Gemeinsames Treffen vor dem Bernrieder Kloster. Im Hintergrund der Ostflügel, in dem die Grundschule einziehen soll. (v.l.) Oberin Hedwig Willenbrink, Altbürgermeister Josef Steigenberger, Priorin Ruth Schönenberger, Bürgermeister Georg Malterer, Sylvia Vesper (Bildungshausleiterin) und Mechthild Hommel.
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Gemeinsames Treffen vor dem Bernrieder Kloster: Im Hintergrund der Ostflügel, in dem die Grundschule einziehen soll. (v.l.) Oberin Hedwig Willenbrink, Altbürgermeister Josef Steigenberger, Priorin Ruth Schönenberger, Bürgermeister Georg Malterer, Sylvia Vesper (Bildungshausleiterin) und Mechthild Hommel.

Paukenschlag im Gemeinderat

Gemeinde Bernried will Kloster kaufen

Die Zukunft des Klosters hing offensichtlich am seidenen Faden. Nun aber will die Gemeinde einsteigen. Sie hat große Pläne mit der Klosterimmobilie.

Bernried – Man stelle sich vor, Bernried holt im nächsten Jahr die coronabedingt verschobene 900-Jahrfeier seines Klosters nach – und selbiges existiert gar nicht mehr. Wie jetzt publik wurde, wäre dieses Szenario beinahe eingetreten. „Wir sind eigentlich schon zu dem Schluss gekommen, das Bildungshaus zu schließen. Es war kurz vor knapp“, berichtete Schwester Mechthild Hommel im Gemeinderat. Zusammen mit Priorin Ruth Schönenberger informierte die Ordensfrau über die aktuelle Lage.

Schon seit rund sechs Jahren sind die Missions-Benediktinerinnen auf der Suche nach einem tragfähigen Zukunftskonzept für das Kloster und Bildungshaus. Die Nachwuchssorgen in der Kongregation und die zunehmenden Herausforderungen, die bei der Instandhaltung der Klosterimmobile anfallen, brachten die Ordensschwestern immer mehr an ihre Kapazitätsgrenzen. Vor allem der Brandschutz bereitete Sorgen. Über Zahlen sprechen die Missions-Benediktinerinnen zwar nicht, aber die Erfüllung der behördlichen Auflagen hätte ein millionenschweres Investitionsvolumen bedeutet.

Das Kloster hat uns geprägt. Bernried wäre heute vollkommen anders, wenn es nicht da wäre.

Bürgermeister Georg Malterer

Als das Landratsamt ernst machte, war für die Ordensschwestern mehr oder weniger klar: Das Bildungshaus wird bis Jahresende geschlossen. Auch die Suche nach alternativen Betreibermodellen und Investoren war lange Zeit nicht erfolgreich. Der Interessentenpool reichte von Universitäten über Kliniken bis hin zu Luxushoteliers. Zuletzt wurde ein Bewerber vorstellig, der ein hochpreisiges Fastenhotel mit Übernachtungstarifen von bis zu 500 Euro eröffnen wollte. Doch das alles passte nicht zum Charakter des Klosters. Auch wenn immer klar war, dass die Gemeinde über ihre bauleitplanerische Hoheit ein gewichtiges Mitspracherecht bei Investorenmodellen gehabt hätte, war die Sorge im Rathaus doch groß, dass das Kloster in seiner ideellen Wirkung für das Dorfleben verloren gehen könnte. Das Kloster ist für den Ort identitätsstiftend – über die bauliche Funktion hinaus: „Das Kloster hat uns geprägt. Bernried wäre heute vollkommen anders, wenn es nicht da wäre“, konstatierte Bürgermeister Georg Malterer in der Ratssitzung.

Dass die Gemeinde selbst das Kloster übernehmen könnte, schien lange Zeit undenkbar und unrealistisch. Doch in seinen ersten Amtswochen entwickelte Malterer in Kooperation mit seinem Vorgänger Josef Steigenberger einen kühnen Plan: Die Gemeinde kauft das Kloster und funktioniert den Ostflügel zum Standort für die Grundschule um.

Noch keine Verträge unterschrieben, aber weit fortgeschrittene Verhandlungen

Bei den Missions-Benediktinerinnen rannten Steigenberger und Malterer offene Türen ein, als sie die Konzeption vorstellten. Wenige Tage später Anfang Juli hätte man sonst ordensintern begonnen, den Schließungsbeschluss umzusetzen. „Wir sind zum richtigen Zeitpunkt gekommen“, erklärte Altbürgermeister Steigenberger im Gemeinderat: „Die Dringlichkeit war uns nicht bewusst. Im Nachhinein waren es glückliche Umstände.“ Auch wenn noch keine Verträge unterschrieben sind, sind die Verhandlungen weit gediehen. Steigenberger und Malterer sprechen von einer „Wahnsinnschance für die Gemeinde“ respektive von einem „Bernrieder Projekt“.

Schon seit längerem wurde in internen Klausurtagungen immer wieder über die Entwicklung der dörflichen Infrastruktur diskutiert. Ein zentraler Punkt war dabei stets die Erweiterung oder der Neubau der Grundschule. Die räumlichen Kapazitäten am Binselberg sind beschränkt – zumal auch das benachbarte Kinderhaus und die Feuerwehr mehr Platz brauchen.

Für den Kloster-Umbau kann die Gemeinde staatliche Fördergelder erhalten

Mit dem Erwerb des Klosters – über den möglichen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart – würde die Gemeinde, wie es Malterer formuliert, „Investitionen umleiten“, die ohnehin fällig geworden wären. Statt eines Schulhausneubaus oder einer Erweiterung wird nun eben der Ostflügel des Klosters umgebaut – und dabei gleich zu einem großen Teil die Brandschutzproblematik gelöst. Das lukrative an der Variante: Für den Umbau in ein Schulhaus – Steigenberger rechnet mit Baukosten von sechs bis sieben Millionen Euro – kann die Gemeinde staatliche Fördergelder abgreifen. Die alte Grundschule soll dann für die Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt werden.

Im Gemeinderat kamen das „Bernrieder Projekt“ respektive der Klosterkauf gut an. Die rund 30 Besucher, die zur Sitzung in den Sommerkeller gekommen waren, spendeten reichlich Applaus, als Malterer die „Zielrichtung“ erläutert hatte: „Mir fällt ein Stein vom Herzen. Jetzt können wir endlich offen diskutieren.“ Die Angelegenheit war wochenlang unter Verschluss gehalten worden. Bereits Ende Juli hatte der Gemeinderat nichtöffentlich einen einstimmigen Grundsatzbeschluss gefasst, das drei Hektar große Klosteranwesen zu kaufen.

Neben Schule soll es auch einen Klostergasthof und ein Tagescafé geben

Sollte die Gemeinde Bernried das Kloster von der „Kongregation der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing“ erwerben, wird sich die Gemeinde an die Planungen für den Umbau des Ostflügels zum Grundschulstandort machen. Bürgermeister Georg Malterer (ÜFW) spricht von einer „mittelfristigen Realisierung“. Parallel dazu wird die Gemeinde auch die Trägerschaft für das Bildungshaus übernehmen – und zwar unter dem Dach eines noch zu gründenden Kommunalunternehmens (KU). Der Tagungsbetrieb mit derzeit 35 Mitarbeitern soll auf kleinerer Basis im West- und Südflügel weitergeführt werden.

Der geistig-spirituelle Charakter soll erhalten bleiben. Auch werden weiterhin Ordensschwestern – derzeit sind es noch 14 – im Kloster wohnen. Der aktuell überdimensionierte Küchentrakt im Kloster soll eventuell auch andere Einrichtungen verpflegen und zum Beispiel für den noch im Umbau befindlichen Sommerkeller gastronomische Angebote bereitstellen. Malterer spricht diesbezüglich von „interessanten Synergieeffekten“. Auch der Sommerkeller als Kulturveranstaltungszentrum wird betrieblich in das KU eingegliedert.

Im Kloster soll zudem ein Tagescafé und ein Klostergasthof entstehen. Mit den Einnahmen, so hofft man, soll das Bildungshaus über die Deckung der Instandhaltungs- und Nebenkosten hinaus wirtschaftlich betrieben werden.

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