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Aktivzentrum in Peißenberg: Ohne BLSV-Zuschuss geht es nicht

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Von: Bernhard Jepsen

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Im Bild ist oben die Ostseite des Eisstadions zu sehen. Das Aktivzentrum soll auf dem ehemaligen Rollschuhplatz gebaut werden, auf dem noch die runden Fundamentpfeiler für die provisorische Containerschule stehen.
Im Bild ist oben die Ostseite des Eisstadions zu sehen. Das Aktivzentrum soll auf dem ehemaligen Rollschuhplatz gebaut werden, auf dem noch die runden Fundamentpfeiler für die provisorische Containerschule stehen. © Ruder

Der TSV Peißenberg steht vor einem finanziellen Kraftakt: Um seinen Anteil an dem neben dem Eisstadion geplanten Aktivzentrum zu leisten, muss der Sportverein mindestens 1,8 Millionen Euro aufbringen. Klar ist: Ohne üppige Zuschüsse des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) wird das Projekt nicht zu stemmen sein.

Peißenberg – Das Vorstandsteam des TSV Peißenberg sitzt derzeit auf heißen Kohlen: „Tagtäglich erwarte ich Nachricht vom BLSV“, erzählt Manfred Fichtner, der technische Leiter des Hauptvereins, beim Pressegespräch mit der Vereinsführung. Ende vergangenen Jahres hat der TSV einen Zuschussantrag gestellt – gerade noch rechtzeitig, um möglicherweise Mittel aus einem vom BLSV 2020 aufgelegten und 2021 weitergeführten Sonderfördertopf zu erhalten. Die Unterlagen, so betont Fichtner, seien „vollständig und plausibel eingereicht“ worden. Warum ein Zuschlag so wichtig wäre? Ohne die BLSV-Förderung, dessen ist sich die TSV-Führung im Klaren, wäre das Projekt „Aktivzentrum“, im Zuge dessen unter anderem neue Umkleidekabinen für den Eisstadionbetrieb errichtet werden sollen, nicht zu finanzieren.

„Die Zusage vom BLSV ist das A und O. Ohne Zuschuss sehe ich kein Land“, räumt Fichtner ein. Und der TSV erwartet nicht nur eine einfache Förderzusage, sondern nicht weniger als die Maximalbezuschussung von 45 Prozent. „Die brauchen wir“, daran lässt Fichtner keinen Zweifel. Insgesamt soll der Bau des Aktivzentrums laut einer noch unverbindlichen Kostenschätzung mit drei Millionen Euro zu Buche schlagen.

Der TSV betont, dass es sich eigentlich um zwei Bauprojekte handelt – nämlich einerseits um den vom TSV finanziell getragenen Umkleidetrakt im Erdgeschoss (1,8 Millionen Euro) und andererseits um die Bewegungsräume in der Oberetage (1,2 Millionen Euro), die vom Markt bezahlt werden sollen. Nach dem Finanzierungsplan des TSV soll der Vereinsanteil durch die Maximalförderung des BLSV (45 Prozent) und durch einen bereits in Aussicht gestellten Zuschuss der Gemeinde über 200 000 Euro gestemmt werden. Der kommunale Zuschuss ist daran geknüpft, dass der TSV seine Finanzlage offenlegt – was zumindest im Gemeinderat noch nicht geschehen ist.

Bleibt unter dem Strich noch ein Rest von rund 800 000 Euro – ohne Berücksichtigung von Vorsteueranrechnungen bei der Umsatzsteuer. Die Lücke soll über ein Darlehen gedeckt werden. „Wir haben ein sehr gutes Gespräch mit unserer Hausbank geführt“, verrät TSV-Schatzmeister Ulrich Ingenfeld. Die hat „grundsätzliche Bereitschaft“ signalisiert, aber fix ist noch nichts. Voraussetzung für weitere Kredit-Verhandlungen ist die Förderzusage des BLSV.

Reicht der Preissteigerungspuffer von 20 Prozent?

Aber es gibt noch weitere Unwägbarkeiten für den TSV. Was ist zum Beispiel, wenn die konkrete Kostenberechnung für das Aktivzentrum über den drei Millionen Euro liegt? In der aktuellen Kostenschätzung ist ein Preissteigerungspuffer von 20 Prozent eingearbeitet. Ob das reicht? „Tja“, antwortet Fichtner skeptisch. Es könne sein, dass der Wert zu niedrig angesetzt sei. Stefan Rießenberger ist da etwas optimistischer. „Die 20 Prozent sind hoch kalkuliert“, meint der TSV-Präsident. Und was passiert, wenn alles doch teurer wird? Dann will der TSV baulich abspecken. Der Plan wäre dann, ein oder zwei Kabinen zunächst im Rohbau zu belassen oder komplett zu streichen.

Finanzielle Unterstützung könnte es auch durch heimische Baufirmen geben – theoretisch. Der Haken: Die Auftragsvergabe muss öffentlich ausgeschrieben werden. „Da kann man sich nicht darauf verlassen, dass eine Peißenberger Firma zum Zug kommt“, erklärt Rießenberger. Auch das Thema „bauliche Eigenleistungen“ sei „ganz schwierig“, weil sie mit den Förderkriterien kollidieren könnten. „Mehr als Malerarbeiten oder Gestaltungen im Außenbereich dürfen wir nicht machen“, erklärt Rießenberger. Aber zurück zur geplanten Kreditaufnahme. Mit der geht der TSV durchaus ein Risiko ein. Weitere Darlehensaufnahmen wären dann wohl nicht mehr möglich. Sollte beispielsweise an der baulichen Infrastruktur im Eisstadion Handlungsbedarf entstehen, wäre Schicht im Schacht: „Bei einer Grundsanierung reden wir nicht von ein paar tausend Euro, sondern etwa von einer halben Million. Dann ist Schluss“, konstatiert Fichtner. Im Klartext: Mit der Kreditaufnahme für das Aktivzentrum geht der TSV an die finanzielle Belastungsgrenze. Mehr geht nicht. Allerdings glaubt man beim TSV nicht, dass in Bälde Großreparaturen anstehen: „Der technische Stand im Eisstadion ist auf einem hohen Niveau. Ich habe keine Sorge, dass es zum Supergau kommt“, so Fichtner.

„Ganz, ganz wichtig“ ist Rießenberger der Umstand, dass der Schuldendienst für ein mögliches Darlehen nicht über die normalen Mitgliedsbeiträge finanziert werden soll: „Das wissen viele Mitglieder nicht.“ Die einzelnen Sparten werden also nicht belastet. Die Tilgung soll aus den laufenden Einnahmen aus dem Eisstadionbetrieb (etwa. Mieteinnahmen von Hobbymannschaften) generiert werden. In diesen Einnahmentopf fallen übrigens auch wieder öffentliche Gelder, nämlich die jährlich gewährte 40 000-Euro-Pauschale der Gemeinde. Das heißt, das an der Kredittilgung indirekt auch der Steuerzahler beteiligt ist.

Der Markt zahlt darüber hinaus die Eismeisterei für 39 Wochenstunden und 10 000 Euro auf ein separates Sperrkonto für normale Reparaturen und dazu noch 7500 Euro an Leasingraten für den neuen Zamboni. Das ergibt eine jährliche Gesamtsubvention von knapp 100 000 Euro. Und nun muss die Gemeinde noch zusätzlich ihren Anteil am Aktivzentrum stemmen – abzüglich der Städtebauförderung sind das unter dem Strich 300 000 Euro, wenn es bei der Kostenschätzung von drei Millionen Euro bleibt. Alles für eine freiwillige Leistung wohlgemerkt.

Rießenbergers Gratwanderung

Für Rießenberger, der nicht nur TSV-Präsident, sondern auch Gemeinderat ist, bedeutet das alles eine ziemliche Gratwanderung. Einerseits muss er die Interessen des TSV vertreten, anderseits die Belange der Gemeinde im Auge behalten, die – siehe Unterkellerung des Feuerwehrhauses – selbst bei Pflichtaufgaben Abstriche machen muss: „Es gibt Situationen, in denen bin ich hin- und hergerissen“, gibt Rießenberger zu: „Aber wir haben nun mal leider oder Gott sei Dank ein Eisstadion in Peißenberg.“ Die Sportstätte habe nicht nur Befürworter, sei aber eine Attraktion im Landkreis und würde dem Schulsport kostenlos zur Verfügung gestellt. Die TSV-Spitze versuche, „das Bestmögliche für das Eisstadion rauszuholen“: „Wir haben den schwarzen Peter, das heißt, die Arbeit und das Risiko.“ Und in dem Zusammenhang kommt es manchmal mit der Eishockey-Sparte, den „Miners“, zu Reibereien. „Da wird auch Tacheles geredet“, so Fichtner. Rießenberger stellt klar: „Verträge von bezahlten Spielern schließt der Hauptverein und nicht die Sparte ab.“ Jetzt wartet der TSV aber erst einmal auf Post vom BLSV.

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