbringt Benjamin Sattinger den Großteil seiner Kindheit und Jugend in und um Erding. Nach der Grundschule in Wörth besucht Sattinger zwei Jahre das Gymnasium. Dann geht es auf die Herzog-Tassilo-Realschule. „Latein war einfach nicht mein Fach“, erzählt Sattinger schmunzelnd und ergänzt: „Ich war zugegebenermaßen auch sehr anstrengend als Jugendlicher und hatte gar keine Lust auf Schule, dazu bin ich früh in einen falschen Freundeskreis reingekommen, und wir haben viel Mist gebaut“, gibt er freimütig zu. Damals seien er und seine Freunde jedes Wochenende zweimal Feiern gewesen und lebten sehr ungesund. „Es war eine sehr turbulente, wilde Zeit.“

Er schließt in München bei BMW eine Ausbildung als Fertigungsmechaniker erfolgreich ab. Dann zieht es ihn zur Bundeswehr: Offizier der Luftwaffe. „Normalerweise bräuchte man dafür ein Studium, aber da ich der Beste bei der Offizierseignung war, wurde ich trotzdem zugelassen“, erklärt der 32-Jährige. Er will Kampfjetpilot werden, scheidet aber im Eignungstest in Phase 3 aus. Dennoch führt er die Offizierslaufbahn fort, aber in der Infanterie der Luftwaffe. Nach einem Jahr Offiziersschule in Fürstenfeldbruck wird er nach Berlin versetzt. „Das war endgültig das Ende meiner Erdinger Zeit, ab da war Berlin meine Heimat“, resümiert Sattinger.

Aber schon während seiner Bundeswehrzeit stellt Sattinger seinen Lebensstil um. „In Erding habe ich zwar auch schon etwas trainiert, aber eher, um Muskeln aufzubauen und Mädels zu beeindrucken“, meint er grinsend. Zu seinem Fitness-Lifestyle sei er danach gekommen.

„Bei mir war es ein spezieller Fall: Ich war mit 21 Jahren der mit Abstand jüngste Offizier. Die anderen hatten Familie und Kinder, mit denen sie nach Dienstende ihre Zeit verbrachten. Ich war dann immer allein in der Kaserne, denn mit den Soldaten durfte man als Offizier natürlich nicht abhängen.“

In dieser Zeit beginnt er, Fitnessvideos auf YouTube anzuschauen und sich Wissen anzueignen. „Dann bin ich eben jeden Abend nach Dienst ins Fitnessstudio gegangen, um zu trainieren. So habe ich die Liebe für den Fitnesssport entwickelt.“

2013 entschließt Sattinger, einen eigenen Kanal auf YouTube zu erstellen. In seinen frühen Videos gibt er Tipps zu Fitnessübungen, zum Muskelauf- und Fettabbau. „Damals war YouTube noch nicht so groß, ich war dann tatsächlich recht schnell einer der bekanntesten Fitness-Youtuber in Deutschland und habe dann nebenbei als Influencer mehr verdient als als Offizier“, sagt Sattinger.

Durch YouTube und seine Arbeit als Personal Trainer hat er sich ein zweites Standbein aufgebaut. Also entschließt er sich, die Bundeswehr zu verlassen. Dann wagt er den nächsten Schritt: die Teilnahme an einem internationalen Fitnessmodelwettkampf.

Für den damals in Berlin lebenden Sattinger zählt nur eins, der Sieg. Und tatsächlich entlohnt er sich für seine wochenlange harte Arbeit. Im April 2014 wird er nicht nur Deutscher Meister in der Kategorie Mr. Adonis, sondern auch Gesamtsieger der deutschen Meisterschaft. Fünf Monate später holt er sich den WM-Titel bei der World Fitness Federation (WFF) in der Adonis-Klasse.

Er ist auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere angekommen. Aber da gibt es ja noch mehr. Sattinger gründet sein erstes eigenes Unternehmen, „BensFitnessCastle“, das sein individuelles Online-Coaching (Ernährungs- und Trainingspläne, Skype Beratung) und sein Adonisprogramm beinhaltet. Nach seinen ersten Erfahrungen im Online-Business gründet er schließlich sein bis heute erfolgreichstes Unternehmen, OTL – Online Trainer GmbH. Das Unternehmen bietet staatliche geprüfte Ausbildungen zum Fitnesstrainer sowie Ernährungsberater und Personal Trainer an. Die Besonderheit bei OTL liege darin, dass der Lernprozess fast ausschließlich online auf einer digitalen Lernplattform stattfindet, so Sattinger. Die Idee sei entstanden, als er 2014 eine Ausbildung zum Fitnesstrainer absolviert. Diese sei zwar inhaltlich überzeugend gewesen, aber auch unflexibel, orts- sowie zeitgebunden und kostspielig. Gemeinsam mit einem Kumpel tüftelt er das Konzept der OTL aus.

Sattinger sieht sich als „digitalen Nomaden“. Sein Büro ist, wo immer er ist. Dazu benötige er lediglich sein MacBook und Internetzugang. So reist er durch die ganze Welt und nimmt seine aktuell 42 000 Instagram-Follower mit an die verschiedensten Orte. Auch die über 50 festangestellten Mitarbeiter seien frei in ihrer Entscheidung, was ihren Arbeitsplatz anbelangt.

Sattinger, seit Jahren quasi auf Dauerweltreise ist, wird durch die Coronapandemie zwar eingeschränkt, bleibt aber dennoch mobil. „Es war natürlich alles komplizierter mit den Einreisebeschränkungen, aber dennoch möglich“, so Sattinger. „Mittlerweile habe ich fast einen festen Rhythmus“, sagt er und erzählt von den eingangs erwähnten Reise- und Lebensroutinen: Mittelmeer, Thailand, Zypern – „dabei ist meine Partnerin Angelina immer an meiner Seite“, erzählt der Mann, der seine Kindheit in St. Koloman verbracht hat.

Eine Rückkehr nach Deutschland schließt Sattinger nicht aus, hält er aber für unwahrscheinlich. „Ich werde weiterhin Eltern und Freunde besuchen, aber ich kann mir nicht vorstellen, nochmal fest nach Deutschland zu ziehen. Generell werde ich mich nicht mehr auf nur eine Heimat beschränken, sondern wie im Moment auf mehrere Homebases setzen. So fühle ich mich wohl.“

Sattinger verrät uns auch seine persönliche Trainingsroutine: „Früher, als ich noch richtig im Bodybuilding war, habe ich nach drei Tagen Gym bei etwa eineinhalb Stunden pro Tag einen Tag Pause eingelegt. Mittlerweile gehe ich jeden dritten Tag ins Fitnessstudio und trainiere eine Stunde.“

Und dann erfahren wir vom Asketen Sattinger, der sich seit Jahren vegetarisch ernährt, doch noch eine – sehr menschliche – Schwäche: „Ich würde sagen, Schokolade ist mein Lieblingsgericht, da werde ich immer schwach.“

VON ANDREAS SCHUDER

Auch interessant

Kommentare