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Antdorfer Madln beim Mailauf: 70-Meter-Sprint mit Damenwahl

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Von: Franziska Seliger

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Mailauf in Antdorf: 70-Meter-Sprint über die Wiese.
Mailauf in Antdorf: 70-Meter-Sprint über die Wiese. © Franziska Seliger

Ganz Antdorf dürfte am Sonntag auf den Beinen gewesen sein, als die Maiburschen zum traditionellen Mailauf einluden. Für knapp 20 Madln galt es am Nachmittag, sich einen schneidigen Burschen für den abendlichen Maitanz zu ergattern – ein uralter Brauch, den es so in der Welt wahrscheinlich nicht noch einmal gibt.

Antdorf – Schon lange, bevor die Maiburschen unter lautem Gejohle gegen 14.30 Uhr auf den Glasenbauer-Anger gegenüber dem Gasthofs Petermichl marschieren und auf der meterlangen Bank am Ende der Wiese Platz nehmen, hatten sich am Sonntag unzählige Schaulustige eingefunden, um das Spektakel live mitzuverfolgen. „Das ist einfach Tradition bei uns. Sie lebt nur, so lange man sie mitbelebt“, erklärt Sandra Albrecht, warum sie trotz Nieselregens dabei sein will, wenn die ledigen Madln des Dorfes sich ihren ebenfalls ledigen Burschen für den abendlichen Tanz regelrecht erjagen müssen. Ihre Tochter Maria will in ein paar Jahren auch zum ersten Mal mitlaufen, denn: „Jeder aus Antdorf macht mit“, so die 14-Jährige.

Mailauf in Antdorf: Tradition „lebt nur, so lange man sie mitbelebt“

Tatsächlich trifft man an diesem Tag viele Zuschauer, die sich die Wartezeit bis zum Eintreffen der Madln damit verkürzen, dass sie Geschichten von ihren eigenen Mailäufen in früheren Jahren zum Besten geben.

Burschen warten auf einer Bank - mit dem Rücken zur Wiese

Unter den dutzenden Schaulustigen steht auch die 82-jährige Marianne. Sie selbst habe zwar nie am Lauf teilgenommen, erzählt sie, weil sie aus Spatzenhausen nach Antdorf eingeheiratet habe. Aber ihre vier Kinder hätten alle mitgemacht. Heute will sie ihren beiden Enkeln zuschauen, die beide als Maiburschen mitmachen. „Es interessiert mich, was die für Madln kriegen.“ Zusammen mit den anderen Burschen haben ihre Enkel mittlerweile auf der Bank Platz genommen. Alle mit dem Rücken zur Wiese. Alle einheitlich in die Antdorfer Tracht gekleidet und so für die Madln aus der Ferne nicht identifizierbar. Die Stimmung ist ausgelassen. Das Bier schmeckt viel zu gut, und manch einer verlässt noch rasch die Formation, um sich kurz hinter einem Busch zu erleichtern. Immerhin wird schon seit dem Vormittag gefeiert.

Felix hockt als einer der älteren Burschen auf der Bank. Es ist sein fünfter Mailauf, erzählt er. Nervös angesichts der von hinten anstürmenden Madln sei er deshalb nicht mehr, und auch ein Wunsch-Madl hat er keines. „Ich nehme das, was kommt“, sagt er fatalistisch.

Wer übrig bleibt, erhält Reisigbesen und Laterne

Niklas, am anderen Ende der Bank, ist da schon nervöser. Für den 18-Jährigen ist es der erste Mailauf. „Ich will bloß nicht den Besen kriegen“, hofft er. Denn schon vor dem Lauf ist klar, dass es nicht für jeden Burschen auch ein Madl geben wird. Wer leer ausgeht, bekommt als Trostpreis einen Reisigbesen oder eine Laterne.

Kurz vor 15 Uhr werden die Madln von den so genannten „Zamtreibern“ auf die Wiese geführt. Jetzt geht alles ganz schnell: Die Dirndl werden gerafft, Schuhe ausgezogen, und dann setzen die Madln zu einem 70-Meter-Sprint über die Wiese an. Fast hört man den Aufprall, als sie Sekunden später gegen die Rücken der Mannsbilder prallen. Arme schlingen sich von hinten um die erjagten Burschen.

Romy, die heuer erstmals dabei ist, hat sich Flori geschnappt. Arm in Arm stehen sie jetzt da und strahlen. Ein hübsches Paar – zunächst nur für einen Abend. Aber wer weiß das schon so genau.

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