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Daniel J. Schreiber ist überzeugt, dass der verstorbene Lothar-Günther Buchheim (sein Konterfei ist im Hintergrund zu sehen) mit der Neuausrichtung des Museums einverstanden gewesen wäre. 

Daniel J. Schreiber im Porträt

Kunst als Fitnessstudio für die Seele

Bernried - Daniel J. Schreiber leitet das Buchheim-Museum - und ist kein staubtrockener Theoretiker. Wir haben ein Porträt über ihn.

Der Starnberger See glitzert silberblau in der Mittagssonne, die Segel der wenigen Boot leuchten wie kleine weiße Kleckse, das frühherbstliche Gelbgrün der Blätter der Uferbäume schiebt sich von unten ins Bild: Der Blick aus Daniel J. Schreibers Büro im Buchheim-Museum der Phantasie könnte ein Motiv für ein Gemälde sein, das dazu einlädt, ins Träumen zu geraten.

Schreiber, der seit etwa drei Jahren Direktor dieses Museums ist, genießt diesen Blick auch, aber nur, wenn er eine der seltenen Pausen einlegt. Meist gewinnt die Arbeit gegen die herrliche Aussicht. Das bedeutet für ihn aber keine Entbehrung: „Ich bin mit dem, was ich mache, sehr glücklich“, sagt der 51-Jährige, der Kunstgeschichte, Philosophie und Ethnologie in Hamburg und München studiert hat. Das Buchheim-Museum sei ihm wie auf den Leib geschnitten: „Die Größe ist ideal, ich habe einen hohen Freiheitsgrad bei meiner Arbeit, und das macht Spaß. Kunst ermöglicht Freiheit“, sagt er, „ist Fitnessstudio für Geist und Seele.“

Wer bei dem Mann mit der schwarzen Brille einen staubtrockenen Kunstfreund erwartet, täuscht sich. Daniel J. Schreiber hat Humor und lacht gern – sogar über sich selber. Als Jugendlicher hatte er damit geliebäugelt, selber Künstler zu werden. Heute sei er froh, sich mit Bildern, Skulpturen, Installationen nicht als Erschaffender beschäftigen zu müssen, sagt er.

Als Ehemann und Vater von zwei kleinen Kindern, der das Familienleben sehr schätzt, genießt er auch die Sicherheit, die seine jetzige Position mit sich bringt: „Ich bin ein solider Charakter.“ Als Künstler müsse man sehr narzisstisch sein, „und diese Eigenschaft ist bei mir nicht so stark ausgeprägt“.

Dass Schreiber seine Arbeit im Buchheim-Museum gerne und begeistert macht, hat bereits Früchte getragen: Seit er die Leitung des Hauses übernommen hat, das sich wie ein gestrandetes Schiff an den Hang über dem Starnberger See schmiegt, haben sich die Besucherzahlen verdoppelt. Nachdem früher festgelegt gewesen war, dass in dem Museum in Bernried nur Werke aus der Sammlung Buchheim zu sehen sein und diese auch nicht verliehen werden dürfen, öffnete der neue Leiter nach und nach das Haus und ermöglichte den Austausch mit anderen Sammlungen und Museen.

Der Direktor ist sich sicher, dass diese Schritte – auch, wenn es anders festgelegt war– ganz im Sinne des 2007 gestorbenen Museumsgründers Lothar-Günther Buchheim gewesen wären: „Er wäre, glaube ich, der Erste gewesen, der das revidiert hätte.“ Buchheim habe ständig über die „Museen der Trägheit“ hergezogen.

Bevor Daniel J. Schreiber an das Bernrieder Museum kam, hatte er die künstlerische Leitung der Kunsthalle in Tübingen innegehabt. Die Familie wohnte in Stuttgart. Vor mehr als drei Jahren zog sie aus der schwäbischen in die bayerische Landeshauptstadt. Für seine Entscheidung, an das zu der Zeit unter Museumskollegen als unbeweglich geltende Buchheim- Museum zu wechseln, ist Schreiber damals von manchem belächelt worden. Er sah darin jedoch eine Chance, die er sich nicht entgehen lassen wollte. Heute wird er um seine Position an diesem Haus in herrlicher Landschaft, mit atemberaubender Architektur und mit der berühmten expressionistischen Sammlung von vielen beneidet.

Und er hat noch viele Ideen für das „Buchheim Museum der Phantasie“: „Ich denke, dass immer mehr Ausstellungen kommen werden, die weit entfernt sind von allem Vorstellbaren.“

Text: Kathrin Hauser

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