Hubschrauberlandeplatz im Gallafilz

„Wir dürfen uns nicht lächerlich machen“

Bernried - Der geplante Hubschrauberlandeplatz im Gallafilz wurde im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Er hat aber keine Entscheidungsbefugnis. 

Fahrrad, Auto und Zug: Das sind für gewöhnlich die Fortbewegungsmittel, mit denen man zur Arbeit fährt. Oder aber man nimmt den Hubschrauber – so wie Jakob Schaetz. Der Chef einer international tätigen Marketingberatungsfirma mit Büros in München und Zürich möchte auf seinem Privatsitz im Gallafilz zwischen Bauerbach und Gut Unterholz einen Hubschraubersonderlandeplatz einrichten. Die Pläne sind nicht neu.

Schon vor einem Jahr musste sich der Bernrieder Gemeinderat mit dem Thema beschäftigen. Inzwischen liegen die gewünschten Gutachten auf dem Tisch. Keine der Expertisen spricht sich gegen den Hubschraubersonderlandeplatz aus. Einige Gemeinderäte beäugen das Projekt aber dennoch kritisch. „Das ist ein heißes Thema“, bestätigte Bürgermeister Josef Steigenberger auf Nachfrage. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sei jedenfalls über den geplanten Landeplatz „kontrovers diskutiert“ worden. Einige Gremiumsmitglieder würden eine Einschränkung des landschaftlichen und touristischen Erholungswerts befürchten. „Die knappe Mehrheit ist aber für den Hubschrauberlandeplatz“, so Steigenberger. Die Gemeinde Bernried hat in dem Genehmigungsverfahren sowieso nur eine passive Rolle. Sie wurde in ihrer Eigenschaft als Träger öffentlicher Belange lediglich zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Zuständig ist die Regierung von Oberbayern respektive das Luftamt Südbayern – und letztlich geht es auch nur um eine Art Dauergenehmigung für den ohnehin schon seit mehreren Jahren bestehenden Hubschrauberflugverkehr im Gallafilz. Bislang hat Schaetz, der als Pilot selbst am Steuerknüppel sitzt, immer wieder Einzelgenehmigungen eingeholt. Von den Behörden wurde ihm deshalb die Einrichtung eines dauerhaften Sonderlandeplatzes empfohlen – und der Standort im kaum bewohnten Gallafilz wurde von offizieller Seite bereits auch als geeignet eingestuft.

Zum selben Ergebnis kommen die Gutachten: Demnach sei das Gallafilz keine explizit ausgewiesene Wanderregion oder ein spezieller Lebensraum für geschützte Greifvögel. Auch würden die Lärmschutzgrenzwerte weit unterschritten. Vor allem das letzte Argument überzeugt Bernrieds Bürgermeister: „Wir dürfen uns bei der Sache nicht lächerlich machen. Das Grundstück liegt an einer Kreisstraße, auf der täglich 1800 Autos und 300 Lastwagen fahren.“ Letztlich gehe es auch nur um rund 170 Flüge im Jahr, wobei Start- und Landephase jeweils als eine Flugbewegung gewertet werden.

Der Gemeinderat verständigte sich letztlich darauf, dass Vertreter der einzelnen Fraktionen an der Formulierung einer gemeinsamen Stellungnahme feilen sollen . Im November soll das Thema „Hubschraubersonderlandeplatz“ im Gallafilz dann erneut auf die Tagesordnung für die Sitzung des Bernrieder Gemeinderates gesetzt und ausführlich diskutiert werden.

Bernhard Jepsen

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