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Bei der Ex eingebrochen

Ein Arzt als Stalker

Weilheim - Ein Weilheimer Arzt hatte seine Ex-Freundin verfolgt, mit Anrufen bombardiert und war bei ihr eingebrochen: Das Gericht verhängte ein Jahr Haft auf Bewährung für den Stalker.

Wegen Nachstellung, Nötigung, Wohnungseinbruchsdiebstahls und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz ist ein Weilheimer Arzt vom Amtsgericht Weilheim zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Als Bewährungsauflage muss er 1000 Euro an das Frauenhaus Wolfratshausen zahlen. Vor Gericht hatte er gestanden, seine ehemalige Freundin von September bis Dezember 2012 verfolgt und bedrängt zu haben, weil er nicht wahrhaben wollte, dass sie keine Partnerschaft mehr mit ihm führen will. Ungefähr ein Jahr lang hatten der Mediziner und seine damalige Freundin eine Beziehung, die - zumindest nach der Schilderung des Angeklagten - harmonisch verlief und von Zuneigung geprägt war. „Es war für uns beide die große Liebe“, schilderte der Arzt vor Gericht. Das Zusammensein sehr belastet habe allerdings die Eifersucht, denn er und seine damalige Freundin hätten vor ihrer Beziehung ein „intensives Vorleben“ gehabt. Im September 2012 kam es zur Trennung.

Damit begann der „total kranke Horror“, wie es die Frau vor Gericht nannte: Der Arzt bombardierte sie Tag und Nacht mit SMS, stellte ihr auf der Arbeit nach, lauerte ihr in der Tiefgarage auf, warf Süßigkeiten und Postkarten in den Briefkasten. Nächtelang belagerte er sie förmlich, indem er in seinem Auto, das vor ihrer Wohnung geparkt war, übernachtete. Er öffnete - wohl mit einem Zweitschlüssel - ihr Auto, nahm das Navigationsgerät heraus, das er ihr geliehen hatte und legte ein Stofftier hinein. Die Weilheimerin erwirkte eine gerichtliche Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz, die ihm verbot, ihrer Wohnung zu nahe zu kommen, SMS zu schicken und anzurufen. Dennoch drang er in ihre Wohnung ein und entwendete Schuhe mit hohen Absätzen, schöne Kleider und Unterwäsche und vernichtete die Sachen. „Ich wollte nicht, dass sie die Sachen für einen anderen Mann trägt“, erklärte der Angeklagte. Einmal passte er sie in der Stadt ab, hielt sie fest und küsste sie. Noch heute schickt der Ex-Freund ihr regelmäßig SMS.

Die Weilheimerin lebte in dieser Zeit in großer Angst und im Gefühl ständiger Beobachtung. Sie änderte ihre Lebensgewohnheiten radikal: Sie kletterte aus dem Fenster, um ihre Wohnung zu verlassen, damit ihr Ex-Freund sie nicht aus der Haustür kommen sieht, verschloss die Zimmertüren und nahm die Schlüssel mit in die Arbeit. Sie brachte Fahrradschlösser an ihren Kleiderschränken an, verreiste übers Wochenende, weil sie in ihrer Wohnung Angst hatte, ging abends nicht mehr aus und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Trotz dieser Qualen traf sie sich auch immer wieder mit dem Angeklagten, unternahm Ausflüge und schlief bei diesen Treffen auch mit ihm. „Ich habe mich immer wieder manipulieren lassen und seinen schönen Worten geglaubt“, sagte die Frau vor Gericht. Das und das umfassende Geständnis des Angeklagten sowie eine Entschuldigung wertete die Richterin l zu Gunsten des Arztes. Zu seinen Lasten fiel unter anderem ins Gewicht, dass es sich um „einen besonders massiven Fall der Nachstellung handelt“, so die Richterin.

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