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Bürgermeister  Josef Steigenberger (links, stehend) informierte  im Hotelsaal.

Bürgerversammlung Bernried

Ein buntes Dorf mit 60 Nationalitäten

Die Dorfgemeinschaft funktioniert in Bernried, wie in der Bürgerversammlung deutlich wurde. Sorgenkind bleibt aber der Schulbau.

Bernried – Die Gemeinde Bernried ist ein Dorf, in dem viel über ehrenamtliches Engagement läuft. Beispiele sind die Asylhelfer, das „Soziale Netz“ und der Sportverein, der zusammen mit der Gemeinde den Bau der Turnhalle stemmte. Da verwunderte es nicht, dass der Tagesordnungspunkt „Ehrungen“ bei der diesjährigen Bürgerversammlung fast eine Dreiviertelstunde dauerte.

19 Namen umfasste die Kandidatenliste für die Auszeichnung mit der Goldenen Hofmarksmedaille und der Silbernen Bürgermedaille. Die höchste Anerkennung bekam Schwester Angela Kirchensteiner: Unter anderem aufgrund ihrer Verdienste um den Hospizverein Pfaffenwinkel wurde der Ordensschwester das Ehrenbürgerrecht verliehen. Kirchensteiner gab sich bei der Ehrung ganz bescheiden: „Ich hoffe ich, dass ich noch viel für Bernried tun kann“, so die 64-Jährige.

Rund 90 Anwesende

Während der knapp zweieinhalbstündigen Versammlung im Hotel „Seeblick“ wurde deutlich, dass die Dorfgemeinschaft in Bernried funktioniert. Streithemen gibt es im Ort so gut wie keine. Die Gemeinde setzt, wie Bürgermeister Josef Steigenberger vor den rund 90 Besuchern erläuterte, auf eine „behutsame Ortsentwicklung“, bei der die Schaffung von Wohnraum und örtlichen Arbeitsplätzen gleichmäßig verlaufen soll. Mit dem zehn Hektar großen Bauerwartungsland, über das die Kommune inzwischen verfügt, müsse sorgfältig umgegangen werden. Die Gewerbeflächen „Am Neuland“ würde man deshalb nur „bedarfsgerecht“ ausweisen. Steigenberger verwies darauf, dass seit 2002 rund 36 Millionen Euro in die örtliche Infrastruktur investiert wurden: „Das ist für so eine kleine Gemeinde eine ganz tolle Leistung. Aber man sieht auch das Ergebnis. Wir sind eine schöne und gut strukturierte Gemeinde.“

Ein Sorgenthema gibt es aber inzwischen: Gemeint ist der geplante Erweiterungsbau für die Schule und das Kinderhaus. Das von der Gemeinde angemeldete Raumprogramm inklusive Bedarf für die am Reitweg einquartierte Feuerwehr ist nach Einschätzung des beauftragten Architekturbüros für den Standort am Binselberg zu üppig und wäre dort nur mit einem Komplettabriss und Neubau unterzubringen. Das wiederum würde aber bis zu 15 Millionen Euro kosten – für die Kommune nicht zu finanzieren. Steigenberger favorisierte in der Versammlung stattdessen einen „maßvollen Umbau“ im Bestand für maximal fünf Millionen Euro. Dafür müsse aber beim Raumprogramm abgespeckt werden: „Wir werden da in die nächste Runde gehen und klären müssen, was Luxus und was zwingend nötig ist“, so der Rathauschef. Zeitlich wolle man das Projekt nicht auf die lange Bank schieben.

2018 Baubeginn auf Schmiedegelände?

Selbiges tut offenbar auch der Investor für das brachliegende Schmiedegelände nicht mehr. Wie Steigenberger berichtete, sind die Bauleistungen inzwischen „komplett ausgeschrieben“. Im Frühjahr 2018 soll Baubeginn für die Wohnanlage mit betreuten Seniorenunterkünften und Gewerbeeinheiten sein.

Ebenfalls im nächsten Jahr soll sich etwas in puncto behindertengerechter Bahnsteigausbau tun. „Die Zusagen für die Unterschriften liegen vor. Jetzt fehlen nur noch die Originalpläne“, konstatierte Steigenberger. Der Eigentümer des Bahnhofs und die Bahn haben sich bezüglich der Gestaltung der Absatzkante zur gläsernen Schokoladenmanufaktur im Erdgeschoss inzwischen geeinigt. „Es dauert eben, bis die großen Riesen in Bewegung kommen“, so Steigenberger über die Projektplanung der Bahn.

Und was erfuhren die Besucher der Versammlung sonst noch? Die neue Gemeinde-Homepage soll im ersten Quartal 2018 online gehen, die Kommune hat seit 2004 rund 3,5 Millionen Euro in die Sanierung des Sommerkellers gesteckt, und der Ausländeranteil im Klosterdorf mit seinen knapp 2300 Einwohnern beträgt 19 Prozent: Steigenberger: „Wir sind ein buntes Dorf mit 60 Nationalitäten – und kein Mensch spannt es, weil es eine Bereicherung für den Ort ist.“

Bernhard Jepsen

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