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Toni Walter wurde in Starnberg zugeparkt. 

Frau blockiert Auto

Ausgesperrt auf Behindertenparkplatz

Hohenpeißenberg - Toni Walter wurde auf einem Behindertenparkplatz blockiert. Der Hohenpeißenberger rief die Polizei, aber die kontrollierte ihn.

Toni Walter versteht die Welt nicht mehr. Er begleitete seine Frau als Beifahrer dieser Tage zu einem Arzttermin. Seine Frau parkte das Auto gegen 17 Uhr auf einem Behindertenparkplatz an der Josef-Jägerhuber-Straße in Starnberg – und wurde eingeparkt.

Für den 72-Jährigen zählt jeder Zentimeter des Parkplatzes. Der Hohenpeißenberger leidet seit mehr als zehn Jahren an den Folgen des Krankenhausvirus „MRSA“. 115 Operationen hat er deshalb schon hinter sich, sein rechtes Bein ist ab dem Oberschenkel amputiert, und im Herz hat er sieben Stents. Um aus dem Auto aussteigen zu können, muss er die Beifahrertür bis zum Anschlag öffnen. Für Personen wie ihn gibt es die Vorschrift, dass ein Behindertenparkplatz 3,50 Meter breit sein muss. Für die Nutzung besitzt er eine Berechtigung.

Als seine Frau in die Praxis ging, stieg Walter aus, um frische Luft zu schnappen. Kurz darauf beobachtete er, wie eine Frau mit ihrer Geländelimousine (SUV) auf dem freien Parkplatz neben dem Auto der Walters parkte. Und zwar so, dass der linke Reifen ihres Autos auf dem Behindertenparkplatz stand. „Ich komme ja gleich wieder“, sagte sie Walter, als er sie darauf hinwies. Er konnte so nicht wieder in sein Auto steigen. Als die Unbekannte auch nach einer Viertelstunde nicht wieder aufgetaucht war, wurde Walter so sauer, dass er die Polizei rief. Er hoffte, die Beamten würden ihm helfen und die Frau zurechtweisen. Die Polizisten reagierten aber nicht so, wie Walter erwartet hat. Sie prüften seine TÜV-Plakette und seine Park-Berechtigung. „Weil ich an den Ausweis in meinem Auto nicht rankam, schrieben sie sich meine Personalien auf. Sie drohten, mich mit aufs Revier zu nehmen. Dabei habe ich mein Hosenbein hochgezogen, um die Beinprothese zu zeigen“, sagte Walter einige Tage später. Das Auto der Frau habe die Beamten nicht interessiert – „obwohl sie so rücksichtslos geparkt hat und ihr Parkschein sogar ungültig war.“ Die Polizisten sagten ihm, er solle warten, bis seine Frau wiederkommt, damit sie das Auto für ihn rausfährt.

„Die Beamten haben sich korrekt verhalten“, sagt Florian Gehlen von der Polizei Starnberg auf Anfrage. Sie hätten von der Besitzerin des SUV höchstens ein Bußgeld in Höhe von fünf Euro verlangen können. Da sie aber nur mit einem Teil des Autos über der Linie stand, hielten sie das nicht für angemessen. „Wenn wir jede Verkehrsordnungswidrigkeit vermerken, werden wir nicht mehr fertig“, so Gehlen über das Verhalten der Beamten. Sowohl die Berechtigung für den Parkplatz als auch die TÜV-Plakette zu prüfen, sei die Standard-Vorgehensweise.

„Verwarnt wird ein Fahrer dann, wenn er mindestens mit halber Fahrzeuglänge oder -breite auf dem Behindertenparkplatz steht“, heißt es beim Starnberger Ordnungsamt, das in erster Linie den ruhenden Verkehr (Parker) überwachen lässt. Im Einzelfall sei die Bestrafung davon abhängig, wie sehr die behinderte Person dadurch eingeschränkt wird. Offensichtlich ein Grenzbereich. Gehlen gibt Walter aber auch Recht: Die Parkplatzsituation für Behinderte in Starnberg sei oft schwierig, und die Frau habe in der Tat achtlos geparkt.

Die Polizisten konnten Walter nicht helfen, wie er wollte. Seine Frau wollte der Hohenpeißenberger nicht anrufen, weil sie in der Klinik ihren Termin wahrnehmen musste. Erst um 18.30 Uhr kam sie wieder. Sie musste den Wagen aus der Parklücke auf die Straße fahren, damit Walter einsteigen konnte. Die Besitzerin des SUV hatte von dem Ärger vermutlich nichts mitbekommen, sie war noch immer nicht zurückgekehrt.

Luca von Prittwitz

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