Das ging in die Hose

Alte Frau darf bei Aldi nicht aufs Klo

Weilheim - Ein Augenzeuge konnte nicht fassen, was er da erlebt hat: Eine alte Frau musste bei Aldi in Weilheim dringend auf die Toilette - doch die Mitarbeiter ließen sie nicht.  

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Was Karl Rattei (78) vor kurzem erlebt hat, kann er immer noch nicht recht fassen. An einem Mittwoch schob der Weilheimer seinen Einkaufswagen durch den Discounter „Aldi“ in Weilheim, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Da fällt ihm eine ältere Frau auf, die mit einer „Aldi“-Mitarbeiterin spricht. „Der Frau ging es ganz offensichtlich schlecht“, erinnert sich Rattei. Sie bat darum, die Toilette benutzen zu dürfen, sie habe eine Darmkrankheit, die keinen Aufschub ihrer Notdurft erlaube. Die Mitarbeiterin habe ihr laut Rattei erklärt, man habe keine Kunden-, sondern nur eine Mitarbeitertoilette und habe an den Filialleiter verwiesen. „Der Chef hat die Bitte der Frau partout abgelehnt – ohne weiteren Kommentar“, sagt Karl Rattei. Und die ältere Dame? „Sie hat sich mitten im ,Aldi‘ in die Hose gemacht“, sagt Rattei leise.

Aldi: Wir sind rechtlich nicht verpflichtet, unseren Kunden ein WC zur Verfügung zu stellen

„Wir bedauern, dass wir aus Sicherheitsgründen unseren Kundinnen und Kunden dieses (das Mitarbeiter-WC, Anm. d. Red.) leider nicht zur Verfügung stellen können“, schreibt „Aldi“ per Mail. Im Personalbereich der mehr als 1820 „ Aldi Süd“-Filialen gebe es „lediglich ein WC“ für die Mitarbeiter – pro Filiale, sollte man wohl hinzufügen. Außerdem sei „Aldi“ rechtlich nicht verpflichtet, die Kunden in diese Toilette zu lassen.

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Tatsächlich gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen für Läden und Supermärkte, über eine Kundentoilette zu verfügen, wie Manfred Plonner, stellvertretender Leiter des Amtes für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landkreis, bemerkt. Auch in der Baunutzungsverordnung für die Gastronomie sei diese Auflage abgeschafft worden. Theoretisch kann nun also jede Gaststätte zwar Getränke und Mahlzeiten ausschenken, muss sich aber um die menschliche Entsorgung von Bier oder Braten keine Gedanken mehr machen. Hans-Georg Geist, Vorsitzender des Weilheimer Gewerbeverbandes, hat jedenfalls bisher noch nie davon gehört, dass ein Laden einem Kunden die Toilette verweigert hat. „Ich finde es auch erstaunlich, dass „Aldi“ kein Kunden-WC hat.“ Die meisten größeren Geschäfte hätten doch eines. Karl Rattei fällt zu dem Vorfall im „Aldi“ nur ein Wort ein: inhuman. „Man kann doch Kunden nicht anbieten, dass sie sich in die Hose machen“, findet er. Die Frau habe sich ganz offensichtlich in einer Notlage befunden. „Da kann man doch eine Ausnahme machen.“ Kann „Aldi“, muss „Aldi“ aber nicht.

Veronika Stangl

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Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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