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Einen eigenen Thron mit dem Wappen von Bernried in der Lehne erhielt Walter Eberl von aktiven und ehemaligen Gemeinderäten geschenkt. 

Bernrieds Altbürgermeister Walter Erberl

Ein Thron zum 90. Geburtstag

„Nachher kann er begrüßen, aber jetzt red’ i.“ Mit diesen Worten machte Walter Eberl gleich nach seiner Ankunft vor dem Torbogensaal, wo am Dienstag rund 70 Gäste warteten, eine klare Aussage zum Protokoll seiner Feier zum 90. Geburtstag.

Bernried – Der dritte Bürgermeister Georg Malterer, der Josef Steigenberger vertrat, musste warten. Zunächst hob Eberl in seiner Rede die Bedeutung des Friedens hervor. Er sei schon als junger Mann zum Kriegsgegner erzogen worden. Wir alle seien verpflichtet, aus den Erfahrungen Lehren zu ziehen und so zu handeln, dass es keinen Krieg mehr gibt. „Menschlichkeit ist das A und O“, so Eberl, „dann funktioniert ein Gemeinwesen.“

Malterer kam dann doch noch zu Wort. Er würdigte das politische Engagement des Jubilars. Eberl habe sich nicht 100-prozentig engagiert, sondern „immer 150 Prozent gegeben“. Der zweite Bürgermeister Robert Schiebel berichtete, dass Eberl den Ort aus der Verwaltungsgemeinschaft mit Seeshaupt und Iffeldorf herausgeführt habe, um „einfacher schalten und walten zu können“. Zwischenruf von Eberl: „Nicht so laut!“ Außerdem habe er sich um das Buchheim-Museum, die Bebauungspläne im Ort und die Einführung des Einheimischen-Modells verdient gemacht, so Schiebel, der feststellte, dass Eberl „seine Merkfähigkeit und Schlitzohrigkeit“ viel geholfen haben.

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Als Geschenk von den derzeitigen und ehemaligen Gemeinderäten bekam der Altbürgermeister einen Thron. Der edle Sessel aus poliertem Holz mit Lederbezug ist laut Schiebel so gestaltet, dass Eberl „mit den Füßen am Boden bleibt“ und sich dabei bequem zurücklehnen kann. Dafür hat der Sessel eine besonders hohe Rückenlehne, die ein Bernrieder Wappen schmückt.

Eberl ist, wie er beim Stehempfang erzählte, erst seit 1952 Deutscher. Vorher war er staatenlos. Dies liegt an seiner ungewöhnlichen Geschichte. Sein Vater stammt aus dem moldawischen Teil Rumäniens, seine Mutter aus Lappersdorf im Kreis Karlsbad. Er wurde am 23. April 1929 im Forsthaus Espenthor in der Nähe von Karlsbad geboren, wo er seine Kindheit verbrachte. Nach dem Besuch der Volksschule in Kotischau bei Sarz und des Gymnasiums in Marienbad wurde er im August 1944 zur „Volkssturmgruppe Kaaden“ verpflichtet und fuhr mit einem Holzvergaser Milch zu einer Sammelstelle. Im Dezember 1944 wurde Eberl zur militärischen Ausbildung eingezogen und am 1. Mai 1945 zur Wehrmacht einberufen, gerade noch rechtzeitig, um von der tschechischen Freiheitsarmee als Angehöriger der Wehrmacht verhaftet werden zu können.

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Über mehrere Stationen mit Zwangsverpflichtung in der Landwirtschaft, im Forst und im Straßenbau in Böhmen konnte Eberl Mitte Juni 1946 mit der gesamten Familie ausreisen und lebte zunächst in der Hochlandhalle in Weilheim, dann als landwirtschaftlicher Arbeiter auf einem Einödhof in Forst. Nach dem Studium zum Bauingenieur arbeitete er in der Bauwirtschaft, ab 1962 mit eigenem Bauunternehmen.

Seine politische Laufbahn begann der 90-Jährige 1960 als Gemeinderat. 1972 wurde er zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Bernried gewählt. Das Amt hatte er bis 2002 inne. Bis jetzt ist er ehrenamtlich im „Baukreis Gemeindezentrum Sommerkeller“ tätig. VON ALFRED SCHUBERT

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