Gegen Leitplanke gefahren

Aussage zurückgezogen – Freispruch

Weilheim - Ein 20-Jähriger hatte mit dem Auto eine Leitplanken beschädigt und angegeben, er sei eingeschlafen. Dann zog er seine Aussage zurück.

 Wie kam es nun zu dem Unfall im Juni vergangenen Jahres auf der Staatsstraße 2058 bei Polling, bei dem der 22-jährige Angeklagte rechts von der Straße abgekommen war, rund 100 Meter Leitplanke beschädigt hatte und dann mit seinem demolierten Auto auf einer Wiese zum Stehen gekommen war? Der junge Mann, der am frühen Morgen wie üblich auf dem Weg zu Arbeit fuhr, blieb bis auf kleinere Blessuren unverletzt.

„Ich hörte, kurz nachdem ich die Brücke passiert hatte, plötzlich ein seltsames Geräusch an meinem Fahrzeug“, gab der Mann, der in einem kleinen Ort außerhalb des Landkreises lebt, vor dem Amtsgericht Weilheim an. Wegen Straßenverkehrsgefährdung saß er nun auf der Anklagebank. Sein Auto sei nach dem Geräusch nach rechts ausgeschert und habe die Leitplanke touchiert. Er habe nicht mehr lenken und nicht mehr bremsen können, so der junge Mann.

Vor Gericht vermutete er, dass eventuell ein Stoßdämpfer seines Fahrzeugs defekt war, dann die Kupplung und auch die Bremsen versagt hätten. Als er auf der Wiese zum Stehen kam, heulte der Motor immer noch stark auf und das Bremspedal ließ sich ohne Wirkung ganz durchdrücken.

Der Sachschaden an der Leitplanke belief sich auf rund 1300 Euro. „Ganz schön viele Defekte auf einmal“, gab der hinzugezogene Gutachter für Straßenverkehrsdelikte zu bedenken. Nach seinen Vermutungen hat das Auto die Leitplanke durch einen Lenkfehler des Fahrers touchiert, möglicherweise hervorgerufen durch eine kurzfristige Unaufmerksamkeit des Fahrers oder einen Sekundenschlaf. Bei dem Unfall verkeilte sich somit der rechte Vorderreifen und der Energieschub des Fahrzeugs, bei einer vom Gutachter berechneten Geschwindigkeit von 80 bis 90 km/h, führte das zu diesem langen Weg bis zum Stillstand des Autos.

Der Verteidiger gab sich zu diesem Punkt äußerst unwissend und bestand wiederholt auf einer Erklärung. Richterin Krempl unterbrach aber den Verteidiger. „Wir kommen hier sowieso nicht weiter“, sagte sie. Der junge Mann hatte nämlich bei seiner polizeilichen Vernehmung am Unfallort zunächst zum Unfallhergang zu Protokoll gegeben, kurz eingenickt zu sein. Die zuständige Polizeibeamtin hatte ihn gefragt, wie der Unfall seiner Ansicht nach zustande gekommen sei und ob er möglicherweise abgelenkt gewesen sei durch ein Handy oder das Radio. Die Aussage, dass er übermüdet gewesen sei, machte der junge Mann aber vor der gesetzlich vorgeschriebenen Belehrung seitens der Polizeibeamten.

Nach der Belehrung und auch vor Gericht sagte der 22-Jährige dazu nichts mehr, sondern berief sich auf einen möglichen Defekt an seinem Auto. „Die erste Aussage des Angeklagten vor seiner Belehrung ist hier rechtlich nicht verwertbar“, stellte die Richterin klar. Der Tathergang war somit nicht beweisbar. Der junge Mann wurde vom Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung freigesprochen.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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