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Kraft und Technik sind beim Fingerhakeln gefragt, hier Hansjörg Reßler (r.), der sich den Titel im Halbschwergewicht holte, und Martin Kirchbichler (l.), der Vize-Meister wurde.

Ammergauer Meisterschaft

Fingerhakler küren die stärksten Männer

Die Ammergauer Meisterschaft der Fingerhakler stand in Antdorf an. Ein Festtag des bayerischen Brauchtums.

Antdorf – Ein Fingerhakler braucht eine dicke Hornhaut. Wer keine Schwielen am Mittelfinger hatte, brauchte im Antdorfer Schützenheim gar nicht erst aufs Podest steigen, um den Konkurrenten über den Tisch zu ziehen. Ihre jährliche Gaumeisterschaft trugen die Fingerhakler aus dem Ammergau am Sonntag aus. Auch so manch renommierter Titelträger stellte sich dem Kräftemessen. Der Titel im Schwergewicht ging an Florian Ruhdorfer, im Halbschwergewicht an Hansjörg Reßler und im Mittelgewicht an Stephan Harrer.

Der Finger eines Fingerhakler-Athleten will vor dem Kampf vorbereitet sein. Martin Huber und Paul Spies von der Ortsgruppe Antdorf/Eberfing taten das, indem sie ihre Finger in eine selbst gefertigte Zugfeder einhakten und diese auf und nieder zogen. „Bis zu 100 Kilogramm Zugkraft haben unsere Finger“, schätzten sie. Warum sie Fingerhakeln? „Weil es so eine tolle Kameradschaft ist.“ Das bestätigte Benedikt Höck aus Antdorf. „Wenn du hier Letzter bist, dann lacht dich keiner aus.“ Das sei in anderen Sportvereinen anders.

Aber Höck ist selten Letzter beim Fingerhakeln. Dafür trainiert er viel zu oft. „Sechsmal die Woche für etwa eine halbe Stunde“ spannt er seinen Mittelfinger in seine selbst gezimmerte Trainingsmaschine, die auf dem Foto, das er stolz zeigte, ein bisschen wie ein mittelalterliches Folterinstrument aussieht.

Einige Sieger: (v.l.) Franz Freisl (Senioren II), Florian Ruhdorfer (Schwergewicht), Alois Reßler (Klasse I leicht), Hansjörg Reßler (Halbschwergewicht), Stefan Harrer (Mittelgewicht), Maxi Ostenrieder (Jugend), Johannes Helmberger (Junioren) und Anton Bader (Klasse I schwer).

Wer es im Fingerhakeln zu was bringen will, der muss laut Florian Böhm aus Antdorf aber auch über Muskeln in den Beinen und im Rücken verfügen. Gelenkigkeit schadet auch nicht, wie die vielen Zuschauer im Saal gezeigt bekamen, wenn die Kontrahenten sich mit den Knien am Tisch abstützten, den Zugarm lang und länger zogen, langsam in bedenkliche Schieflage gerieten, bis einer von beiden hochgelupft wurde. „Es kommt schon vor, dass ein Hautfetzen fliegt“, räumte Franz Freisl, Vorsitzender der Ortsgruppe Antdorf/Eberfing ein.

Klar, dass der Nachwuchs bei so einem Spektakel ganz vorn saß und die Großen beobachtete. So auch Franz aus Peißenberg. Für den Sechsjährigen war es sein erster Wettkampf im Fingerhakeln. Warum er‘s macht? „Weil ich davon stärker werde.“ Über seinen ersten Platz samt Pokal freute sich der siebenjährige Jakob Sturm. Schon sein Papa war früher Fingerhakler und viele seiner eigenen Freunde sind auch dabei. In Pflugdorf ist dieser urbayerische Sport noch Teil des Dorfes, erzählte sein Vater Manfred Sturm. Leider ist das nicht mehr überall so, beklagte der Antdorfer Böhm. „Aber dieses Brauchtum darf nicht aussterben. Man muss es erhalten.“

Die Ergebnisse:

Schwergewicht (über 90 kg):

1. Florian Ruhdorfer (Antdorf/Eberfing)

2. Michael Schwarzwalder (Pflugdorf/Stadl) 

3. Gerhard Sturm (Pflugdorf/Stadl)

Halbschwergewicht (bis 90 kg): 

1 Hansjörg Reßler (Peißenberg/Forst) 

2. Martin Kirchbichler (Peißenberg/Forst) 

3. Andreas Rohrmoser (Peißenberg/Forst)

Mittelgewicht (bis 80kg): 

1. Stephan Harrer (Pflugdorf/Stadl) 

2. Christoph Erdt (Pflugdorf/Stadl) 

3. Andreas Sturm (Pflugdorf/Stadl)

Alterklasse I schwer (ab 40 Jahre/über 85kg): 

1. Anton Bader (Peißenberg/Forst) 

2. Peter Erdt (Pflugdorf/Stadl) 

3. Georg Adlwart (Antdorf/Eberfing)

Alterklasse I leicht (ab 40 Jahre/bis 85kg): 

1. Alois Reßler (Peißenberg/Forst) 

2. Wolfgang Arnold (Pflugdorf/Stadl) 

3. Herrmann Blöchl (Peißenberg/Forst)

Senioren II (ab 55 Jahre): 

1. Franz Freisl (Antdorf/Eberfing) 

2. Georg Ruhdorfer (Antdorf/Eberfing) 

3. Hans Zerhoch (Peißenberg/Forst)

Junioren (bis 21 Jahre): 

1. Johannes Helmberger (Pflugdorf/Stadl) 

2. Jakob Schelle (Peißenberg/Forst)

Jugend (bis 18 Jahre): 

1. Maximilian Ostenrieder (Peißenberg/Forst) 

2. Andreas Schwarzmann (Pflugdorf/Stadl) 

3. Christian Holl (Peißenberg/Forst)

Schüler 14 + 15 Jahre: 

1. Luis Ostenrieder (Peißenberg/Forst) 

2. Thomas Arnold (Pflugdorf/Stadl) 

3. Anton Pelland (Peißenberg/Forst)

Schüler 12 + 13 Jahre: 

1. Georg Berchtold (Peißenberg/Forst) 

2. Johannes Zimmermann (Pflugdorf/Stadl) 

3. Kilian Franz (Peißenberg/Forst)

Schüler 10 + 11 Jahre: 

1. Stefan Reßler (Peißenberg/Forst) 

2. Benedikt Bader (Peißenberg/Forst) 

3. Benedikt Zimmermann (Pflugdorf/Stadl)

Klasse: Schüler 8 + 9 Jahre: 

1. Tobias Kölbl (Peißenberg/Forst) 

2. Kilian Fichtner (Peißenberg/Forst)

Schüler 6 + 7 Jahre: 

1. Jakob Sturm (Pflugdorf/Stadl) 

2. Severin Reßler (Peißenberg/Forst) 

3. Tobias Höhne (Pflugdorf/Stadl)

Text: Franziska Seliger

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