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Ein Milchbauer und sein Vieh: Für Landwirt Martin Huber rentiert sich mit den gestiegenen Milch- und Butterpreisen das Aufstehen wieder.

Ein Jungbauer erzählt

Wieder alles in Butter? So wirkt sich die Preissteigerung auf Landwirte aus

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    Sebastian Horsch
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Seit es den Euro gibt, hat die Butter noch nie mehr gekostet als heute. Was manchen Verbraucher vielleicht richtig ärgert, ist für die Milchbauern ein Segen. Doch die Preiskrise hat auch tiefe Wunden hinterlassen.

Antdorf – Die Butter ist teuer wie lange nicht, und Martin Huber weiß wieder, wofür er aufsteht. Es ist gut ein Jahr her, da war beides noch anders. Auf 23,45 Cent stand damals der Literpreis, den die Molkerei für Hubers Milch bezahlte. „Ich glaube, jeder versteht, dass man für diesen Preis nicht wirtschaftlich produzieren kann. Strom, Wasser, Diesel – ein Lohn ist für einen selbst da noch gar nicht dabei“, sagt der Landwirtschaftsmeister. Huber stand natürlich trotzdem jeden Morgen auf, „weil du deine Viecher ja liebst“.

Seine Viecher, das sind 32 Milchkühe, Legehennen sowie Hühner, Enten und Gänse. Den Familienbetrieb in Antdorf bewirtschaftet der 23-Jährige gemeinsam mit seinen Eltern, auch die Geschwister helfen alle irgendwie mit. Sein Vater Sebastian Huber ist mit 61 Jahren noch der Leiter, Martin Huber ist seit 2011 voll dabei. „Wir machen alles selber, denn auf uns können wir uns am besten verlassen“, sagt der Sohn. Er soll den Familienbetrieb einmal in die Zukunft führen. Schon jetzt ist er der stellvertretende Kreisobmann des Bauernverbands im Landkreis Weilheim-Schongau.

Heute bekommen die Hubers 37,6 Cent für ihre Milch. „Momentan kann ich mich nicht beschweren“, sagt der Jungbauer. Sie produzieren günstig mit Anbindehaltung. Anmindestens 220 Tagen im Jahrwerden die Tiere auf die Weide getrieben. Wenn der Preis weitersteige, könne man sogar ans Investieren denken.

Dass die dunklen Tage nun erst einmal vorüber scheinen, verdankt Huber auch dem steigenden Butterpreis. 1,99 Euro muss der Kunde neuerdings für ein 250-Gramm-Packerl Handelsware hinlegen, auch Aldi-Süd zieht mit. Mehr mussten die Verbraucher seit der Euro-Einführung 2002 nie bezahlen. „Ich habe einen solchen Butterpreis noch nicht erlebt“, staunt auch Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Verbands der Milcherzeuger Bayern.

Vor sieben Jahren lag der Butterpreis noch bei 65 Cent. Der absolute Tiefststand. Danach erholte sich der Markt zunächst, aber in den vergangenen eineinhalb Jahren waren die Milchbauern abermals gebeutelt durch einen lang anhaltenden Preisverfall. Mit drastischen Folgen: In Bayern gaben allein zwischen November 2015 und November 2016 von den rund 30 000 Milchviehbetrieben über 2300 auf. Am 30. Juni 2016, erinnert sich Seufferlein, kostete die Butter im Laden 70 Cent. Aber von da an ging es wieder aufwärts – bis jetzt zum Höhenflug.

Die kommenden sechs Monate wird das Hoch nach Überzeugung des Experten sicher andauern. Auch die Verbraucher werden sich also weiter darauf einstellen müssen, mehr für Butter zu bezahlen. Wenn die Weihnachtsbäckerei losgeht, dürfte das halbe Pfund Butter in der No-Name-Kategorie sicher die 2-Euro-Marke knacken.

Nach und nach werden auch die anderen Milchprodukte im Preis nachziehen. Ab Oktober rechnet Seufferlein mit höheren Preisen beim Käse. Und auch die Milch wird dann wohl teurer, denn die Bauern haben für die Verhandlungen mit den Molkereien deutlich bessere Karten: Wenn sie beim Milchgeld keinen kräftigen Aufschlag bekommen, könnten sie ja ihre Milch für die Verarbeitung zu Butter teurer verkaufen.

Warum aber ziehen die Preise überhaupt so an? „Die Butter hat wieder ein besseres Image“, sagt Seufferlein. Vor zehn Jahren noch war alles, was Fett heißt, unerwünscht. Seitdem neuere wissenschaftliche Untersuchungen die „gute Butter“ und tierische Fette wieder hoffähig gemacht haben, ändert sich auch das Verbraucherverhalten. Anstelle von Magermilch und 0,1-Prozent-Fett-Joghurt greifen die Kunden wieder zur Vollmilch und zum Sahne-Joghurt. „Man leistet sich wieder Geschmack, man gönnt sich wieder was“, glaubt Seufferlein. Zudem ist Palmöl – in der Industrie zuletzt vielfach als Milchersatz verwendet – inzwischen verpönt. Viele Verbraucher verbinden es mit dem Abholzen von Wäldern und Umweltfrevel. Und nicht zuletzt gibt es auf dem Weltmarkt eine steigende Nachfrage nach Vollmilchpulver. Dazu kommt laut Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband: „Es gibt in der EU keine ,Butterberge‘ mehr.“ Die Lager sind leer, die Vorräte aufgebraucht.

Im Hofladen: Lisa und Sebastian Huber.

Und wer profitiert nun davon? Der Handel behält natürlich eine Spanne ein, und auch die Molkereien können wohl mit stabilen Erlösen rechnen. Mit dem Preis für die Butter steigt zudem – mit etwas Verzögerung – das Milchgeld, das die Bauern von den Molkereien bekommen. Vom tiefsten Stand im Juni 2016 mit 25,26 Cent bekommen die Bauern derzeit durchschnittlich 36,3 Cent. Tendenz steigend. Aufatmen für die Landwirte, aber noch lange keine Entwarnung. Denn eines ist klar, sagt Milcherzeuger-Geschäftsführer Seufferlein: „Die vergangenen eineinhalb Jahre steckt man als Erzeuger finanziell nicht einfach so weg. Dafür sind die Löcher, die die Krise gerissen hat, zu tief.“

Auch Milchbauer Martin Huber erinnert sich: „Die Zeit war weder wirtschaftlich noch im Familienumfeld schön.“ Sein Glück: Der Brennholzverkauf, der Hofladen – das lohnte sich noch immer. „Deshalb haben wir gut durchgehalten.“ Aufhören sei aber ohnehin nie eine Option gewesen. Seine Rindviecher, sagt Huber, würde er nämlich nie hergeben.

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