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Vom coronabedingten Home-Office als Auditor beim TÜV -Südbayern ins Bürgermeisterbüro: Georg Malterer. 

Amtsantritt ohne Vorstellungsrunde in Bernried

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Im Bernrieder Rathaus hat nach dem Abschied von Josef Steigenberger eine neue Ära begonnen: Georg Malterer (Überparteiliche Freie Wählergruppe) lenkt nun als Bürgermeister die Geschicke der Klostergemeinde. Es ist ein nahtloser Übergang. Steigenberger und sein Nachfolger pflegen seit jeher ein enges Vertrauensverhältnis.

Bernried – „Ich bin reingekommen und hab’ mit der Arbeit angefangen. Es war gar kein neues Gefühl.“ Es klingt eher nüchtern und pragmatisch, wie Georg Malterer seinen ersten Amtstag als Bürgermeister beschreibt. Aber Malterer ist eben kein Novize im Bernrieder Rathaus. Als dritter Bürgermeister war er in der abgelaufenen Wahlperiode bereits für den gemeindlichen Bauausschuss verantwortlich. In dieser Funktion stand er mit den Rathausmitarbeitern im engen Austausch – ebenso wie mit Josef Steigenberger. Malterer galt als politischer Ziehsohn des künftigen Alt-Bürgermeisters. Dass er in dessen Fußstapfen treten würde, war keine Überraschung. „Mir macht die Arbeit von Anfang an Spaß“, resümiert Malterer seine ersten Tage als Bürgermeister: „Es ist in meinem Berufsleben das erste Mal, dass ich keine Vorstellungsrunde mit meinen Mitarbeitern brauche. Ich kenne ja alle.“ Natürlich ist Malterer auch thematisch gut vorbereitet: „Josef Steigenberger war immer transparent und hat mich frühzeitig eingebunden.“ Über das Detailwissen verschafft sich der neue Rathauschef gerade einen Überblick – unter anderem hat er dem Bauhof bereits einen Antrittsbesuch abgestattet.

Und zu Steigenberger sind die Wege nach wie vor kurz. „Es ist ein Luxus, dass ich ihn viel fragen kann. Ich beneide keinen meiner Kollegen, der das nicht hat“, betont Malterer. Auch in die Netzwerke Steigenbergers, die bis in die bayerische Staatsregierung reichen, will der zweifache Familienvater peu á peu reinwachsen. Auf dem Schreibtisch liegt übrigens noch ein Stapel voll Unterlagen, die Steigenberger abarbeiten soll. „Im Büro hat sich unwesentlich bis gar nichts verändert“, sagt Malterer schmunzelnd. Aber damit ist nur das optische Design gemeint. Der promovierte Diplom-Biologe, der bis zum 30. April für den TÜV-Südbayern tätig war, spricht bezüglich seiner Amtsübernahme zwar von einem „sanften Einstieg“, aber er hat klare Vorstellungen, wie er den Bürgermeisterposten ausführen möchte – nämlich betont bürgernah.

Sein Wunsch wäre es gewesen, sich beim Maifest offiziell als Rathauschef zu präsentieren und mit den Dorfbewohnern gleich ins Gespräch zu kommen. Das fiel wegen der Corona-Krise leider flach. Doch auf die Kommunikation und den regelmäßigen Austausch mit den Bürgern möchte Malterer großen Wert legen: „Ich will wissen, was den Leuten wichtig ist.“ Eine „konstruktive Zusammenarbeit“ strebt der Bürgermeister auch für den neuen Gemeinderat an. Im Vorfeld der konstituierenden Sitzung, die am morgigen Dienstag über die Bühne gehen wird, hat er sich bereits mit allen Fraktionen zusammengesetzt. „Thematisch gibt der verabschiedete Haushalt stark vor, wie es weitergeht“, erklärt Malterer.

Dazu gehört unter anderem die Schaffung eines provisorischen Erweiterungsquartiers für die Krippenbetreuung. „Wir brauchen da eine Lösung, die uns kurzfristig über Wasser hält“, kündigt Malterer an. Als Standort für eine „Container-Krippe“ ist das Rathausplateau über der Tiefgarage im Gespräch – wobei Malterer den Begriff „Container“ nicht überstrapazieren möchte: „Das soll optisch schon ansprechend ausschauen“, sagt der neue Bürgermeister.

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