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Stahlstützen schützen die Stalldecke vor dem Einsturz.
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Das Huppenberger Haus in Antdorf: Seine Errichtung wird auf das Jahr 1556 datiert.
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Ein Ofen zeugt vom ehemaligen Leben im Wohnhaus.

Es besteht seit 1556

Ein Haus – einzigartig im Landkreis

Das älteste Haus im Landkreis Weilheim-Schongau steht in Antdorf. Eine wissenschaftliche Untersuchung datiert das so genannte Huppenberger Haus auf das Jahr 1556. Die Gemeinde möchte dieses fast verfallene Kleinod nun aus seinem Dornröschenschlaf holen.

Antdorf – Wahrlich: Ein Schmuckstück ist es derzeit nicht, das kleine Bauernhaus in der Untergasse 13 in Antdorf. Das Wohnhaus ist aus Sicherheitsgründen teilweise mit einem Baugitter abgesperrt, der Putz bröckelt großflächig von der Fassade, und im Innern wird die Decke des ehemaligen Stalles mittels Stahlstützen vor dem Einstürzen bewahrt. 

Bauernhaus wird bei der Umgestaltung des Dorfplatzes einbezogen 

Und dennoch hat die Gemeinde bereits vor einiger Zeit beschlossen, das kleine Bauernhaus in ein Gesamtkonzept zur Umgestaltung des Dorfplatzes einzubeziehen. Aus diesem Grund habe man an dem bereits seit einigen Jahren denkmalgeschützten Haus eine so genannte dendrochronologische Untersuchung durchführen lassen, erläutert Bürgermeister Klaus Kostalek. „Damit wir wissen, was wir an dem Haus überhaupt machen dürfen.“

Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen einer bestimmten Wachstumszeit zugeordnet werden. Mit Hilfe dieser „Jahrring-Analyse“ können bei verbauten Hölzern Bauzeiten von Gebäuden sehr genau ermittelt werden.

„Dieses Alter ist für ein Gebäude im Landkreis einzigartig“

Beim Huppenberger Haus hat diese Untersuchung ergeben, dass das in Blockbauweise errichtete Gebäude 1556 erbaut wurde. So steht es zumindest in einem Protokoll zu einer Besprechung, die kürzlich unter anderem zwischen Gemeinde und dem Landesamt für Denkmalpflege stattgefunden hat. In dem Schriftstück, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es, das Haus sei der Epoche der Renaissance zuzuordnen. Und: „Dieses Alter ist für ein Gebäude im Landkreis (...) einzigartig.“

Was die Geschichte des Hauses betrifft, scheint indes nur wenig bekannt. Kostalek hat dafür etwa die handschriftlichen Notizen eines ehemaligen Antdorfs vorliegen, der privat zur Geschichte der Antdorfer Häuser geforscht hat. Nach dessen Forschungen stamme der Hausname „Huppenberger“, der sich bis heute erhalten hat, von einem gewissen Kaspar Huppenberger von Huppenberg der etwa um 1627 im Ort gelebt haben soll. Sein Familienname habe sich als Hausname erhalten „obwohl seit 1700 keine Huppenberger mehr dort beheimatet sind“. Im „Antdorfer Heimatlexikon“ von Max Biller wird die Geschichte des Hauses ähnlich beschrieben.

Katze der letzten Bewohnerin kommt noch regelmäßig zum leerstehenden Haus

Was den Grund angeht, soll das Kloster Ettal Eigentümer des von Huppenberg als Lehen bewirtschafteten Guts gewesen sein. Als Beleg dafür führt der Antdorfer Hobby-Forscher das Murnauer Steuerbuch von 1672 an. Kaspar Huppenberger – verstorben etwa um 1665 – und seine Frau Elisabeth sollen sechs Kinder gehabt haben. Eines davon, Sohn Melchior, übernahm später das Gut.

Im 18. Jahrhundert dann ändert sich der Nachname der Hausbewohner durch Eheschließung einer weiblichen Huppenberger-Nachfahrin in „Lutz“ – und so blieb es bis vor wenigen Jahren. Die Geschwister Amalie und Georg Lutz scheinen die letzten Bewohner des Hauses gewesen zu sein. Die Landwirtschaft war bereits in den 1960er Jahre aufgegeben worden. Amalie Lutz zog laut Kostalek erst vor wenigen Jahren aus. Sie sei erst in diesem Jahr in einem Altenheim verstorben. Seit ihrem Auszug stehen Stall, Tenne und Wohnhaus leer. Nur ihre Katze komme noch regelmäßig, um sich ein Schälchen Milch zu holen, erzählt Kostalek.

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Betritt man das Anwesen von der Rückseite, kommt man zunächst in den Stall mit seinen steinernen Trögen, aus denen einst das Vieh gefressen hat. Hier hat die Gemeinde Stahlstützen einziehen lassen, um zu verhindern, dass die Decke einstürzt, so Kostalek. Durch niedrige Holztüren gelangt man in das Erdgeschoss des Wohnhauses mit seinen niedrigen Decken, in dem ein erwachsener Mann heutzutage kaum aufrecht stehen kann. 

Nur in der Küche steht noch ein alter Ofen

Alles ist ausgeräumt, nur in der ehemaligen Küche steht noch ein alter Ofen. Im Obergeschoss, in das man über eine windschiefe Holztreppe gelangt, stößt man dann auf deutliche Spuren der dendrochronologischen Untersuchung: Großflächig wurden die Putzschichten abgetragen, um an das darunter liegende Holz zu gelangen. In die Balken gehauene Holznägel zeugen vom hohen Alter des Gebäudes, das seit 2016 im Besitz der Gemeinde ist. Auf dem Weg zur Tenne gelangt man durch einen rußgeschwärzten Raum – vermutlich einst die Räucherkammer, glaubt Kostalek. Er ist sich sicher: „Dieses Haus ist was ganz einmaliges. Wir versuchen, es so gut es geht zu erhalten.“

Geplant sei, dem Baudenkmal bei einer Umgestaltung des Dorfplatzes eine zentrale Rolle zu geben, und das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So solle im ehemaligen Stall ein Dorfladen – möglicherweise erweitert um einen Wintergarten – entstehen. Die Tenne solle als Kleinkunstbühne und Veranstaltungsraum genutzt werden. Und im Wohnhaus soll ein Museum mit Café entstehen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat grundsätzlich keine Einwände dagegen, wie aus dem Besprechungsprotokoll hervorgeht. Auch Zuschüsse werden in Aussicht gestellt. Im kommenden Jahr sollen nun ein Plan sowie eine Kostenschätzung erarbeitet werden.

VON FRANZISKA SELIGER

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