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Sieht aus wie ein Gewerbegebiet, ist aber keins: Verwunderung herrscht über die große, rosa markierte Fläche zwischen Deutenh ausen und dem Hardt (auf dem Plan ganz rechts) in dieser Übersicht möglicher Trassen einer Weilheimer Umfahrung.

pläne für weilheimer umfahrung  

Verwirrung um ein fiktives Gewerbegebiet

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In einer Übersicht über mögliche Trassen einer Weilheimer Umfahrung findet sich fälschlicherweise ein riesiges Gewerbegebiet bei Deutenhausen. Oder ist es gar kein Gewerbegebiet? Der Fehler schlägt jedenfalls Wellen. Aber das Staatliche Bauamt versucht zu beruhigen.

Weilheim – Gewerbegebiete spielen eine große Rolle, wenn neue Straßen geplant werden. So auch bei den Untersuchungen für eine Weilheimer Umfahrung, die das Staatliche Bauamt vergangenes Jahr in Auftrag gegeben hat. Entsprechend groß war bei den Bürgerinitiativen „Marnbach-Deutenhausen“ und „Heimat 2030“ die Verwunderung, als sie in einer Grafik der Trassenkorridore, die das Bauamt öffentlich herausgab, eine große, farbig markierte Fläche bei Deutenhausen bemerkten. Sie wirkt im Plan wie ein Gewerbegebiet, das von den Stadtwerken bis zum Dorfrand, von der Staatsstraße bis zur alten Deutenhausener Kiesgrube und zum Grillplatz am Hardt-Hang reicht: ein gut 20 Hektar großes Areal, beinahe so groß wie das Gewerbegebiet Trifthof und mit der gleichen Farbe wie dieses (und andere Gewerbegebiete) eingezeichnet. Mittendrin liegt der „Moserhof“.

Josef Niedermaier von der Bürgerinitiative „Marnbach-Deutenhausen“ sprach dieses „fiktive Gewerbegebiet“ – das nicht existiert und für das bisher keine Pläne öffentlich bekannt wären, das aber die Umfahrungsplanung beeinflussen könnte – im Juni beim ersten „Jour fixe Entlastungsstraße“ im Weilheimer Rathaus an (wir berichteten). Weder der Stadt noch dem Staatlichen Bauamt war das eingezeichnete Gebiet bis dato aufgefallen; Bürgermeister Markus Loth (BfW) versprach, die Sache zu klären.

Andreas Lenker, der beim Staatlichen Bauamt für den Straßenbau im Landkreis Weilheim-Schongau und damit auch für das Projekt „Ortsumfahrung Weilheim“ zuständig ist, sagte nun auf „Tagblatt“-Nachfrage, er habe am Tag nach dem „Jour fixe“ das mit der Umweltverträglichkeitsprüfung beauftragte Planungsbüro „Schober“ angerufen und sich nach dem fraglichen Areal erkundigt. Dieses sei in den detaillierteren Bearbeitungsplänen, die den Gutachtern vorliegen, als „Vorranggebiet für Bodenschätze – Kies und Sand“ gekennzeichnet und klar von der Kennzeichnung für Gewerbegebiete zu unterscheiden, so Lenker. Der Übersichtsplan, aus dem sich die Verwirrung ergab, sei nur für die Öffentlichkeit vorbereitet worden. Quelle dafür war eine Karte aus dem Regionalplan der Region 17 Oberland.

Öffentlich kommunziert wurde die Auflösung des Rätsels bis dato allerdings nicht. Deshalb war das „fiktive Gewerbegebiet“ vergangenen Donnerstag – also fünf Wochen nach dem „Jour fixe“ – nun auch Thema im Weilheimer Stadtrat. Die CSU-Fraktion hatte dazu eine Anfrage gestellt, die bei der Sitzung aber nur recht dünn beantwortet werden konnte. Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt erklärte die mögliche Verwechslung von Gewerbegebiet und „Vorranggebiet für Bodenschätze“: Die Schraffur für letzteres habe in der Grafik unglücklicherweise eine ähnliche Farbe wie ein Gewerbegebiet.

Die CSU wollte wissen, ob es von Seiten des Bürgermeisters oder der Stadtverwaltung Planungen gebe, „dort ein Gewerbegebiet auszuweisen“ – was Roppelt in der Sitzung mit einem klaren Nein beantwortete. Auch habe das Staatliche Bauamt diesen Plan nicht von der Stadt Weilheim erhalten.

Auf zwei weitere Fragen hatte die Stadt jedoch keine Antwort: Die CSU-Fraktion fragte auch, ob dieser Plan „Grundlage für die Ermittlungen des Straßenbauamts hinsichtlich der verschiedenen Trassenvarianten für eine Entlastungsstraße“ sei – und ob er „bei der Beantragung einer Umfahrungsstraße Weilheim im Rahmen der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans beim Bundesverkehrsministerium“ eingereicht worden sei. Beides verneinte Lenker gestern gegenüber unserer Zeitung. Er kündigte an, die Sache beim nächsten „Jour fixe“ von Behörden, Stadt und Bürgerinitiativen am morgigen Donnerstag im Rathaus aufzuklären.

Die Bürgerinitiative „Marnbach-Deutenhausen“ allerdings sieht vorerst „die Glaubwürdigkeit erschüttert, das Vertrauen ebenso“. In einer Stellungnahme verweist sie auch auf Überlegungen, entlang der Staatsstraße „zwischen dem Umspannwerk und dem neuen Betriebshof der Stadtwerke ein Gewerbe- beziehungsweise ein Mischgebiet zu realisieren“.

Ein solches „Gewerbegebiet Deutenhausen“ hätte „Anschluss zur Stadtgrenze“ – obwohl seit der Eingemeindung Deutenhausens 1976 „immer klar“ gewesen sei, „dass ein Zusammenwachsen von Dorf und Stadt nicht passieren darf“. Dies gehöre ebenso wie eine mögliche Weilheimer Ost-Umfahrung zu „Zukunftsängsten, die Alpträume verursachen“.

Magnus Reitinger

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