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An der Bahnlinie  nach Tutzing liegt das Grundstück, auf dem gebohrt werden soll. 

Nachbarprojekte stehen schon vor dem Aus 

Geothermie in Bernried auf der  Kippe

Die Pläne für Deutschlands größtes Geothermie-Kraftwerk in der Lichtenau bei Weilheim stehen vor dem Aus. Nun ist auch das zweite große geplante Geothermie-Kraftwerk im Landkreis auf der Kippe. Die Gemeinde Bernried geht inzwischen davon aus, dass nichts mehr daraus wird, die Firma „BE Geothermal“ hält sich bedeckt.

Bernried – Zwar wurde bei einer Probebohrung in der Lichtenau 165 Grad heißes Wasser gefunden, allerdings, so heißt es von Seiten der Firma „Enel Green Power“ sei die Schüttung zu gering. Die Nachricht ist für die Geothermie-Branche ein schwerer Schlag – und damit auch für das seit rund zehn Jahren geplante Geothermiekraftwerk in Bernried.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung fragte Walter Westermeier (SPD), ob mit der erfolglosen Probebohrung in der Lichtenau auch das Bernrieder Projekt begraben werden könne. „Das ist anzunehmen“, antwortete Bürgermeister Josef Steigenberger: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jetzt noch jemand traut, diese Investition zu tätigen. Es hat nicht sollen sein.“ Nicht nur in der Lichtenau, auch bei Geretsried sei die Probebohrung negativ verlaufen – „und Bernried liegt ziemlich in der Mitte“, erklärte der Rathauschef. Noch keine abschließende Bewertung möchte hingegen Lutz K. Stahl, der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft „BE Geothermal“ abgeben. Die Nachricht vom Projektaus in der Lichtenau sei zwar aus Sicht der Bernrieder Pläne „enttäuschend“, allerdings würde noch keine offizielle Datenauswertung vorliegen: „Wir schauen gerade, dass wir an die Ergebnisse kommen. Die sind vom Betreiberkonzern ,Enel’ noch nicht veröffentlicht worden. In ein paar Wochen wird man mehr dazu sagen können“, so Stahl.

Vom Geothermie-Kraftwerk Bernried ist – anders als in Wielenbach – noch nichts zu sehen. Der geplante Standort an der Bahnlinie Bernried-Tutzing in Höhe Höhenried ist eine unbebaute, abgelegene Wiese.

Aktuell würde „BE Geothermal“ an der Genehmigung für die Bohrung und den Kraftwerksbau festhalten. Eine „Deadline“ für das Bernrieder Projekt gebe es derzeit nicht. Dass die Probebohrung in Geretsried nicht erfolgreich war, ist laut Stahl für die Pläne der „BE Geothermal“ nicht relevant: „In Geretsried gibt es lokal eine ungünstige Konstellation. Das erschreckt uns nicht.“ Selbiges könne sich theoretisch auch für die Lichtenau ergeben: „Es hängt von den geologischen Verhältnissen ab“, erklärt Stahl: „Ohne offizielle Ergebnisse kann man das nicht entscheiden.“ Generell hält Stahl die Geothermie für einen wichtigen Baustein in der Energiewende: „Der Bedarf an erneuerbarer Wärme nimmt immer mehr zu. Auch bezüglich der Stromwende ist die Geothermie enorm wichtig“, betont der Geschäftsführer. Auf dem Claim im Westen von Bernried sollten die Bauarbeiten für das Kraftwerk eigentlich schon 2010 beginnen. Doch zur Umsetzung der Pläne kam es bislang nicht – unter anderem, weil sich ein namhaftes Rückversicherungsunternehmen aus dem Geothermiegeschäft verabschiedete. Im Raum Tutzing hat sich die Bürgerinitiative „Alternative Energiequellen“ gegründet, die mit einer Petition und Klagen gegen das Vorhaben mobil machte. Auch die Gemeinde Tutzing sprach sich dagegen aus. Das Verwaltungsgericht München wies die Klagen der Bürgerinitiative, zweier Fischer und einer Hausbesitzerin im Dezember 2012 jedoch ab. Auch die Petition an den Landtag führte zu keinem Erfolg.

Die geplante Kraftwerksanlage mit einer 4750 Meter tiefen Förderbohrung soll laut den Prognosen der Konzeptentwicklung auf 150 Grad heißes Wasser stoßen und eine elektrische sowie thermische Leistung von bis zu 11 respektive 80 MW liefern.

Bernhard Jepsen

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