Da half nur noch der Sprung in den Dietlhofer See: Im Sommer 2019 war Abkühlung gefragt. 

2019 war drittwärmstes Jahr seit 1781

Nach 2018 und 2015 war das letzte Jahr das drittwärmste auf dem Hohen Peißenberg (deutschlandweit zweitwärmstes) seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Wie schon 2018 standen auch im letzten Jahr zehn zu warmen Monaten nur zwei (Januar und Mai) zu kalte gegenüber.

Peißenberg– Das letzte Jahr fiel mit einer Mitteltemperatur von 8,7 Grad (immer Celsius) um 2,2 Grad zu warm aus. Eine auffallende Häufung der Jahre mit einem Mittel von über 8 Grad trat ab dem Jahr 2000 auf, wobei die letzten sechs Jahre alle wärmer als acht Grad im Mittel waren. Das weist eindeutig auf eine Verstärkung des Temperaturanstiegs in jüngster Zeit hin.

Ein Blick auf die Jahreszeitenmittel der letzten 20 Jahre zeigt, das besonders die Sommer stetige Wärmezuwächse aufweisen. Galt der Sommer 2003 damals als ein Ereignis, welches höchstens alle 300 Jahre mal vorkommen sollte, ist nun zu befürchten, dass ein derartig heißer Sommer bald zum Dauerzustand wird, denn 2019 trennten uns nur noch 1,4 Grad vom bisherigen Rekordhalter. Europa erlebte 2019 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Weltweit war es das zweitwärmste, wie der Copernicus-Klimawandeldienst der EU mitteilte. Die Jahre 2010 bis 2019 waren weltweit nach Einschätzung der Vereinten Nationen das „heißeste Jahrzehnt der Geschichte“. Das teilte die UNO auf der Weltklimakonferenz im Dezember 2019 in Madrid mit.

Die außerordentliche Hitze führte zu weltweiter Gletscherschmelze und zum Anstieg des Meeresspiegels. Die Erderwärmung bringt auch steigende Gesundheitsrisiken mit sich. Die zunehmend heißeren Sommer stellen eine tödliche Gesundheitsgefahr dar. Statistisch ist nachweisbar, dass im Jahr 2003 in Deutschland etwa 7500 Menschen mehr an Hitze starben. Den steigenden Temperaturen geschuldet ist auch eine Zunahme allergener Pflanzen. Auch gefährden zugewanderte exotische Mücken unsere Gesundheit ebenso wie Bakterien und Blaualgen in Gewässern.

Auf dem Hohen Peißenberg wurde am 24. Juli 2019 mit 31,9 Grad die höchste Temperatur des Jahres gemessen. Am kältesten war es am 23. Januar mit -10,2 Grad. Wir registrierten 26 Sommertage (Maxima über 25 Grad) und 5 heiße Tage (Maxima über 30 Grad). Frost trat an 94 Tagen auf. 2019 fielen 1286 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – 6 Prozent mehr, als langjährig zu erwarten gewesen ist. Besonders niederschlagsreich waren Mai und Oktober, sehr trockene Monate dagegen Juni und November. Messbarer Niederschlag fiel an 174 Tagen.

Unsere Niederschlagsdaten und die des Alpenvorlandes sind seit Jahrzehnten ausgeglichen, liegen im Bereich natürlicher Schwankungen und es gibt keine Anomalien in die eine oder andere Richtung. Deutschlandweit lagen die Jahressummen beinahe im Normalbereich – abgesehen von einigen Teilen Ostdeutschlands.

Das Dürrejahr 2018, von dem das Alpenvorland verschont blieb, steckt jedoch noch in den Bodenschichten großer Teile Deutschlands, wie die Karten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigen. Hier sieht man sehr deutlich die Langzeitfolgen der niederschlagsarmen Monate aus dem Jahr 2018. In den letzten beiden zu trockenen und zu warmen Monaten konnten die Böden dort auch nur sehr wenig Wasser aufnehmen, was zunächst keine gute Hypothek für dieses Jahr darstellt. Die Sonne schien im vergangenen Jahr 2001 Stunden und somit 181 Stunden mehr als normal.

Deutschlandweit zeigte sich das Alpenvorland wieder einmal am sonnigsten. Hier zeichnet sich in den letzten zehn Jahren ein Trend zu mehr Sonnenstunden ab. Eine Schneedecke lag an 95 Tagen. Hier weist der Trend nach unten. In den Dekaden 1991 bis 2000 sowie 2001 bis 2010 lag im Durchschnitt an 110 Tagen Schnee, in den letzten neun Jahren nur noch an 94 Tagen. Die höchste Windspitze des Jahres betrug am 4. März 33,3 Meter pro Sekunde, das entspricht 120 Kilometern pro Stunde.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter

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