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In die Küche zauberte FDP-Stimmkreiskandidat Martin Zeil (l.) ein Drei-Gänge-Menü, während ihn Sebastian Tauchnitz von der Heimatzeitung mit Fragen löcherte.

Landtagswahl 2018

Am Herd mit Martin Zeil (FDP): Kochen, Klavier und Koalitionen

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Martin Zeil (FDP).

Bernried – Martin Zeil steht auf dem Balkon eines Zweckbaus im Gewerbegebiet in Bernried. Hier hat die Firma seines „guten Freundes“ Dr. Wolfgang Mutter ihren Sitz, hier fand Zeil Unterschlupf für sein Wahlkampfbüro und einen Zweitwohnsitz. Ein großer Besprechungsraum, irgendwo steht ein Bett, wenn es zu spät wird, um nach Hause nach Gauting zu fahren, und – heute besonders wichtig – es gibt eine kleine Küchenzeile.

Doch zuerst geht es raus auf den Balkon. Zeil zeigt auf die Baustelle direkt vor dem Haus. Selbst am Abend wird noch gewerkelt. Dr. Mutters Biotechnologiefirma „Microcoat“ erweitert, verbaut Millionen in Bernried. Ein Projekt ganz nach dem Geschmack des ehemaligen FDP-Wirtschaftsministers und ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten: „Innovative Arbeitsplätze im ländlichen Raum – die Wissenschaftler, die hier arbeiten, sind begeistert, weil sie mittags kurz runter zum Starnberger See gehen können.“ Eine Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Gemeinde, ganz ohne Fördermittel vom Freistaat – so gefällt das Zeil. „Weil es zeigt, wie viel man bewegen kann, wenn alle Leute in einer Region an einem Strang ziehen.“

Da schlägt das Herz des ehemaligen Wirtschaftsministers höher: Martin Zeil (FDP) schaut vom Balkon aus auf die Baustelle für die Erweiterung der „Microcoat Biotechnologie GmbH“ in Bernried.

Die Bauarbeiter unten machen sich ein Helles auf. Feierabend. Zeit fürs Abendessen. Zeil streift sich seine Schürze über und stellt sich an den Herd. Seine Ehefrau Barbara Daumiller-Zeil steht in Rufweite, wirkt aber entspannt: „Mein Mann kann das, der kocht öfter. Für Festtagsbraten ist er zuständig.“ Hat er sich etwa damals in ihr Herz gekocht? Barbara Daumiller-Zeil lacht. „Nein, ehrlich gesagt war es seine Art, Klavier zu spielen.“ Zeil spielt auch heute noch, sagt er, während er die Avocado püriert, Schinken kleinschneidet und hartgekochte Eier schält – die Vorspeise macht sich nicht von selbst.

Landtagskandiat Martin Zeil ist wichtig, dass es auch ein Leben außerhalb der Politik gibt

Ihm sei wichtig, dass es auch noch ein Leben außerhalb der Politik gibt. Orte, an die man sich zurückziehen kann. Sein Haus, seine Familie, das Klavier. „Viele Spitzenpolitiker haben heute nicht einmal mehr eine Familie – kein Wunder, dass die von der Welt außerhalb des Sitzungssaals nichts mitbekommen“, sagt Zeil. Er habe erst in der Wirtschaft Karriere gemacht als Leiter der Rechtsabteilung einer Privatbank, bevor er in die Politik ging: „Ich halte gar nichts vom heutigen Dreiklang der Berufspolitik: Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal.“

Die Avocadocreme als Vorspeise ist fertig, Zeil aber noch nicht mit seiner Erklärung. Also schneidet er schon mal das Grillgemüse für den Hauptgang und lässt es auf kleiner Flamme garen. Ein verführerischer Duft verbreitet sich. „Bevor ich in die Landespolitik ging, habe ich 20 Jahre lang Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt. Ich war knapp 50, als ich mein Bundestagsmandat errang“, erinnert er sich. Finanziell sei das eine Verschlechterung gewesen, „aber darum geht es nicht. Ich wollte politische Verantwortung übernehmen.“

Zeil schenkt ein Glas vom schweren Franzosen ein, der schon lange im Dekanter Luft bekommen hat. Die Ochsenfetzen vom Metzger des Vertrauens wandern in die Pfanne: „Die sind schon mariniert. Das bekommt man selbst nicht besser hin.“

Der FDP-Mann redet über die Jahre in München, die Jahre, in denen er als Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident an den Hebeln der Macht saß. Damals, als die Lehman Brothers die Weltwirtschaft in eine Krise stürzten, als er – entgegen aller Erwartungen – insbesondere mit den Gewerkschaften gut zusammengearbeitet habe. Man merkt, dass ihm das fehlt. Aber da ist keine Verbitterung. Eher Hoffnung, eine gewisse Gelassenheit. „Ich wollte meiner Partei helfen, daher habe ich mich zur Kandidatur im Stimmkreis 131 entschieden“, sagt er. Kein böses Wort darüber, dass im Nachbarkreis Starnberg – eine FDP-Hochburg – nun Britta Hundesrügge für die Liberalen an den Start geht. „Ich sammele meine Zweitstimmen überall.“ Der Hauptgang wird aufgetischt. Das Fleisch ist zart, das Grillgemüse aromatisch.

Landtagskandidat Martin Zeil serviert zum Nachtisch eine „lustige Frau“

Zeit für den Nachtisch und einen Ausblick auf die Tage nach der Wahl. Bei Mango mit Orangensaft und einem Schuss Zitrone – „Lustige Frau“, ein Rezept seines Vaters – denkt Zeil über künftige Koalitionen nach.

Schwarz-grün würde rechnerisch gehen, aber „60 Prozent der bayerischen Wähler tendieren zur konservativ-liberalen Mitte“. Seine Lieblingskoalition? Natürlich: CSU, Freie Wähler und die FDP. Mit Markus Söder als Ministerpräsidenten? Zeil lächelt, schweigt und konzentriert sich aufs Dessert. Die Mango bleibt auch bei der letzten Frage des Abends offenbar sehr interessant: Will er wieder Minister werden? „Erst einmal muss die FDP mit einem möglichst guten Ergebnis in den Landtag einziehen. Alles andere ist derzeit vollkommen unwichtig.“

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Maike Seewald (V-Partei³)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Martin Zeil (FDP)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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