Verfahren gegen 45-Jährigen eingestellt

Wirre Geschichten aus dem Wald

Weilheim - Obwohl  der Angeklagte (45) gelogen hatte, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Er war wegen einer Trunkenheitsfahrt angeklagt.

Es ging um viel für den 45-jährigen Angeklagten aus dem Baden-Württembergischen in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim: Er betreibt ein Forstunternehmen, hat keine Angestellten und reist für seine Aufträge quer durch Deutschland. Er sei dringend auf seinen Führerschein angewiesen, sagte der Mann vor Gericht. „Wenn ich keinen Führerschein mehr habe, muss ich nächste Woche meinen Laden dichtmachen.“

In einem Strafbefehl war er zu einem Fahrverbot verdonnert worden, weil er nach Ermittlungen der Polizei am 11. Mai vergangenen Jahres gegen 22.45 Uhr mit seinem Auto, auf dessen Anhänger ein Schlepper war, mit zu viel Alkohol im Blut in Weilheim ein Verkehrsschild angefahren hatte. Zwei Zeugen hatten von einem „furchtbaren Schepperer“ berichtet, den sie an diesem Abend gehört hatten, als sie in der Gaststätte in Weilheim waren. Der Wirt eilte auf die Straße und sah einen Jeep mit einem Anhänger im Schlepptau davonfahren. Die Autonummer hatte er sich gemerkt, aber den Fahrer aber nicht erkannt. Er verständigte die Polizei.

Diese machte über das Autokennzeichen schnell den Halter des Fahrzeugs und dessen Handynummer ausfindig. „Er hat gesagt, dass er mit seinem Auto in Wielenbach am Waldrand steht“, sagte ein Polizist vor Gericht aus. „Dort haben wir mit ihm gesprochen und ihm Blut abgenommen.“ Der Alkoholtest ergab einen Wert von 0,78 Promille.

Damit wäre der Fall eigentlich klar, weil der Angeklagte alkoholisiert und offensichtlich nicht in der Lage war, sein Fahrzeug sicher zu führen. Doch er beteuerte, gegen 22.45 Uhr nicht in Weilheim gewesen zu sein – und schon gar nicht mit seinem Auto samt Anhänger. Er erzählte eine ganz andere Geschichte: Er sei am 11. Mai mittags angereist, weil er in einem Wald bei Wielenbach Forstarbeiten übernommen hatte, die nach dem Sturm „Niklas“ angefallen waren.

Gegen 20.30 Uhr sei er von Wielenbach nach Weilheim gefahren, weil er etwas zu essen besorgen wollte. Weil er sich verfahren habe, sei er mit seinem Wagen umgedreht. „Ich habe umgedreht und dabei das Schild angeblich beschädigt“, sagte er. Gegen 22 Uhr sei er zurück im Wald gewesen. Davon, dass er das Schild umgefahren habe, habe er nichts gemerkt, und Alkohol habe er erst nach seiner Rückkehr getrunken.

Die Geschichte, die er dazu erzählte, klang abenteuerlich: Er habe auf der Fahrt einen Mann getroffen, der ihn später am Waldrand abgeholt habe, dessen Namen er nicht kannte und von dem er nicht wisse, wie er heißt. Dieser wiederum habe eine Gruppe von Männern gekannt, die von einer Feier noch ein halbes Fass Bier übrig hatte. Dieses hätten sie geleert, dann habe ihn der Unbekannte wieder zu seinem Fahrzeug an den Waldrand gebracht. Dann habe er sich in seinen Wagen gelegt und sei eingeschlafen, bis ihn die Polizisten geweckt hätten.

Um zu klären, ob diese Version des Abends stimmen kann, war ein Verkehrsgutachter geladen. Dieser kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte nicht die Wahrheit gesagt haben konnte. „Der Methanolwert ist nicht vereinbar damit, dass nur Bier getrunken wurde – und das erst nach 22.45 Uhr.“ Damit war klar, dass der Angeklagte gelogen hatte und dass er bei seinem Zusammenstoß mit dem Schild bereits Alkohol konsumiert haben musste, wenn man davon ausgeht, dass sich der Unfall gegen 22.45 ereignet hatte. Aber der Gutachter führte weiter aus, dass sich nicht mit Sicherheit sagen lasse, ob der Alkohol daran schuld war, dass der Angeklagte gegen das Schild gestoßen war. Wenn die Promillezahl zurückgerechnet würde, hätte der Forstarbeiter um die 0.5 Promille Alkohol im Blut gehabt – oder etwas darunter, so der Gutachter.

„Wir sind hier im Grenzbereich“, stellte die Staatsanwältin fest. Sie stimmte dann der Einstellung des Verfahrens zu und Richterin Katrin Krempl stellte das Verfahren ein. Damit war auch das Fahrverbot vom Tisch. Der Schaden an dem Schild war so gering, dass es einfach wieder aufgestellt werden konnte.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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