Großes Interesse: Überfüllt war es im Saal des Weilheimer „Oberbräu“, als es am Mittwochabend um das Thema „Asyl“ ging und Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer (stehend) einen kurzen Vortrag hielt. Foto: Peter Preller

Asyl-Diskussion: Die Hilfe vom Staat kommt zu spät

Weilheim - Eine rege Diskussion über die Sozialberatung der Asylbewerber in Weilheim gab es im "Oberbräu".

In Sachen „Asylbewerber“ hat Weilheim eine Entwicklung von „0 auf 99“ hingelegt, wie Pfarrer Jost Herrmann beim Diskussionsabend zum Thema „Asyl“ am Mittwoch in Weilheim schilderte: 99 Asylbewerber kamen 2013 nach Weilheim - und wurden gut aufgenommen. Ein Unterstützerkreis formierte sich, mittlerweile engagieren sich 65 Ehrenamtliche für die Flüchtlinge. Demos gegen die Unterbringung von Asylsuchende? In Weilheim war davon im Gegensatz zu anderen Orten keine Spur.

Alles rosig also? Nicht alles: Bei dem von Grünen-Stadtrat Alfred Honisch veranstalteten Diskussionsabend im „Oberbräu“ zeigten sich die Ehrenamtlichen enttäuscht von der Politik: Sie fühlen sich mit der Beratung der Flüchtlinge überfordert und alleingelassen.

Zunächst aber gab es Lob vom ehrenamtlichen Integrationsbeauftragten der bayerischen Staatsregierung: Martin Neumeyer (CSU) war als Diskussionspartner in den „Oberbräu“ gekommen. „Es ist sensationell, wie viele Leute da sind, ich muss Ihnen gratulieren“, staunte er im rappelvollen „Oberbräu“, in dem auch einige Asylbewerber saßen. „Dass Sie eine gute Stimmung im Ort haben, liegt an Ihnen.“

Und der Integrationsbeauftragte hatte eine Neuigkeit dabei: Die Staatsregierung habe für ihren Nachtragshaushalt beschlossen, die Ausgaben für die Asylsozialberatung auf 8,6 Millionen Euro zu verdreifachen. Nach Meinung vieler Ehrenamtlicher in Weilheim hat sich aber viel zu spät etwas getan: Weilheim sei völlig alleingelassen worden, als auf einen Schlag die Flüchtlinge kamen und Hilfe brauchten. Erst kürzlich sprang das diakonische Werk in die Bresche und schafft ab 1. Februar eine Stelle für Asylsozialberatung. „Es ist nicht verständlich, warum die Regierung so lange wartet“, kritisierte Honisch. Annette Herrmann vom „Unterstützerkreis Asyl“ sagte, „wir haben eine rein ehrenamtliche Asylsozialberatung versucht, aber es ist unmöglich. Es geht zum Teil um traumatisierte Menschen.“ Monika Funk von der „Caritas“ kritisierte: „Das Ehrenamt hat seine Grenzen und kann nicht in die Bresche springen für staatliche Aufgaben."

Neumeyer argumentierte dagegen: Er sieht es sogar als Vorteil an, dass in Weilheim so viel ehrenamtlich läuft - dies würde die Stimmung gegenüber Asylbewerbern im Ort verbessern. „Der Vorteil des Ehrenamts ist, dass es Verständnis schafft und weiterträgt“, meinte er. Würde der Staat alles zu 100 Prozent finanzieren, könne er „es gleich selbst machen“, und das sei nicht die bessere Alternative.

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