+
Das ehemalige Generali-Schulungszentrum in Höhenried soll in Zukunft als Präventionszentrum durch die Klinik genutzt werden.

Gemeinde Bernried hilft kräftig

Klinik in Höhenried kauft Generali-Akademie - und plant ein spannendes neues Projekt

Ein Jahr lang wurde hinter den Kulissen fleißig verhandelt, nun ist alles in trockenen Tüchern: Die Klinik Höhenried wird das inzwischen geschlossene Generali-Schulungszentrum übernehmen. Der notarielle Kaufvertrag wurde bereits besiegelt. Die Klinik verfolgt mit dem Akademie-Gebäude ehrgeizige Pläne.

Bernried – Im Pressegespräch mit der Heimatzeitung ist Robert Zucker die Erleichterung anzumerken. Bis zum Schluss, so erzählt der Geschäftsführer der Klinik Höhenried, sei nicht sicher gewesen, dass man beim Verkauf des ehemaligen Generali-Schulungszentrums tatschlich den Zuschlag erhalten würde. „Es war ein aufwendiger Prozess“, betont Zucker, „ich bin sehr froh, dass wir es geschafft haben.“

Dem Erwerb mussten unter anderem die Aufsichtsratsgremien der Deutschen Rentenversicherung als Träger der Klinik Höhenried zustimmen, auch das Oberversicherungsamt musste erst sein Plazet geben. Entscheidend mitgeholfen bei dem Immobiliendeal hat die Gemeinde Bernried. Die Kommune hat nämlich eine baurechtliche Veränderungssperre über das 8500 Quadratmeter große Grundstück verhängt. Man wollte von Seiten des Gemeinderats verhindern, dass der Standort im städtebaulich sensiblen Bereich am Grundweiher und in der Nähe des Bernrieder Parks durch anderweitige Nutzungsformen entwertet wird. Und die Veränderungssperre drückte natürlich auch den Kaufpreis. Über die Höhe wurde zwar Stillschweigen vereinbart, aber die Klinik finanzierte den Betrag aus eigenen Mitteln: „Dank der Nutzungseinschränkung konnten wir uns das leisten“, erklärt Zucker.

Die Klinik, die bislang vor allem in der orthopädischen, kardiologischen und psychosomatischen Rehabilitation tätig ist, verfolgt mit dem ehemaligen Schulungszentrum große Pläne. Im Oktober will sie am Grundweiher ein organisatorisch selbstständiges Präventionszentrum eröffnen und sich damit ein viertes Standbein aufbauen – wobei die Aktivitäten im Bereich der Vorbeugung nicht ganz neu sind.

Schon seit 2013 bietet die Klinik im Schloss Höhenried Präventions-Angebote für jährlich rund 30 Gruppen an. „Bei großen Firmen haben wir damit offene Türen eingerannt“, berichtet Zucker. Zum Beispiel schicken Audi, der Allianz-Konzern, Roche, BMW, die Stadtwerke München oder der ADAC ihre Mitarbeiter nach Höhenried. Der Hintergrund: Durch den demografischen Wandel und die verlängerte Lebensarbeitszeit gewinnen gesundheitsfördernde Präventivmaßnahmen immer mehr an Bedeutung – sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber. „Es ist besser, man tut etwas, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, erklärt Zucker, der im Zusammenhang mit Prävention von „praxisorientierter Bildung für Erwachsene“ spricht. Die Angebote der Klinik durchlaufen mehrere Abschnitte, angefangen von einer stationären „Initialphase“, über eine ambulante Betreuung bis hin zu einer sechsmonatigen „Selbststeuerungsphase“, in der Eigenaktivität gefragt ist, und einem zweitägigen „Refresher“-Aufenthalt in der Klinik. Die bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv: „Die Teilnehmer nehmen im Durchschnitt bis zu sieben Kilo ab – und die Blutdruckwerte verbessern sich signifikant“, so Zucker. Das Angebot würde sich entsprechend hoher Resonanz erfreuen: „Wir haben sogar schon die ersten Wiederholer.“

Allerdings gibt es ein Problem: Die Kapazitäten im Schloss Höhenried reichen nicht aus, um das Angebot auszubauen. Mit der ehemaligen Generali-Akademie, die vom Versicherungskonzern aus strategischen Gründen geschlossen wurde, will die Klinik das Angebot nun massiv ausbauen – „auch für Menschen, die nicht in großen Firmen arbeiten“, wie Zucker ausdrücklich erklärt.

Anspruchsberechtigt sei jeder, der in der Rentenversicherung registriert sei – solange die betreffende Person keine Rehabilitation benötigen würde. Von den 42 Millionen rentenversicherten Erwerbstätigen sind das laut Zucker etwa 40 Millionen. Ein enormes Potenzial: „Nur es weiß eben keiner, dass es so etwas gibt“, konstatiert der Klinik-Geschäftsführer.

In genau diese Lücke will die Klinik Höhenried nun stoßen. Im künftigen Präventionszentrum am Grundweiher sollen vier bis fünf Gruppen gleichzeitig betreut werden. Die Gewinnschwelle liegt bei etwa 2700 Teilnehmern im Jahr. „Das ist mehr, als in ganz Deutschland bislang im Jahr präventiv betreut werden, aber wir kriegen das hin“, so Zucker.

Große Umbauarbeiten am Generali-Schulungszentrum werde es nicht geben. Das bisherige Akademie-Team habe hervorragende Arbeit geleistet, sodass das Haus in einem guten Zustand sei. Auch sei der Gebäudekomplex mit Schwimmbad, Kegelbahn, Restaurant und den 76 Zimmern bereits sehr gut auf die Bedürfnisse des Präventionszentrums ausgerichtet. Von Bernhard Jepsen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Für Metropol-Umbau müssen Bäume fallen
Die Vorbereitungen für den Umbau des alten Metropolkinos zur neuen Musikschule laufen. Nächstes Jahr soll es losgehen. Um die Baustelle einzurichten, müssen allerdings …
Für Metropol-Umbau müssen Bäume fallen
Wieder „Lesepause“ im großen Stil - diese bekannten Autoren lesen in Weilheim auf dem Kirchplatz 
Autorenlesungen bei freiem Eintritt: Im Juli gibt es wieder die „Weilheimer Lesepause am Kirchplatz“. Auch der ein oder andere Stargast ist mit von der Partie.
Wieder „Lesepause“ im großen Stil - diese bekannten Autoren lesen in Weilheim auf dem Kirchplatz 
Verpackung aus Maisstärke und Zuckerrohr: Bäckerei „Kasprowicz“ setzt auf Bioplastik
“Grüner“ einkaufen können Kunden in den Filialen der „Bäckerei und Konditorei Kasprowicz“. Nicht nur Schnittbeutel für Brot sind aus umweltfreundlicherem Material. 
Verpackung aus Maisstärke und Zuckerrohr: Bäckerei „Kasprowicz“ setzt auf Bioplastik
Urgestein Holzmann hört auf
Klemens Holzmann ist ein politisches Urgestein im Landkreis. Seit 1996 amtiert der Bürgermeister in Eglfing. Bald ist Schluss: Zur Wahl 2020 tritt der heute 67-Jährige …
Urgestein Holzmann hört auf

Kommentare