Eine Kopie des Gemäldes „Mutter der schönen Liebe“ konnte Kirchenpfleger Franz Langer ersteigern. foto: gro

Auktion der Missionsbenediktinerinnen sorgt für Verstimmung

Wessobrunn - In einem Münchener Auktionshaus kommt Wessobrunner Klosterkunst unter den Hammer, doch im Dorf weiß kaum einer davon. Das sorgt für Missstimmung.

Was Konrad Hölzl entdeckt, als er den Katalog eines Münchner Auktionshauses durchblättert, macht ihn stutzig: Es ist die Kopie eines Marienbildes, wie sie der Verein „Wessofontanum“, dessen Vorsitzender Hölzl ist, schon lange sucht. Der Wessobrunner liest die Bildbeschreibung - und traut seinen Augen kaum. „Aus dem Kloster Wessobrunn“ steht da. Verkäufer sind die Missionsbenediktinerinnen in Tutzing. Ihnen gehört das Kloster und die darin befindlichen Kunstgegenstände.

Dass das Bild „Maria, Mutter der schönen Liebe“ jetzt trotzdem noch in Wessobrunn ist, ist Hölzls schneller Reaktion und dem Einsatz von Kirchenpfleger Franz Langer zu verdanken. Der Vereinsvorsitzende informierte den Kirchenpfleger, der fuhr Mitte November zur Auktion. Das Startgebot lag bei 500 Euro. Weil keiner ein Gebot abgab, konnte es Langer im Nachkauf für 375 Euro erwerben und mit nach Hause nehmen. Bei Bedarf will er es für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Für die Pfarrei hat der Kirchenpfleger außerdem ein Kruzifix erstanden. Beides hat laut Langer Bezug zum Ort und ist deshalb für die Wessobrunner wichtig. Doch warum haben die Schwestern die Kunstgegenstände - sechs Gemälde, eine Figur, zwei Kruzifixe, eine Mandoline und einen Bilderrahmen, insgesamt im Wert von mindestens 1800 Euro - nicht der Pfarrei oder „Wessofontanum“ zum Kauf angeboten? Schließlich bemühen sich die beiden Institutionen, Klosterkunst für die Wessobrunner zu bewahren.

Konrad Hölzl kann sich über das Verhalten der Missionsbenediktinerinnen nur wundern: „Sie wissen doch, dass wir eine Kopie von Mutter der schönen Liebe suchen.“ Das Original hängt in der Wessobrunner Pfarrkirche. Eine gewisse Schwester Marina hat es - wohl in den 1960er oder 1970er Jahren - kopiert. Auch Kreisheimatpfleger Helmut Schmiedbauer hätte sich von den Schwestern in dieser Angelegenheit mehr „Fingerspitzengefühl und Abstimmung mit den Verantwortlichen“ gewünscht. „Ich persönlich hätte es begrüßt, wenn uns mitgeteilt worden wäre, dass die Auktion stattfindet“, sagt Kirchenpfleger Langer. Freilich sei es das „gute Recht“ der Schwestern, die Gegenstände aus ihrem Besitz zu verkaufen. Davon ausgegangen sei er aber nicht. „Mir wurde gesagt, ein Teil der Sachen gehe nach Tutzing und einer nach Rom.“

„Wessofontanum hätte die Möglichkeit gehabt, auf uns zuzugehen“, sagt Schwester Hildegard Jansing, Priorin der Missionsbenediktinerinnen in Tutzing, wo seit den Verkaufsplänen des Klosters einige der Wessobrunner Nonnen leben. Außerdem habe man den Wessobrunnern Mobiliar und Gegenstände von ideellem Wert angeboten. „Meines Wissens hat Wessofontanum nichts gekauft.“

Bei den Auktionsgegenständen habe es sich um einen „ganz kleinen Teil aus dem Privatbesitz der Schwestern“ gehandelt - die bedeutendesten Kunstgegenstände stünden nach wie vor im Tassilosaal. Der ist laut Langer im Besitz der Pfarrei. Dort stehende Kunstgegenstände wie die Jakobusfigur und der Gnadenstuhl seien eine Leihgabe des Klosters. Und dass sie da auch bleiben, sei vertraglich geregelt.

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